Alaska-Kauf: Kreml-Trolle schlagen eine Rückerstattung vor
Letzte Woche liefen in der Sankt Petersburger Trollfabrik die Räder heiß. Ihre eigene Nachrichtenagentur, RIA FAN, veröffentlichte eine Erklärung des kremlnahen Publizisten Nikolai Starikow, der nahelegte, dass Russland möglicherweise aus dem Vertrag von 1867 mit den Vereinigten Staaten über die Übertragung des Eigentums an Alaska aussteigen könnte.
Nach Ansicht von Herrn Starikow ist Russland bereit, den Vereinigten Staaten die 7,2 Millionen Dollar zurückzuerstatten, die sie für Alaska bezahlt haben, und die Region wieder in den russischen Einflussbereich zurückzuholen. Dies sollte, so Starikow, eine Reaktion auf Washingtons Pläne sein, aus dem Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) auszutreten.
In einer veröffentlichten Erklärung, die zwei Desinformations-Lieblinge aus Provokation und „Whataboutism“ kombiniert, legt Herr Starikow die angeblichen rechtlichen Grundlagen für einen solchen Schritt dar. Ihm zufolge wurde der Alaska-Abtretungsvertrag in einer anderen geopolitischen Realität unterzeichnet. Und obwohl der Vertrag die Übertragung des Territoriums vorsieht, legt er nicht fest, für wie lange, da die traditionelle russische diplomatische Formel „auf ewige Zeiten“ fehlt.
Herr Starikow, der auch kaufmännischer Direktor der Niederlassung des Fernsehsenders „Pervyi kanal“ in St. ist.Petersburg war in der Vergangenheit an der Verbreitung großer Mengen falscher und irreführender Informationen beteiligt – ganz im Einklang mit den Desinformationsnarrativen des Kremls zu Themen wie der Ukraine, der Migrationskrise und Terroranschlägen in Europa. Herr Starikow hat sich auch vor Verschwörungstheorien nicht gescheut. Einträge in seinem persönlichen Blog legen nahe, dass die Bilderberg-Gruppe Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs gemacht hat und dass globale Eliten das weltweite Finanzsystem zerstören – durch das Durchsickern der Panama Papers.
Auch die Andeutung, dass Alaskaner unter der Kontrolle Moskaus besser dran wären, war in der Vergangenheit Teil der Desinformationskampagne des Kremls.
Ein journalistisches Rechercheprojekt des unabhängigen russischen Nachrichtenportals RBC zeigte im vergangenen Jahr, dass die Nachrichtenagentur RIA FAN eine Schöpfung der Trollfabrik in St. Petersburg ist und ihre erste Adresse mit den Trollen teilte, bevor sie in getrennte Räumlichkeiten umzog. Im Besitz des Geschäftsmanns Jewgeni Prigoschin, der den Spitznamen „Putins Koch“ trägt, war RIA FAN maßgeblich daran beteiligt, Desinformation zu verbreiten und die öffentliche Informationssphäre sowohl in Russland als auch im Ausland zu stören.