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Eifrige Ural-Staatsanwälte retten die Stadt vor einem Shiva-Kult

Eine Frau in traditioneller russischer Kleidung tanzt mit erhobenen Armen. (Von KI generierte Beschreibung)
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Ein Element der Kreml-Desinformation ist der Versuch, Russland als Bollwerk „traditioneller Werte“ darzustellen. Die EUvsDisinfo-Datenbank zur Desinformation enthält Hunderte von Fällen, die eine solche Behauptung weiterverbreiten: „Nur die russische Zivilisation kann die Welt vor dem Zusammenbruch retten“, warnt der staatseigene Sputnik. Ebenso verbreitet der staatseigene Sender RT eine Prophezeiung über Biden und ruft einen „Kreuzzug gegen traditionelle Werte“ aus.

Der Kult des Shiva

Der Staatsanwalt der Ural-Stadt Ischewsk – international bekannt als Geburtsort des AK-47-Gewehrs – beteiligt sich an der Verteidigung von Tradition und Anstand durch den Kreml und greift eine Erscheinungsform einer ausländischen religiösen Bewegung an, die versucht, Christen vom rechten Weg abzubringen: den Kult des Shiva. Die Staatsanwaltschaft hat in der Stadt einen Fall illegaler Missionierung festgestellt (Namen von EUvsDisinfo anonymisiert):

Es wurde festgestellt, dass die vk.com-Nutzerin Ekaterina K. in der Gruppe XX Informationen über „Die Große Nacht des Shiva – Mahashivaratri“ und „Navaratri Puja – Verehrung der neun Formen von Durga“ veröffentlicht hat sowie auf ihrem persönlichen Konto Informationen über die religiösen Feierlichkeiten im Zusammenhang mit der hinduistischen Gottheit Shiva und der Göttin Durga, einschließlich Angaben zu Zeit, Ort und Kontaktdaten, die für alle Nutzer des globalen Netzwerks Internet öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Die Verdächtige Ekaterina K.ist eine Yogalehrerin und versucht, Kundschaft für ihr Yogastudio zu gewinnen.

Yoga hat seine Wurzeln in hinduistischen Praktiken der Meditation und Kontemplation, und Shiva ist der Legende nach der Schöpfer des Yoga. Yoga war sein Geschenk an seine Ehefrau Parvati, auch bekannt als Durga. Modernes Yoga hat meist keine Verbindung zu religiösen Aspekten, doch viele Lehrende und Studios bewahren einen gewissen esoterischen Anstrich.

Behinderung der Missionierung

Russische Beamte haben Yogalehrende schon früher angegriffen. Im Oktober 2016 wurde eine Yogalehrerin aus St. Petersburg unter demselben Vorwand angeklagt wie Ekaterina K. in Ischewsk – illegale Missionierung. In diesem Fall wurde die Lehrerin freigesprochen. Beide Fälle stehen im Zusammenhang mit einer Gesetzgebung, die 2016 eingeführt wurde und gewöhnlich „die Jarowaja-Gesetze“ genannt wird – ein Bündel von Gesetzen zur Verstärkung des Kampfs gegen Terrorismus. Das Gesetz enthält Beschränkungen der Missionierung. Missionare stellen im russischen Sicherheitskonzept eine ausländische Aggression dar.

Im Januar 2000 unterzeichnete der amtierende Präsident Putin, der zehn Tage zuvor das Amt des russischen Staatsoberhaupts übernommen hatte, nachdem der amtierende Präsident Jelzin zurückgetreten war, ein Dekret über ein Konzept der nationalen Sicherheit Russlands.Schon hier betrachtet der Kreml ausländische Religionen als Sicherheitsbedrohung:

….den negativen Einfluss ausländischer religiöser Organisationen und Missionare.

Mehrere religiöse Organisationen, zum Beispiel Jehovas Zeugen, stehen unter Beschuss durch russische Behörden. Die Heilsarmee erwirkte erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte die Aufhebung einer russischen Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 2006, die die Gemeinde als „eine ausländische, militarisierte Organisation“ bezeichnete.

In diesem Zusammenhang fällt Yoga in die Kategorie ausländischer religiöser Organisationen mit negativem Einfluss. Die mächtige Kirche Russlands hat offen erklärt, Yoga sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Metropolit Hilarion, der Leiter der Abteilung der Kirche Russlands für internationale Beziehungen und einer der führenden Theologen des Moskauer Patriarchats, erklärt:

Für einen orthodoxen Christen ist Yoga als Komplex körperlicher, spiritueller und psychologischer Übungen nicht zu empfehlen.

Ekaterina K. rechnet als Ersttäterin mit einer Geldstrafe von 5.000 Rubel (55 EUR Anfang Mai).Sie schreibt auf ihrem vk.com-Konto, dass sie im Allgemeinen drei Optionen hat: weiter die Geldstrafen zu zahlen, auszuwandern oder eine Religionsgemeinschaft zu registrieren und damit formell in Konkurrenz zum Moskauer Patriarchat zu treten.

Statue einer ruhigen Göttin mit einem 'VERBOTEN'-Stempel. (Von KI generierte Beschreibung)

 

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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