Emmanuel Macron in den russischen Medien
Wir haben es schon einmal gesagt, aber wir sehen uns veranlasst, es noch einmal zu sagen: Das Ziel pro-kremlischer Desinformation und medialer Angriffe ist es selten, uns davon zu überzeugen, dass wir dem Kreml zustimmen sollten. Die jährlich eine Milliarde Euro, die in Propaganda gesteckt wird, ist viel besser eingesetzt, um uns zu verwirren, unsere Institutionen in Frage zu stellen, unsere Demokratien zu untergraben und die Menschen anzugreifen, die unsere politischen Führungspersonen sind oder darum konkurrieren, es zu werden.
Die Berichterstattung russischer Staatsmedien über den US-Wahlkampf war nicht neutral, wie unsere frühere Analyse zeigte. Wiederholt sich dieses Ungleichgewicht im aktuellen französischen Wahlkampf? Anfang dieser Woche warnte das Wahlkampfteam des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron vor russischer Einmischung. Deshalb haben wir uns angesehen, was russische Medien zu diesem Thema berichten.
Einer der populäreren Artikel auf Sputnik France ist die Ankündigung von „Enthüllungen“ über Herrn Macron durch Julian Assange von Wikileaks, der behauptet, dass gehackte E-Mails der ehemaligen US-Außenministerin Hilary Clinton „interessante Informationen“ über den französischen Präsidentschaftskandidaten enthalten. Es werden keine weiteren Details zu den „noch beunruhigenderen Informationen“, die enthüllt werden könnten, präsentiert. Der Artikel ruft lediglich in Erinnerung, was bereits bekannt ist: eine Einladung des ehemaligen französischen Premierministers Manuel Valls an Hilary Clinton zu einem Abendessen mit Emmanuel Macron und anderen.Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels wurden keine weiteren Enthüllungen vorgelegt.
Anfang dieser Woche ging ein Meinungsbeitrag auf Sputnik France den Fragen nach, die, wie es heißt, durch die Bewerbung von Herrn Macron aufgeworfen wurden. Die Finanzierungsquellen seines Wahlkampfs werden erörtert, und der Artikel fragt: „Ist es Herr Draghi [der zahlt] oder einer der französischen Oligarchen?“ Die Schlussfolgerung lautet, dass „er der Kandidat der Oligarchen ist, des MEDEF [Mouvement des Entreprises de France, französischer Industrieverband], jener Geschäftsleute, die Industrie mit einem riesigen Monopoly-Spiel verwechseln. Es scheint, dass diese Wahrheit nicht gesagt werden darf. Denn es wäre eine Beleidigung für die große Mehrheit der Franzosen [..]“. Das Hauptargument für diese Schlussfolgerung ist, dass „Herr Macron sich als Anti-System-Kandidat präsentiert, aber nicht ein einziges Beweisstück vorgelegt hat, das es uns erlauben würde, seine Distanz zum System zu beurteilen.“
Ein weiterer kürzlich erschienener Beitrag in Sputniks englischer Version eröffnet mit der Möglichkeit, dass der ehemalige französische Finanzminister ein „US-Agent“ sein könnte, der möglicherweise „im Interesse des US-Finanzmarktes in Frankreich“ handelt. Seine Kandidatur wird als Ergebnis einer Verschwörung dargestellt, an der sowohl die Familie Rothschild als auch eine „sehr wohlhabende Schwulenlobby“ beteiligt seien.Sputnik zitiert erneut die kremltreue russische Zeitung Iswestija und deren exklusives Interview mit Julian Assange von Wikileaks für die Behauptung, Macron habe „eine umstrittene politische Korrespondenz mit der früheren US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton geführt“. Um das Misstrauensnarrativ zu vollenden, schließt Sputnik mit der Aussage, „die Medien hätten seinen unabhängigen Status und seine unabhängigen Ansichten infrage gestellt“.
Sputniks Meinungsbeiträge stehen im Einklang mit ähnlicher Berichterstattung über den Hintergrund und die Absichten von Herrn Macron in staatseigenen Medien in Russland. Die Anschuldigungen schafften es in Rossija-1s wöchentliche Flaggschiff-Nachrichtensendung mit Dmitri Kisseljow am 5. Februar. Herr Kisseljow führt die Geschichte ein, indem er vorhersagt, dass Frankreich die EU verlassen werde, was, so sagt er, die Union in „ein Viertes Reich“ verwandeln werde. Die Berichterstattung über Emmanuel Macron beginnt mit Hintergrundinformationen: „Der junge und gutaussehende Banker, ein Absolvent von Frankreichs prestigeträchtigster Nationalen Verwaltungsschule, verdiente seine erste Million bei der Bank Rothschild“. „Ein Schützling der globalistischen Elite, [Macron] entwickelt sich schnell zum Liebling der Presse“, fügt Herr Kisseljow hinzu. Dann wird er persönlich: „Macron ist mit seiner Französischlehrerin aus der Schulzeit verheiratet, die 24 Jahre älter ist als er. Gleichzeitig gibt es Gerüchte über seine Homosexualität und dass er als Minister 120.000 Euro aus der Staatskasse zur Finanzierung seiner Bewegung und seiner Kampagne genommen habe“. Und schließlich: „Und er wurde auch mit Hillary Clinton in Verbindung gebracht“.(Bild: Emmanuel Macron auf Instagram)
