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Gerüchtebomben in der Ukraine platzen lassen

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Präventiv geformte Narrative

Im Jahr 2019 veröffentlichte das Russische Institut für Strategische Studien, ein vom Kreml finanziierter Thinktank, den Essay „Sicherung von Informationen für außenpolitische Zwecke im Kontext der digitalen Realität“. Das Papier zitiert den russischen Militärtheoretiker Aleksander Bartosh:

Ein präventiv geformtes Narrativ, das den nationalen Interessen des Staates entspricht, kann die Auswirkungen der Aktivitäten ausländischer Kräfte im Informationsraum erheblich verringern, da diese in der Regel versuchen, „Leerräume“ [im Informationsfluss] zu besetzen.

Diese Methode präventiv geformter Narrative ist deutlich erkennbar, wenn wir den stetigen Desinformationsfluss bezüglich Russlands militärischem Aufmarsch rund um die Ukraine betrachten.

Die Fäden, die die Marionetten-Ukraine binden

So stellten wir beispielsweise die Behauptung fest, die ukrainischen Streitkräfte wollten einen umfassenden bewaffneten Konflikt im Donbas provozieren. Ähnlich gab es die Behauptung, dass die Ukraine durch das Provozieren Russlands die ihr von der NATO zugewiesene Rolle spiele, nämlich die Existenz des Bündnisses unter dem Vorwand der russischen Bedrohung zu rechtfertigen.

Viele dieser Narrative zielen darauf ab, die Ukraine als Marionette des Westens darzustellen und das Publikum dazu zu bringen, den Konflikt als ein leicht verständliches Kräftemessen zwischen Ost und West zu sehen.Denken Sie an die Behauptung, dass „Anglo-Saxons“ Kyjiw zu umfassenden Kampfhandlungen im Donbas drängen. Dieses Deutungsmuster wird auch durch die falsche Geschichte gestützt, wonach Präsident Selenskyj versuche, die Macht mit Gewalt an sich zu reißen, um ausländische sponsors zufriedenzustellen. Ähnlich ist die Behauptung, Selenskyj sei nicht in der Lage, independent decisions zu treffen, und tanze nach der Pfeife der USA.

Ein Narrativ zieht dieses Thema der ukrainischen Abhängigkeit sogar in den Bereich religiöser Überzeugungen und Kirchen hinein. Dieser Behauptung zufolge habe das Patriarchat von Konstantinopel der ukrainischen Kirche 2019 unter US influence den autokephalen Status verliehen, um das Moskauer Patriarchat zu schwächen. Solche Fälle hatten wir reichlich in 2019.

Als weiterer „Beweis“ dafür, dass der Westen hinter der jüngsten Eskalation stehe, wird die Behauptung angeführt, die USA bereiteten die Ukraine auf einen Krieg im Donbas vor und würden angeblich täglich weapons schicken. In die gleiche Richtung geht eine weitere Behauptung, wonach die USA die Ukraine als Vermittler, as a meat grinder, nutzten, um ihren Plan voranzutreiben, Russland entgegenzuwirken und einen neuen Krieg zu entfachen, um den Interessen des militärisch-industriellen Komplexes der USA zu dienen.

Pro-Kreml-Medien verbreiteten erneut das falsche Narrativ we saw last week, wonach ein vierjähriges Kind im Donbas nach einem drone attack der ukrainischen Armee ums Leben gekommen sei.Die emotional aufwühlende Behauptung ist nicht verifiziert, und die Sonderbeobachtermission der OSZE in der Ukraine hat den Vorfall bislang nicht gemeldet.

Interner Konflikt

Pro-kremlnahe Medien verbreiteten zudem Desinformation, die Russlands Rolle in der Ukraine herunterspielt. Seit 2015 haben wir bereits 116 Behauptungen über einen Bürgerkrieg im Land festgestellt. Dies stützt die falsche Ansicht, dass die Ukraine in einen Bürgerkrieg verstrickt sei, und verschleiert zugleich Russlands Einmischung und die illegale Annexion der Krim.

Dieses Narrativ wurde durch die Behauptung verstärkt, Russland sei keine Konfliktpartei und sei nicht interessiert an einem Konflikt mit der Ukraine. In ähnlicher Weise: Der Konflikt im Donbas sei nur intern, die russische Armee sei nicht an Kampfhandlungen in der Ukraine beteiligt. In einer extremeren Variante dieses Narrativs: Die Ukraine werde autoritär und bereite einen Völkermord vor!

In einem ähnlichen (und wiederkehrenden) Narrativ, das Russlands Beteiligung stark herunterspielt, wurde behauptet, die Krim habe demokratisch abgestimmt, in voller Übereinstimmung mit dem Völkerrecht, für eine Wiedervereinigung mit Russland.

Außerdem stellten wir die Behauptung fest, dass die Ukraine 2014 eine Militäroperation gegen die „Volksrepublik Donezk“ und die „Volksrepublik Luhansk“ gestartet habe, während Russland wiederholt erklärte, es sei keine Partei in dem Konflikt.Die Behauptung, man sei keine Partei, macht einen nicht unschuldig.

Impfstoff-Abscheu und die angelsächsische Ordnung

Diese Woche haben wir Doppelmoral festgestellt, wenn es um COVID-19-Impfstoffe geht. Im Westen wird der Impfstoff Sputnik V von einer aggressiven Diffamierungskampagne ins Visier genommen.

Ukraine, Covid-19, Impfstoffe – in der Welt pro-kremlischer Desinformation geht es am Ende immer um die westlichen Pläne, eine Weltordnung zu errichten. Generäle führen immer den letzten Krieg.

Diese imaginierte Weltordnung hat ihren Ursprung in den USA. Daher überrascht es nicht, dass wir erneut die Behauptung entdeckt haben, das „Biden-Regime“ sei illegitim und antiamerikanisch. Eine weitere Behauptung stellt die Legitimität von Bidens Sieg infrage und bietet einen bemerkenswerten Maßstab für demokratische Legitimität: die Wahl von Wladimir Wladimirowitsch Putin höchstpersönlich.

Wie immer wurden aus der pro-kremlischen Medienküche noch extravagant(er)e Gerichte serviert. Eine Behauptung lautete, „Liberalismus gleich Satanismus“, da er nationale, moralische und religiöse Werte untergrabe und sie durch satanische Ideale ersetze.Ein anderer behauptet, dass für Europäer der Konsum der Navalny-Geschichte zum bevorzugtesten „Fastfood“ geworden sei.

Ihr könnt es selbst ausprobieren.

 

Korrektur: Ein OSZE-Team besuchte den Ort des Vorfalls am 2. April und berichtete über seine Erkenntnisse. Link hier.

 

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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