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Leben opfern zur Verteidigung von „Familienwerten“

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Russland zieht sich aus der UN-Kampagne gegen HIV zurück

In einem aktuellen Artikel zeigte EuvsDisinfo, wie Kreml-Desinformation über die Coronavirus-Pandemie Russlands Bemühungen behindert, die Krankheit zu bekämpfen. Für den Kreml ist es wichtiger, ein Bild des Erfolgs zu erzeugen, als tatsächlich Impfstoffe zu verabreichen und die Herausforderung zu bewältigen. Nun sind die Behörden bereit, Kranke und Vulnerable zu gefährden, da die Staatsführung sich weigert, an einer globalen UN-Kampagne gegen HIV teilzunehmen.

Das UN-Programm ist ein ehrgeiziges Programm, das von elf UN-Organisationen ins Leben gerufen wurde und zentrale Gründe für die Verbreitung von HIV identifiziert. Die Überwindung von Armut und die Herstellung von Gleichheit wird als entscheidend angesehen, um das Ziel zu erreichen: weltweit null Infektionen. Der UN-Bericht schreibt:

Es besteht ein dringender Bedarf, die HIV-Präventionsdienste auszuweiten, insbesondere in der Russischen Föderation, und es gibt eine große Lücke zwischen HIV-Tests und dem Beginn der Behandlung./—/ Hohe Ausmaße an physischer, sexueller und emotionaler Gewalt gegen Frauen und Mädchen sind ebenfalls erhebliche Barrieren für HIV-Dienste.Große Anstrengungen sind nötig, um die aktuellen Trends umzukehren.

Das russische Außenministerium erklärt die Weigerung des Kreml, im UN-Programm zu kooperieren:

Wir stellen fest, dass diesem Dokument, das die Weltgemeinschaft in den kommenden fünf Jahren im Kampf gegen HIV/AIDS anleiten soll, Maßnahmen für präventive Arbeit mit Jugendlichen, für die Heilung von Drogenabhängigkeit, für die Unterstützung eines gesunden Lebensstils und von Familienwerten fehlen.

Todesfälle durch das Virus

Laut offizieller russischer Statistik sind per 31. Dezember 2020 1.104.768, also 0,7 Prozent aller russischen Bürger, als Träger von HIV registriert. 2020 wurden 72.023 neue HIV-Fälle festgestellt, und 32.208 HIV-Infizierte starben im Laufe des Jahres. Dies kann mit der Zahl der Russen verglichen werden, die 2020 an COVID-19 starben – erneut laut offiziellen Zahlen: 57.019. Die Statistik ist unsicher, und die beiden Krankheiten sind selbstverständlich nicht vergleichbar, aber die Zahlen verdeutlichen dennoch das Ausmaß des HIV-Problems in Russland.

Die Statistiken aus Europa unterscheiden sich dramatisch: Spanien etwa schätzt weniger als 1.000 Todesfälle durch HIV im Jahr 2019; Deutschland – unter 500.Weltweit sind Osteuropa und Zentralasien eine von nur drei Regionen, in denen sich die HIV-Situation verschlechtert.

11.724 Kinder sind laut russischer Statistik in Russland von Müttern mit HIV-Infektion geboren worden, 165 im Jahr 2020. 65 Prozent aller neuen Fälle wurden bei heterosexuellen Begegnungen übertragen; weniger als drei Prozent aller neuen Fälle sind infolge homosexueller Liaisonen aufgetreten.

Von Satan kontrolliert

Die EUvsDisinfo-Datenbank über Desinformation enthält eine große Zahl von Fällen, die mit dem angeblichen moralischen Verfall der westlichen Gesellschaft verbunden sind. Der Topos der russischen moralischen Überlegenheit ist ein zentrales Narrativ in der Kreml-Desinformation: Wörter wie „Menschenrechte“, „Toleranz“ und „Respekt“ werden als abwertende Begriffe verwendet. Der Westen steht unter der Kontrolle Satans:

Als Ergebnis des Liberalismus sind die Menschen in westlichen Gesellschaften hedonistisch, unmoralisch, nihilistisch und zunehmend in den Satanismus involviert. Sie stehen faktisch unter der Kontrolle Satans. Der Liberalismus bricht moralische Schranken auf und macht den Menschen zum Sklaven seiner eigenen Lust, frei, seinen Wünschen und Begierden nachzugehen. Die Medien in westlichen Gesellschaften verbreiten zunehmend satanistische Werte.Die Verwestlichung und Modernisierung nichtwestlicher Gesellschaften ist ein Mittel, um diese Gesellschaften zu satanisieren.

In der Logik der Desinformationskanäle steht „der Westen“ für moralischen Verfall und Degeneration. Russland hingegen verkörpert erhabene Ideale ohne jede Verbindung zu russischen Realitäten. Das pro-kremlische Desinformationssystem hat HIV beharrlich als „Schwindel“ oder als ein Virus bezeichnet, das von ausländischen Aggressoren erschaffen wurde. Die pro-kremlischen Medien haben so gut wie nichts unternommen, um Verschwörungstheorien rund um HIV zu widerlegen, und bestehen darauf, die Ausbreitung des Virus als ein Problem des moralischen Verfalls und der Familienwerte zu betrachten. Das UN-Projekt schlägt praxisnahe, wirksame Maßnahmen vor, um einer globalen Bedrohung zu begegnen. Russlands Außenministerium interpretiert dies als einen weiteren Versuch, sich in Russlands innere Angelegenheiten einzumischen:

Wir stimmen einer Ausweitung des Mandats von UNAIDS über die Grenzen seiner Tätigkeit in den medizinischen und sozialen Bereichen hinaus nicht zu.

Das UN-Projekt nennt Gewalt gegen Mädchen und Frauen als einen Faktor, der den Kampf gegen HIV behindert. Die Bekämpfung häuslicher Gewalt stellt die Vision des Kremls von Familienwerten infrage; häusliche Gewalt wurde in Russland 2016 sogar entkriminalisiert. Der Kreml ist bereit, Zehntausende zu opfern, um moralische Überlegenheit vorzutäuschen.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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