„Nein, WIR sind das Opfer!!!“
Die Beispiele für Desinformation aus dieser Woche bieten einen 360-Grad-Überblick über Themen, die mit Russland und der UdSSR verbunden sind. Wo eine Entschuldigung angebracht wäre, gibt es keine Reue, nur Anschuldigungen.
Ein deutliches Beispiel dafür ist die Vergiftung der russischen Oppositionsfigur Alexei Nawalny. Pro-Kreml-Medien schreiben, dass Deutschland gegen das Chemiewaffenübereinkommen verstoßen habe, indem es die Zusammenarbeit mit Russland verweigert. Mit anderen Worten: Nawalny ist hier nicht das Opfer, Russland ist es.
Was die MH17-Tragödie betrifft, so beklagen die pro-Kreml-Medien, der Zweck des Prozesses sei nicht, die wahren Täter zu ermitteln. Diese Behauptung zeigt, dass, obwohl 298 Menschen ermordet wurden, es in den Augen der pro-Kreml-Medien nur ein Opfer gibt – Russland.
Dieselbe Logik wurde und wird auf die Ukraine angewandt. Anstatt einzugestehen, dass Holodomor durch gezielte Handlungen der sowjetischen Behörden verursacht wurde, beschuldigen die pro-Kreml-Medien die Ukrainer, zu diesem Thema einen “Hype” zu erzeugen.Das bedeutet, dass anstelle von 7 Millionen Menschen, die verhungern, die kremlfreundlichen Medien … nun ja, Sie haben es erraten.

Säbelrasseln
Zurück zur Gegenwart: Die kremlfreundlichen Medien behaupteten, Rumänien und die USA hätten in der Nähe der Krim Militärübungen durchgeführt, weil es ein guter Ort sei, um das Szenario der Invasion der Krim durchzuspielen. Das Opfer wäre erneut offensichtlich.
Oder die EU-Sanktionen – laut der Radiosendung, die von dem berüchtigten Wladimir Solowjow moderiert wird, sind sie der Beweis dafür, dass Deutschland und Europa Krieg mit Russland wollen. Das Opfer … nun ja, ja, aber auch all die armen Menschen, die die Radiosendung hören.
Das letzte Beispiel dieser Opfermentalität stammt aus Moldau, wo die neu gewählte Maia Sandu dazu aufrief, den Abzug der rund 1.000 russischen Truppen zu veranlassen, die in Transnistrien stationiert sind, und darum bat, sie durch eine zivile OSZE-Beobachtermission zu ersetzen.Während Moskauer Beamte dies als “unverantwortlich” bezeichneten, fügte die kremlnahe Medienlandschaft noch etwas Farbe hinzu und behauptete ohne Grundlage, dies könne zu einer bewaffneten Besetzung Transnistriens führen, um einen Zusammenstoß mit russischen Kräften zu provozieren und dann eine NATO-Intervention in dem Gebiet zu begünstigen.
Zusammenfassend lässt sich zu den oben genannten Desinformationsbeispielen sagen, dass ihre Hauptidee darin besteht, zu beweisen, dass Russland das Opfer ist, was impliziert, dass es nicht der Täter sein kann. Diese Selbstviktimisierung ermöglicht es dem Kreml, die Öffentlichkeit zu manipulieren, sich der Verantwortung für seine aggressive Außenpolitik zu entziehen und die staatlich kontrollierten Medien einzusetzen, um diese Botschaft zu vermitteln. Und um in seiner Kommunikation erfolgreich zu sein, hat das „Management“ von RT ausländischen Journalistinnen und Journalisten, die bei RT UK und RT America arbeiten, ein Bild eingeprägt, dass Russland ein Opfer der westlichen Politik ist.
21 Jahre „obida“
Doch sich als Opfer zu präsentieren, deutet auch auf das Vorhandensein kognitiver Dissonanz hin, die daraus entsteht, wie der Kreml seine Gegner behandelt und was er über sich selbst glaubt. Und dieser Glaube wird sichtbar, wenn man verfolgt, wie der Kreml den kreml-eigenen Medien befohlen hat, den Kreml als makellosen Helden darzustellen. So bedrohten beispielsweise die geheimen Pakte des Kremls mit Hitler weder Nachbarn, noch ebneten sie den Weg zu Kriegen.Und Russlands Besetzungen der Nachbarländer waren nie Besetzungen, sondern entsprachen dem internationalen Recht der Vergangenheit. Nicht zu vergessen, dass Russlands illegale Annexion der Krim und seine Aggression gegen die Ukraine Ausdruck des Willens der lokalen Bürger gewesen seien oder eine Reaktion auf von den USA unterstützte Farbrevolutionen.
Aber es gibt auch eine einfachere Erklärung. Vor einem Jahr schrieben wir, dass die Kultur der „obida“, oder des Ressentiments, ein bewusster Schachzug ist, um die Russen von aktuellen Themen und innenpolitischen Problemen im Land abzulenken. Bereits im Januar 2020 kamen wir zu dem Schluss, dass zwanzig Jahre Putin zwanzig Jahre dieses Ressentiments gewesen seien. Und bald werden es 21 sein.
