Propaganda zum Tag des Sieges, das Verbergen von Angst durch Einschüchterung und das Leugnen von Entführungen
WICHTIGE EREIGNISSE
- Narrative der ausländischen Informationsmanipulation und Einmischung (FIMI) spielten Russlands Unbehagen über ukrainische Drohnenangriffe herunter
- Der Tag des Sieges diente als Vorwand, um die Behauptungen über die „Nazi-Ukraine“ wiederzubeleben
- Pro-Kreml-Medien versuchten, von Russlands Entführung ukrainischer Kinder abzulenken
RÜCKBLICK AUF DIE LETZTE WOCHE
Am russischen Tag des Sieges kam es zu einer Welle von Desinformation, wobei der Kreml die Geschichte instrumentalisierte, um seinen Krieg zu rechtfertigen. Pro-kremlische Medien stellten die Ukraine fälschlicherweise als „Nazistaat“ dar, weil sie Russlands Feierlichkeiten am 9. Mai ablehnte, und ignorierten dabei, dass sich Kiew den europäischen Gedenkfeiern am 8. Mai angeschlossen hatte. Gleichzeitig offenbaren Drohungen mit der „vollständigen Zerstörung“ der Ukraine wegen Drohnenangriffen auf russischem Territorium Moskaus Verzweiflung angesichts der Rückschläge auf dem Schlachtfeld.
Besonders schockierend ist, dass russische Medien die Zwangsdeportation ukrainischer Kinder beschönigten. Die angeklagte Beamtin Maria Lwowa-Belowa behauptete, Russland würde „Familien wiedervereinen“. Die Realität sieht anders aus: Zehntausende Kinder befinden sich weiterhin in russischer Obhut, werden umerzogen oder zwangsweise adoptiert. Laut den Vereinten Nationen wurden 80 Prozent noch immer nicht mit ihren Familien zusammengeführt. Dabei handelt es sich nicht um Fehler, sondern um als Propaganda getarnte Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Von Geschichtsverfälschung bis hin zu offenen Drohungen zielen die Narrative des Kremls darauf ab, die Realität umzuschreiben. Im Folgenden decken wir die Lügen und die Wahrheiten auf, die dahinter verborgen sind.
WICHTIGSTE VON FIMI VERBREITETE NARRATIVE:
„Kiew missachtet das Andenken an den Tag des Sieges und stellt sich auf die Seite der Nazis“
Kein Ereignis besitzt für den Kreml mehr symbolisches und propagandistisches Gewicht als der Tag des Sieges. Das zeigt sich auch an der starken Zunahme entsprechender Behauptungen in dieser Woche. Eine davon versuchte, die Ukraine als terroristischen Nazistaat darzustellen, und beschuldigte sie fälschlicherweise, den Feiertag zu „missachten“, indem sie angeblich die Waffenruhe nicht eingehalten habe.
Die Behauptung, Kiew habe die Waffenruhe „nicht eingehalten“, während Russland friedlich geblieben sei, wird durch die Berichterstattung nicht gestützt. Diese dokumentiert fortgesetzte russische Angriffe und zeigt, dass keine der beiden Seiten die vereinbarte Kampfpause vollständig eingehalten hat. Was den Vorwurf betrifft, die Ukraine habe den Tag des Sieges am 9. Mai „missachtet“, so begeht das Land das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai und schließt sich damit dem Großteil Europas an. Zugleich versucht es, seine Gedenkfeiern vom „Siegeskult“ des Kremls abzugrenzen.
Falsche Behauptungen, die Ukraine sei „nazistisch“, gehören seit Langem zum festen Bestandteil pro-kremlischer Propaganda. Der Vorwand der „Entnazifizierung“ dient dazu, Russlands groß angelegte Invasion der Ukraine zu rechtfertigen. Der Begriff „Terrorismus“ wird von Moskau systematisch genutzt, um ukrainische Gegenangriffe zu diffamieren und die Verantwortung für Russlands Angriffskrieg auf Kiew abzuwälzen.
Diese falschen Behauptungen wurden von L’Antidiplomatico veröffentlicht, einem italienischen Medium, das pro-kremlische Narrative verbreitet.
„Angriffe der Ukraine auf Russland am Tag des Sieges würden die vollständige Zerstörung der Ukraine rechtfertigen“
Ein vom Kreml kontrolliertes Medium behauptete, die Ukraine würde ihre eigene Existenz gefährden, wenn sie am 9. Mai, dem Tag, an dem Russland seinen Sieg im Zweiten Weltkrieg feiert, versuchen würde, Moskau mit Langstreckendrohnen anzugreifen.
Diese Behauptung ist ein Beispiel für einschüchternde Rhetorik, die die Tatsache ausblendet, dass sich Russland derzeit in einer militärischen Pattsituation mit der Ukraine befindet und zuletzt erhebliche Rückschläge an der Front erlitten hat. Gleichzeitig dient sie als Ablenkungsmanöver, um die Besorgnis des Kremls über die zunehmend erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffe tief im russischen Territorium herunterzuspielen. Ein kürzlich erfolgter Drohnenangriff auf Moskau, nur wenige Tage vor der Parade zum Tag des Sieges auf dem Roten Platz, hat zudem deutlich gemacht, dass selbst die verstärkte Luftabwehr der Hauptstadt Schwachstellen aufweist.
Diese falsche Behauptung wurde von Sputnik Brasilien veröffentlicht, dem portugiesischsprachigen Ableger des staatlich kontrollierten russischen Propagandasenders.
„Russland erleichtert die Zusammenführung von Kindern mit ihren Familien in der Ukraine“
Eine staatlich finanzierte russische Quelle veröffentlichte die Behauptung, Russland ermögliche Kindern die Wiedervereinigung mit Verwandten in der Ukraine oder anderen Ländern. Damit griff sie erneut ein Desinformationsnarrativ auf, das von Russlands dokumentierter Rolle bei der rechtswidrigen Deportation und Zwangsüberführung ukrainischer Kinder ablenken soll.
Die Fälle der Deportation und Verbringung von Kindern aus der Ukraine nach Russland sind so zahlreich – Zehntausende davon wurden dokumentiert –, dass russische Behörden und Medien nicht länger einfach alles leugnen können. Stattdessen behaupten sie, Russland rette diese Kinder und biete ihnen eine bessere Zukunft als in der vom Krieg zerstörten Ukraine. Dabei verschweigen sie bewusst, dass Russland selbst das Land in diesen Zustand versetzt hat. Tatsächlich bringt Russland ukrainische Kinder in russischen Pflegefamilien oder staatlichen Einrichtungen unter, darunter auch militarisierte Lager, in denen sie weit entfernt von ihrer Heimat Kriegspropaganda ausgesetzt werden. Den Kindern wird die russische Staatsbürgerschaft verliehen, und in vielen Fällen werden ihre Namen oder sogar ihre Geburtsorte geändert, wodurch es für ihre Familien nahezu unmöglich wird, sie wiederzufinden.
Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zur Ukraine stellte fest, dass 80 Prozent der deportierten Kinder nicht zu ihren Familien zurückgebracht wurden. Familien, denen es gelang, ihre Kinder zurückzuholen, mussten erhebliche Hindernisse und Risiken überwinden. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die Handlungen der russischen Behörden Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.
Die Behauptung, Kinder, die zwangsweise in russische Einrichtungen oder Adoptivfamilien gebracht wurden, könnten „frei zu ihren Familien zurückkehren“, stammt von der russischen Senatorin Maria Lwowa-Belowa, die als Präsidialbeauftragte für Kinderrechte fungiert. Gegen Lwowa-Belowa und Wladimir Putin wurde wegen ihrer Beteiligung an der rechtswidrigen Entführung von Kindern aus den besetzten Gebieten der Ukraine Anklage wegen Kriegsverbrechen erhoben.
Diese falsche Behauptung erschien auf der Website von TASS, einer staatlich finanzierten russischen Nachrichtenagentur.
Lassen Sie sich nicht täuschen.