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Russische Frau löst Panik unter Nationalisten aus

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„Der verfallende Westen“ ist eines der zentralen Narrative in pro-kremlischer Desinformation. Europa steht kurz vor dem Zusammenbruch durch Migranten, Perversen und Liberale, und Russland ist die letzte Bastion der Anständigkeit gegen den Ansturm von Satan. Doch der Feind ist mächtig, und sogar das russische Staatsfernsehen kann verdächtigt werden, sich am Krieg gegen Keuschheit und Sittsamkeit zu beteiligen, indem es einem Migranten die Teilnahme am Eurovision Song Contest erlaubt, der über Frauenfragen singt.

Russland nahm 1994 am Eurovision Song Contest teil und hat in diesem Musikwettbewerb eine recht erfolgreiche Geschichte. Sieger im Jahr 2008, Zweiter im Jahr 2000, 2006, 2012 und 2014. Russland wurde fünfmal Dritter; 2003 mit t.A.T.u, berühmt für einen schwulen Bühnenauftritt.

„Hochgradig beleidigend“

Russland nimmt den ESC ernst und tritt mit hohen Ambitionen an, in diesem Jahr vertreten durch die kantige Pop-Sängerin Manizha, die mit einem Beitrag namens Russische Frau antritt.Manizha hat tadschikische Wurzeln, und nationalistische Kreise haben eine Kampagne gestartet, um ihren Auftritt zu verbieten:

Die Tsargrad-Community hat ein Gutachten von Experten erhalten, das belegt, dass Manizhas Liedtext und der Auftritt „sowohl in Inhalt als auch Tendenz äußerst beleidigend gegenüber der sozialen Kategorie russischer Frauen und gegenüber dem russischen Volk als Ganzem sind. Objektiv zielt das Lied darauf ab, nationale Gefühle zu verletzen und die menschliche Würde der Russen aufgrund ihrer nationalen Merkmale herabzusetzen“.

Der nationalistische Politiker Sergej Michejew kann seinen Groll nicht verbergen:

Es ist bedauerlich, dass so eine Person versucht, Russland im Westen zu vertreten. Für wen hält sich diese Manizha eigentlich?

Herr Michejew poltert nicht nur gegen Manizha, sondern gegen den Wettbewerb insgesamt:

In letzter Zeit hat sich der Eurovision Song Contest in eine Art Freakshow verwandelt. Sie hampeln herum und versuchen, sich zu profilieren. Ihre Lieder sind völlig talentlos; nach ein paar Stunden schon vergessen. Seltsame Intrigen beim Voting; plötzlich gewinnt jemand aus unbekannten Gründen. Ich sehe keinen Sinn darin, dass Russland an diesem Müll teilnimmt. Für uns ist das im Allgemeinen genauso nutzlos wie der Europarat und die Parlamentarische Versammlung.

Interessante Tatsache: Mikheev, der früher nicht als Musikkritiker bekannt war, ist die erste Person in der Weltgeschichte, die den Eurovision Song Contest mit der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gleichsetzt.

Tsargrad.tv – das Flaggschiff des nationalistisch gesinnten Oligarchen Konstantin Malofeev’s Medienimperiums – geht wegen Manizha völlig durch die Decke. Seit sie am 8. März als Russlands Vertreterin beim ESC ausgewählt wurde, hat das Portal Dutzende Artikel veröffentlicht, in denen die Sängerin angegriffen wird. Unten eine kleine Auswahl:

Und es geht immer so weiter; das Portal hat sogar einen eigenen Bereich für den “Skandal beim Eurovision” hinzugefügt. Keine Douze Points von der Tsargrad-Jury.Eine Migrantin drückt Unterstützung für die Rechte von Schwulen und Lesben aus und singt ein Lied über die Stärkung von Frauen:

Hey, russische Frau, ha-ha (Ha, ha)
Hab keine Angst, Mädchen (Hey, hey)
Du bist stark genug (Ha, ha), du bist stark genug (O-oo-o)
Hab keine Angst (Hab keine Angst)
Hab keine Angst (Hab keine Angst)

Das Verbot der Liedtexte

Diese Liedtexte sind so provokant, dass eine fundamentalistisch-christliche Gruppe gefordert hat, sie zu verbieten:

Das Lied der Sängerin Manizha beleidigt die Gefühle nicht nur russischer Frauen, sondern aller Bürger unseres Landes. Der Text und die Art des Gesangs machen sich über die russische Spiritualität und Kultur lustig. Außerdem enthält der Liedtext des Songs „Russian Woman“ einen Aufruf zu Feindseligkeit und Hass gegen Männer, die die Säulen der traditionellen Familie bilden.

Wir sind überzeugt, dass das wahre Bild russischer Frauen sich in einer erhabenen Spiritualität und moralischer Reinheit widerspiegelt; in einem fürsorglichen Umgang mit Mutterschaft, Ehe und Familie.

Während Manizhas feministische und schwulenfreundliche Ansichten zweifellos echt sind, kann man argumentieren, dass der vom Kreml kontrollierte Sender versucht, „pink-washing“ zu betreiben.Das russische feministische Magazin Wonderzine.ru schreibt:

Es gibt eine Theorie (die darauf hinausläuft, dass jede Abstimmung in Russland Fiktion ist, und nahelegt, dass die Auswahl von den Produzenten des Senders getroffen und vielleicht sogar vom Präsidenten gebilligt wurde), wonach Manizha mit einer Absicht zu dem Wettbewerb geschickt wird. Die Sängerin und ihr feministischer Song wurden ausgewählt, um es dem Westen unter die Nase zu reiben: „Russland ist ein fortschrittliches Land mit einer Frauenagenda und einer multiethnischen Bevölkerung“.

Manizha Russland in Rotterdam beim ESC vertreten zu lassen, ermöglicht dem Kreml, eine schwulenfreundliche und feministische Fassade zu zeigen. Währenddessen dokumentieren russische LGBT-Aktivisten weiterhin Hassverbrechen gegen die LGBT-Community in Russland.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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