Russophobie? Nein. Wir mögen einfach eure Politik nicht.
Eine aktuelle Meinungsumfrage der deutschen Bertelsmann Stiftung betrachtet die öffentliche Meinung in Deutschland zu Russland: Eine wachsende Zahl von Deutschen, inzwischen 64%, ist der Ansicht, dass Russlands Regierung kein international glaubwürdiger Partner ist.
Akzeptanz von Russen steigt
Gleichzeitig bleibt die deutsche Sicht auf die russische Nation und die Russen selbst von der Unzufriedenheit mit der russischen Regierung unberührt.Tatsächlich nimmt die Akzeptanz von Russen in verschiedenen sozialen Rollen seit 2013 zu (siehe zweites Bild unten).
Diese Umfrage widerlegt eine verbreitete Behauptung in pro-kremlischen Narrativen, nämlich dass negative Einstellungen gegenüber Russland – was pro-kremlische Medien und Offizielle als „Russophobie“ bezeichnen – der Grund für negative Bewertungen der Politik der russischen Regierung seien.
Gesellschaften mit und ohne starke Propaganda
Der Begriff „Russophobie“ und seine Verwendung wurden auch in einem jüngsten Artikel des Wissenschaftlers Andreas Umland kritisiert, mit dem Titel „The Putinverstehers’ Misconceived Charge of Russophobia: How Western Apology for the Kremlin’s Current Behavior Contradicts Russian National Interests“.
Er argumentiert: „Moskaús gegenwärtige Politik lediglich als eine Manifestation jahrhundertealter russischer Traditionen zu interpretieren, ignoriert den tragischen Verlauf der jüngeren russischen Geschichte und ihre Auswirkungen auf das postsowjetische Russland.“
Schließlich kann die deutsche Umfrage als Beispiel dafür dienen, wie sich die öffentliche Meinung in Gesellschaften mit und ohne starke Propaganda durch Staatsmedien unterschiedlich entwickelt: In Russland entwickeln sich negative Sichtweisen breit gegen „den Westen“, während sich die deutsche öffentliche Meinung gegen die russische Regierung richtet und die russische Nation davon unberührt lässt.
