Sputniks kurzlebige Präsenz in der slowakischen Presseagentur
Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron könnte ein US-Agent sein, und Angela Merkel macht Selfies mit Terroristen. Ukrainer sind Faschisten, die Ostern mit Hakenkreuzen feiern, die zusammen mit Nazi-Deutschland den Holodomor-Schwindel erfunden haben, und die MH17 abgeschossen haben. Die USA nutzen Terrorismus als Hauptmechanismus ihrer Außenpolitik, und wahrscheinlich waren es die Briten, die das russische Passagierflugzeug über dem Sinai abgeschossen haben. Die EU liefert Drogen nach Moldau, und sie plant auch, Bargeld zu verbieten, weil die EU alle Zahlungen kontrollieren will, vorzugsweise durch das Implantieren von Mikrochips unter die Haut der Bürger. Präsident Erdogans Tochter behandelt ISIS-Kämpfer in ihrem Krankenhaus.
Litauer, Letten, die ganze EU, die NATO – alle sind russophob. Aber warum? Es gibt keinen Grund, Russland einen Aggressor zu nennen. Sogar Papst Franziskus sieht Wladimir Putin als den einzigen Mann, der Christen auf der ganzen Welt retten kann.
Wer hat das alles geschrieben? Die NATO bezeichnet das dafür verantwortliche Medium als einen Teil der Propagandamaschine des Kremls.Es ist das kremlfreundliche Desinformationsmedium Sputnik.
Es wäre naheliegend anzunehmen, dass Medien, die eine solche Art von Berichterstattung produzieren, von Kolleginnen und Kollegen in internationalen Medien und Redaktionen nicht besonders ernst genommen würden. Erst recht nicht ein Medium, das auch derart dreiste Fälschungen produzieren kann – etwa ein Foto von Eishockeyfans – und behaupten, sie seien Anti-Flüchtlings-Protestierende.
Die slowakische Presseagentur TASR (Tĺačová agentúra Slovenskej republiky – Die Presseagentur der Slowakischen Republik), die vom Staat gegründet und subventioniert wird, war zunächst nicht so wählerisch. Am Mittwoch, dem 29. März, wurde bekannt, dass TASR ein Kooperationsabkommen mit dem Produzenten der oben beschriebenen Geschichten unterzeichnet hatte. „Die Nachrichtenagentur der Slowakischen Republik kooperiert mit vielen größeren oder kleineren Nachrichtenagenturen auf der ganzen Welt. Die Zusammenarbeit betrifft zumeist den Austausch von Inhalten in englischer Sprache, und TASR war stets daran interessiert, die Bandbreite ihrer Nachrichtenquellen zu erweitern“, sagte der Chefredakteur von TASR über den Deal (zumindest Sputnik zufolge).
Dieses Ereignis löste starke Reaktionen in der slowakischen Öffentlichkeit aus – und nicht nur seitens von Journalistinnen und Journalisten oder der Zivilgesellschaft. Der Kulturminister und Mitglieder des slowakischen Parlaments forderten eine Erklärung vom Leiter der TASR.
24 Stunden nachdem die Nachricht bekannt geworden war, trat TASR von dem Abkommen zurück.Das Management erklärte, dass TASR innerhalb des einmonatigen Gültigkeitszeitraums des Kooperationsabkommens keine einzige Meldung von Sputnik übernommen habe. „Somit haben wir unseren Auftrag nicht veruntreut, aber um jegliche Zweifel auszuräumen, treten wir von dem Abkommen zurück. Ab heute gehören die Informationen der Agentur Sputnik nicht zu den Quellen, die von unseren Reportern berücksichtigt werden“, sagte TASR am Donnerstag.
Der Kulturminister hat die Entscheidung von TASR begrüßt.