Wähl – oder sei schwul!
Ein Video, das kürzlich in Russland viral ging, wirbt für die Teilnahme an der Präsidentschaftswahl am Sonntag, indem es einen Tag im Leben eines russischen Mannes schildert, der die Erinnerung seiner Frau ignoriert, wählen zu gehen; stattdessen schläft er lieber aus.Als er aufwacht, sieht er sich mit einer Realität nach der Wahl konfrontiert, in der er trotz seines Alters von 52 Jahren zur Armee eingezogen wird und unter anderem zu einer homosexuellen Beziehung mit seinem „Pflege-Schwulen“ gezwungen wird.
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Das Video, das professionell produziert ist und in dem bekannte russische Schauspieler auftreten, lässt nicht erkennen, wer sein Urheber ist; einige Quellen, die in der Untersuchung des unabhängigen russischen Mediums Meduza über das Video zitiert werden, bringen die Produktion jedoch mit dem Kreml in Verbindung.
Wahl zwischen Abstimmen und erzwungener Homosexualität
Die Botschaft des Videos ist klar: Sofern Russen nicht aktiv dazu beitragen, die Präsidentschaftswahlen am 18. März zu einem Erfolg zu machen, werden sie – im Video buchstäblich – in einer Welt aufwachen, in der es an sozialen Garantien fehlt, in der es Soldaten afrikanischer Abstammung gibt und in der erzwungene Homosexualität die Norm ist.
Die Handlung greift eine Erzählung auf, die im Zentrum kremlnaher Desinformation steht: dass ausländische Einflüsse Russland in den moralischen Verfall treiben können und werden, sofern nicht eine starke russische Regierung das Land gegen diese Kontakte verteidigt.
„Ausländischer Agent“-Gesetze und Verschwörungen
Diese Art des Denkens steht im Kern von Russlands drakonischen „Ausländischer Agent“-Gesetzen, aber sie durchdringt auch aggressive TV-Sendungen, diebehaupten, dubiose Verschwörungen zwischen etwa russischen Menschenrechts-NGOs, internationalem radikalem Extremismus und in Russland tätigen westlichen Diplomaten aufzudecken. Gleichzeitig scheuen die staatlich kontrollierten russischen Medien nicht davor zurück, homophobe, antisemitische und andere Formen rassistischer Sprache zu verwenden.
Vor diesem Hintergrund ist es schwer, das Video nur als satirischen Kommentar zu sehen; es bekräftigt zudem Narrative von Desinformation und Intoleranz – verpackt in der abstreitbaren Tarnung der Unterhaltung.