Zahl der Woche: 68
Eine Analyse von nahezu zehn Millionen Beiträgen im russischen sozialen Netzwerk VKontakte zeigt eine weitverbreitete negative Berichterstattung über die ukrainischen Präsidentschaftskandidaten: 68 % der Nachrichten über Petro Poroschenko waren stark negativ und herabwürdigend. Poroschenko wurde abwechselnd als Russophob bezeichnet, als „blutiger ukrainischer Konditor“, „der schlechteste Präsident“ und „der Schokoladen-Führer“, neben anderen Beleidigungen.
Etwa 3.373 VKontakte-Nutzer posteten vom 1. November 2018 bis zum 14. Februar 2019 über die ukrainischen Wahlen, und die von ihnen geteilten Links stammten in erster Linie aus pro-kremlnahen Quellen, die gängige antiukrainische Botschaften verbreiteten. Bemerkenswert ist, dass Narrative – z. B. dass die Ukraine gar nicht wirklich existiere oder ein „gescheiterter Staat“ sei, der im Chaos versinke – die von russischen TV-Sendern und pro-kremlnahen Websites aggressiv vorangetrieben werden, auch im ukrainischen VKontakte-Sektor florieren. Darüber hinaus identifizierte die Analyse auch über 23.000 Beiträge, die die Ukraine in negativen Begriffen charakterisierten, aber nur 2.603 Beiträge, die Russland auf dieselbe Weise charakterisierten.
Interessanterweise zeigt die Studie von Internews Ukraine, dass pro-kremlnahe Kandidaten überwiegend negativer Berichterstattung ausgesetzt waren, während die Ukraine und die Ukrainer im Allgemeinen in stark abwertenden Begriffen beschrieben wurden, etwa als „bourgeoiser Abschaum“, „stinkende heuchlerische Tiere“, „kleine Juntas“ und „Khokhol-Schwuchteln“ (Khokhol ist ein abwertender russischer Begriff für „Ukrainer“).Antisemitische Botschaften waren auch in der Stichprobe der Beiträge weit verbreitet. Der Krieg im Donbas wurde derweil als ein Krieg zwischen prorussischen „Slawen“ und prowestlichen „jüdisch-freimaurerischen“ Kräften dargestellt, die nach russischer Mythologie die Welt mithilfe jüdischen Kapitals und von Informationsressourcen beherrschen wollen.
Die Popularität von VKontakte in der Ukraine ist seit 2017 rückläufig, als Kyjiw Sanktionen gegen bestimmte russische Internetprodukte verhängte. Dennoch wird geschätzt, dass Zehntausende Menschen das soziale Netzwerk weiterhin in der Ostukraine und in Kyjiw nutzen.