Angelsachsen lösen Wellen aus: Kremlfreundliche Medien lassen Dampf über die HMS Defender und Entscheidungen der EU ab
Für die Tatsachenverdreher des Kremls stand viel Arbeit an. Das russische Staatsfernsehen ließ kräftig Dampf ab und verbreitete Desinformationen über den jüngsten Vorfall mit dem britischen Kriegsschiff HMS Defender im Schwarzen Meer. Zugleich beschuldigte der russische Außenminister den Westen, „eine totalitäre Herrschaft in globalen Angelegenheiten“ (nicht zuletzt durch Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzungen) durchzusetzen, und versuchte, die westlichen Werte negativ darzustellen, indem er andeutete, dass den Kindern und Jugendlichen in westlichen Schulen beigebracht würde, dass Jesus Christus bisexuell war. (Das unabhängige russische Medium The Insider widerlegte diese und neun weitere Behauptungen des russischen Außenministers).
Desinformation wabert im Schwarzen Meer
In der vergangenen Woche fuhr das britische Kriegsschiff HMS Defender entlang der Küste der Krim durch den international anerkannten Verkehrstrennungskorridor. Doch im Zusammenhang mit der illegalen Annexion der Krim kam dies für den Kreml einer Provokation gleich, und in welchem Ausmaß!
Nach Angaben der kremlfreundlichen Medien ist das britische Kriegsschiff nicht nur in russische Hoheitsgewässer eingedrungen (was nicht der Fall ist, da die russischen Gebietsansprüche auf der illegalen Annexion der Krim beruhen), sondern führte außerdem eine Provokation der NATO und einen böswilligen angelsächsischen Komplott aus, um die eurasische Integration zu beeinträchtigen. Das Vereinigte Königreich wollte beschossen werden! (Das war aber nicht der Fall: Das britische Verteidigungsministerium hat schnell dementiert, dass irgendwelche Schüsse auf die HMS Defender abgefeuert wurden). Das Vereinigte Königreich versuchte, unterstützt von den USA, einen casus belli – einen Vorwand für einen Krieg, und zwar nicht irgendeinen Krieg, sondern einen Weltkrieg, zu finden – denn laut dem russischen Staatsfernsehen ist dies die Art und Weise, wie der britische Premierminister in die Geschichte eingehen will …
Falls Ihnen diese gekünstelte und falsche Rhetorik bekannt vorkommt – das sollte sie. Die kremlfreundlichen Medien nutzten bereits 2018 dieselben Desinformationsnarrative, als Russland zwei kleine ukrainische Artillerieschiffe in der Meerenge von Kertsch illegal beschlagnahmte und 24 ukrainische Seeleute festnahm. Damals wie heute verwiesen Desinformationsstellen auf alle Arten von Provokationen, Anstachelung zum Krieg und „Verletzungen“ der Grenzen – bisher alles vergebens.

Welle an Desinformation gegen die EU
Die Europäische Union ist vergangene Woche nach der Sitzung des Europäischen Rates, bei dem die europäischen Staats- und Regierungschefs betonten, wie wichtig es ist, die russische Zivilgesellschaft und unabhängige Medien weiterhin zu unterstützen und auf jegliche bösartige, illegale und störende russische Aktivität zu reagieren, erneut in den Fokus der kremlfreundlichen Medien gerückt.
Für die kremlfreundlichen Medien konnte es nur eine Erklärung für solche Entscheidungen geben: Die europäischen Staats- und Regierungschefs unterwarfen sich dem amerikanischen „Diktat“ und verhinderten so angeblich einen konstruktiven Dialog mit Russland. Außerdem wurden Polen und die baltischen Staaten beschuldigt, die EU im Alleingang zu zerstören, indem sie eine „angelsächsische“ Agenda vorantreiben.
Damit folgten die kremlfreundlichen Medien dem Beispiel des russischen Außenministers, der in einem kürzlich erschienenen Kommentar die EU mit einem Chor verglich, der nach der Melodie von „Big Brother“ singt, und behauptete, dass „eine aggressive russlandfeindliche Minderheit […] zunehmend die Politik der EU bestimmt“. Diese Behauptungen wiederholen mehrere bekannte kremlfreundliche Desinformationsnarrative über „verlorene Eigenständigkeit“, US-Präsenz in Europa und eine vermeintlich endemische Russophobie.

Chor gegen Sanktionen
Getreu ihrer Bereitschaft, den unrechtmäßigen Präsidenten von Belarus zu unterstützen, verbreiteten kremlfreundliche Medien in dieser Woche zudem die Behauptung, dass die jüngst verhängten gezielten Wirtschaftssanktionen gegen das Regime in Belarus darauf abzielen, das einfache Volk verarmen zu lassen und sich in die innerstaatlichen Angelegenheiten von Belarus einzumischen. Daran schlossen sich Aussagen an, welche die Opposition in Belarus herabwürdigten und eine „Bedrohung durch die NATO“ heraufbeschworen.
Solche Meldungen waren ebenso vorhersehbar wie falsch: Die neuesten Wirtschaftssanktionen sind sorgfältig abgestimmt, um das Regime in Belarus zu treffen (hier ist mehr darüber zu erfahren), und wurden als Reaktion auf immer häufiger auftretende Menschenrechtsverletzungen und die gewaltsame Unterdrückung in Belarus verhängt. Trotz des Gezeters von Desinformationskanälen unterstützt die EU weiterhin die Zivilgesellschaft und das zukünftige demokratische Belarus.
P.S.: Kremlfreundliche Desinformationsquellen sprachen diese Woche häufig von „Angelsachsen“. Hier ist eine kleine Hilfe, die wir letztes Jahr erstellt haben, um Ihr Gedächtnis aufzufrischen, was die kremlfreundlichen Medien mit diesem Begriff meinen.
