Aus Schweden mit Liebe
Wie wir zuvor erklärt haben, nutzen russische staatseigene Medien regelmäßig internationale „Experten“, um pro-kremlfreundlichen Narrativen Legitimität zu verleihen – selbst wenn die Experten als solche nur den pro-kremlfreundlichen Medien bekannt sind. In den letzten paar Wochen haben wir diese Strategie erneut in Aktion gesehen. Eine wenig bekannte Organisation aus Schweden, „Swedish doctors for human rights“ (Swedhr), hat in jüngster Zeit eine überraschend große Rolle in der Geopolitik gespielt. In Schweden wie auch im Ausland war sie praktisch unbekannt, bis der Leiter der Organisation von der syrischen Delegation bei den UN zitiert wurde und von der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Mariya Zakharova. Russische und syrische Vertreter nutzten die Analyse der Organisation zu einem zwei Jahre alten Video als „Beweis“, dass die Chemieangriffe in Syrien vorgetäuscht oder False-Flag-Operationen gewesen seien, die von der NGO White Helmets durchgeführt wurden.
Wie Codastory in ihrem ausführlichen Artikel zu dem Thema schreibt, geben Amnesty International in Schweden, Human Rights Watch in Schweden, die Schwedische Gesellschaft für Medizin und der Schwedische Ärzteverband allesamt an, sie hätten noch nie von Swedhr gehört, die sich selbst als eine „alternative NGO“ beschreibt. Dennoch wird der Leiter der Organisation regelmäßig in russischen Staatsmedien wie RT (Russia Today) zitiert.Wie Codastory hervorhebt, lassen nahezu alle Medien und Vertreter, die das betreffende Video als Beleg anführen, um Zweifel am jüngsten Chemiewaffenangriff in Syrien zu säen, die Tatsache unerwähnt, dass das von Swedhr analysierte Video zwei Jahre alt ist. In mehreren Interviews in russischen Staatsmedien (RT unter anderem) äußert sich der Leiter von Swedhr, ein pensionierter Arzt für Psychiatrie und öffentliche Gesundheit, mit angeblich fachkundigen Einschätzungen dazu, wer hinter den Chemiewaffenangriffen in Syrien steckt – im Einklang mit dem pro-kremlnahen Narrativ zu Syrien (wir beschreiben es hier und hier).
Die Rolle von Swedhr, das 2015 gegründet wurde, wurde auch in schwedischen Medien thematisiert. Die schwedische Zeitung Dagens Nyheter ist auf Grundlage ihrer Website „The Indicter“ zu dem Schluss gekommen, dass Swedhr eine klare Agenda verfolgt, die unter anderem Narrative umfasst, wonach die Ukraine von Faschisten regiert werde und die schwedischen Mainstream-Medien (darunter Dagens Nyheter) russophob seien. Dies sind gängige pro-kremlnahe Narrative.