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Besetzt den Informationsraum!

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Kreml-Taktiken zur Diskreditierung des JIT

Das Russische Institut für Strategische Studien, RISS, ein vom Kreml finanziierter Thinktank, veröffentlichte kürzlich einen Aufsatz mit dem Titel „Sicherung von Informationen für außenpolitische Zwecke im Kontext der digitalen Realität“. Das Papier zitiert den russischen Militärtheoretiker Aleksander Bartosch, der „Desinformation und Propaganda in Medien und sozialen Netzwerken als die Hauptmerkmale der sogenannten hybriden Kriegsführung“ beschreibt. Die Autoren des Papiers merken an:

Ein präventiv gestaltetes Narrativ, das den nationalen Interessen des Staates entspricht, kann die Auswirkungen der Aktivitäten ausländischer Kräfte im Informationsraum erheblich verringern, da sie in der Regel versuchen, „Leerstellen“ [im Informationsfluss] zu besetzen.

Diese Methode, präventiv gestaltete Narrative, ist deutlich sichtbar, je näher wir dem MH17-Prozess kommen, in dem drei russische Staatsangehörige und ein Ukrainer beschuldigt werden, für den Abschuss eines zivilen Passagierflugzeugs im Juli 2014 verantwortlich zu sein. Im Februar verwiesen russische staatlich kontrollierte Medien auf Dokumente, die angeblich vom Joint Investigation Team durchgesickert seien und „beweisen“, dass sich kein BUK-Raketensystem innerhalb der Schussreichweite befand, als die MH17-Boeing abgeschossen wurde und 298 Passagiere getötet wurden.Die Dokumente beweisen nichts, aber es sieht cool aus: eingescannte, verschwommene Dokumente, von Whistleblowern geleakt, die ihre Karriere riskieren, wenn nicht ihr Leben…

Der MH17-Fall ist in unserer Desinformationsdatenbank stark präsent; über 200 Fälle bis heute. Die Fälle gruppieren sich entlang von fünf großen Themen, mit unseren Erklärungen unten:

 

„Die Untersuchung ist voreingenommen!“

    • „Russland durfte und darf nicht an der Untersuchung teilnehmen!“
      • Es gibt Grundsätze dafür, wie Untersuchungen von Flugzeugabstürzen durchgeführt werden. Üblicherweise richten das Land, in dem das Flugzeug abgestürzt ist, das Herkunftsland, das Produktionsland des Flugzeugs und das Zulassungsland des Flugzeugs die Untersuchung ein. In diesem Fall – die Ukraine, die Niederlande, die Vereinigten Staaten und Malaysia. Die Untersuchung kann bei Bedarf die Beteiligung weiterer Stakeholder zulassen oder anfordern.
    • „Russische Beweise werden ignoriert!“
      • Russland hat der Untersuchung Daten bereitgestellt, die gründlich geprüft wurden.
    • „Das JIT hat Beweise manipuliert!“
      • Der Prozess ist öffentlich, und die Beweise werden allen Parteien zur Prüfung zur Verfügung stehen.Jegliche manipulierten Beweise würden sofort bemerkt.
    • “JIT stützt die Anklagepunkte auf Amateure, die Daten aus sozialen Medien sammeln!“
      • Die JIT haben unabhängig verfügbare Daten gesammelt und analysiert. Das Ermittlungsteam von Bellingcat hat die von der JIT gesammelten Daten bestätigt.
    • “Der Fall ist auf Russophobie gegründet und nicht auf harten Beweisen!”
      • Ziel des Prozesses ist es, die von den Ermittlern gesammelten Beweise öffentlich zu bewerten. Die Gesamtheit der Beweise wird vom Gericht geprüft werden.

“Die Ukraine ist der Schuldige!”

    • “Die ukrainische Luftabwehr hat die MH17 abgeschossen!”
      • Das Gemeinsame Ermittlungsteam (JIT) ist zu dem Schluss gekommen, dass Flug MH17 am 17. Juli 2014 durch eine Rakete der 9M38-Serie abgeschossen wurde, die von einem BUK-TELAR-Raketenwerfer von Ackerland in der Nähe von Pervomaiskiy abgefeuert wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Gebiet von pro-russischen Kämpfern kontrolliert.Der BUK-TELAR wurde aus dem Gebiet der Russischen Föderation herangebracht und anschließend, nachdem er den Flug MH17 abgeschossen hatte, zurück in die Russische Föderation gebracht.
    • “Ukrainische Kampfjets haben die MH17 abgeschossen!”
      • In dem Gebiet befanden sich keine ukrainischen Kampfjets.
    • “Die Ukraine hat ihren Luftraum nicht geschlossen!”
      • Die Behauptung, der ukrainische Luftraum sei vor dem Absturz offen gewesen, ist falsch — der gesamte Verkehr über der Konfliktzone war für Luftfahrzeuge verboten worden, die unter 32.000 ft fliegen; MH17 durchquerte das Gebiet in 33.000 ft.Damals gab es nichts, was darauf hindeutete, dass die vermutlich schlecht ausgerüsteten prorussischen Separatisten Zugang zu hochentwickelten Waffen hätten, die in der Lage wären, ein Flugzeug in dieser Höhe abzuschießen.

„Der Westen ist der Schuldige!“

    • „MH17 war eine britisch-ukrainische False-Flag-Operation!“
      • Eine unbegründete Verschwörungstheorie
    • „Die Passagiere von MH17 waren bereits mehrere Tage vor dem Absturz tot!“
      • Eine Handlung aus der BBC-Krimiserie Sherlock, der Folge „Ein Skandal in Belgravia“

„Russland ist moralisch nicht fähig zu solchen Gräueltaten!“

    • Russland steht nicht vor Gericht. Das JIT klagt vier Personen an, drei russische Staatsangehörige und einen Ukrainer. Das offizielle Russland hat leider es versäumt, vollständig zu kooperieren mit der Untersuchung.

„Niemand wird jemals die Wahrheit herausfinden!“

    • Vorläufige Veröffentlichungen des JIT haben belastbare Belege aufgezeigt, die den Abschuss mit vier Personen in Verbindung bringen, denen der Mord an 298 Menschen zur Last gelegt wird.Die öffentliche Verhandlung wird die Beweise prüfen, und die Betroffenen werden das Recht auf Verteidigung haben.

Diese fünf Themen machen es leicht, Desinformation für ein inländisches und ausländisches Publikum zu produzieren und feinzujustieren, sie zu veranschaulichen und sie auf Social-Media-Plattformen sowie in staatlich finanzierten Medien zu verstärken. Der Ansatz ist vorhanden; jegliche Art von Fakten oder Belegen kann durch diese sorgfältig gepflegten Narrative leicht ignoriert werden. Das von russischen Militärspezialisten skizzierte Modell funktioniert perfekt: präventiv geformte Narrative. Vorab lügen, um den Informationsraum zu besetzen.

Regierung der Niederlande: Offizielle Informationen zur MH17-Ermittlung

 

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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