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Coronavirus-Desinformation: Moskau überreizt seine Hand

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Russische Behörden sehen sich infolge von Desinformation im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie Kritik seitens der EU und der US ausgesetzt.

Und wenn der Kreml gehofft hatte, dass der PR-Wert von Russlands Hilfsmission nach Italien dieses wachsende Imageproblem überdecken könnte, beginnen die Kommunikationsmaßnahmen rund um die Lieferung der Hilfe nun, nach hinten loszugehen.

Desinformation, die sich gegen Polen richtet, und der Versuch, italienische Journalisten durch Drohungen zum Schweigen zu bringen, gehören zu den Beispielen für schlecht gesteuerte Kommunikation aus Moskau.

Ziel: Polen

In der vergangenen Woche stellte ein BBC-Bericht die Berichterstattung russischer Medien aus Italien infrage, darunter Geschichten darüber, dass russische Flaggen EU-Flaggen ersetzen und die russische Hymne auf den Straßen erklingt.Aber nicht nur kremlfreundliche Medien verbreiteten derartige Manipulationen.

Am 23. März nutzte ein russischer Senator, Alexey Pushkov, die italienische Hilfslieferung, um die falsche Behauptung zu verbreiten, Polen habe russischen Flugzeugen auf dem Weg nach Italien den Zugang zum polnischen Luftraum verweigert.

Der Tweet des Senators wurde später gelöscht; doch der Desinformationsschaden war bereits angerichtet, da die Botschaft russische Medien erreichte, darunter Online-Portale Tsargrad, KP (Komsomolskaja Prawda), RIA FAN, Gazeta.ru, MK (Moskovsky Komsomolets), Life.ru und Ukraina.ru (das trotz seines Namens ein vom russischen Staat kontrolliertes Medium ist; siehe auch das obere Bild). Keines dieser Medien hatte die falsche Behauptung über Polen in seinen Veröffentlichungen bis zum 8. April korrigiert.

Das staatseigene internationale Medium Sputnik gab die Behauptung des Senators zunächst weiter, änderte seine Darstellung später jedoch, wie von Polygraph.info beschrieben.

Der EU-Botschafter in Russland, Markus Ederer, führte diesen Vorfall in einem Interview am 2. April als Beispiel für Desinformation an.Im Interview rief der Botschafter alle dazu auf, „gegen das Coronavirus zu kämpfen und nicht gegen die Wahrheit“.

Ziel: italienische Journalisten

In der vergangenen Woche griff auch der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow, Journalisten der italienischen Zeitung La Stampa mit Drohungen an, nachdem diese in einem investigativen Artikel den tatsächlichen Wert der russischen Hilfe infrage gestellt hatten.

Die italienische Regierung reagierte auf den Einschüchterungsversuch und betonte, dass „Meinungsfreiheit und das Recht auf Kritik grundlegende Werte unseres Landes sind.“

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission für Werte und Transparenz, Věra Jourová, bekundete ihre Solidarität mit den italienischen Journalisten, die mit Drohungen aus Russlands Militär konfrontiert sind.

Eigene Desinformation abmildern

In einem Interview am 6. April im staatlich kontrollierten Fernsehsender Channel One Russia (Pervy Kanal) betonte Russlands Gesundheitsminister Michail Muraschko, dass „letztlich die Mehrheit jetzt sagt, dass dies ein natürliches Virus ist, das sich an die Koexistenz mit Menschen angepasst hat.„Ich sehe keinen Grund, daran zu zweifeln.“

Mit anderen Worten: Die russischen Behörden sind nun gezwungen, zu versuchen, den Schaden zu begrenzen, der durch das pro-kremlnahe Ökosystem entstanden ist, in dem Desinformation über das Coronavirus auch Behauptungen beinhaltete, es sei menschengemacht.

Ähnlich musste die Sprecherin des Föderationsrates Russlands, Valentina Matwijenko, zur Disziplinierung des Senators Puschkow aufrufen, nachdem er Polen angegriffen hatte.

„Friendly Fire“

Die obigen Beispiele verdeutlichen, dass der Kreml in der aktuellen Krise Defizite im Desinformations- und Einfluss-Ökosystem erlebt, das normalerweise seine Politik unterstützen soll.

Nach Jahren der Abstützung auf negative Kommunikationsstrategien, einschließlich Desinformation und Trolling, haben die russischen Behörden nun Schwierigkeiten, sich auf der internationalen Bühne als Soft-Power-Akteur relevant zu machen.Wie die Beispiele aus der italienischen Hilfslieferung zeigen, können diese Bemühungen durch „friendly fire“ manipulativer Kommunikatoren innerhalb des pro-kremlnahen Ökosystems untergraben werden.

Ähnlich werden die russischen Behörden nun mit einer Realität konfrontiert, in der das heimische Publikum nicht mit derselben Art ablenkender Desinformation abgespeist werden kann, die in Fällen wie dem Abschuss von Flug MH17 oder dem Chemieangriff in Salisbury, Großbritannien, eingesetzt wurde: Die Coronavirus-Pandemie ist ihrer Natur nach ein globales Problem, und Russland selbst läuft Gefahr, zum Ziel traditioneller pro-kremlnaher Bemühungen zu werden, in die Irre zu führen und zu verwirren, wenn – wie ein russischer Experte in einem Interview mit EUvsDisinfo gesagt hat – „der Informations-Bumerang zurückkehrt.“

Oberes Bild: Bildschirmfoto von der kremlkontrollierten Ukraina.ru mit der Überschrift: „Pushkov: Polen hat einen schmutzigen Trick auf der Ebene der Staatspolitik angewandt“.

 

 

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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