Der ewige 1. April der Kreml-Desinformation
Der 1. April wird weltweit als „Aprilscherz-Tag“ gefeiert; eine internationale Übung in Quellenkritik. Redaktionen versuchen, die Leser mit falschen und empörenden Geschichten hinters Licht zu führen – manchmal ziemlich erfolgreich. Wie die Rekord-Spaghetti-Ernte im Jahr 1957, der Strumpfhosen-Farbfernseher im Jahr 1962 oder die Alien-Invasion in Jordanien im Jahr 2010. Am 1. April fragen sich Leser auf der ganzen Erde beim Lesen der Nachrichten: „Stimmt das wirklich?“
Im Desinformations-Universum des Kreml ist jeder Tag der 1. April. Seit über fünf Jahren hat EUvsDisinfo Tag für Tag, Woche für Woche die Versuche pro-kremlnaher Desinformationsproduzenten, die Leser hinters Licht zu führen, erkannt, dokumentiert und widerlegt. Der 1. April ist keine Ausnahme. Nur die Lügen sind alt und repetitiv: Wir können die fünf Kernnarrative der pro-kremlnahen Desinformation
identifizieren.

Die bedrohten Werte
Der immer wiederkehrende 1. April dieser Woche enthält Behauptungen wie: „Die EU wird gleich die Bibel verbieten!“ und „Die EU verbietet die Wörter Mutter und Vater!“ Solche Behauptungen sind das tägliche Brot des Aprilscherz-Genres. Jeder weiß, dass die EU ständig irgendetwas verbietet und dass die EU und der Westen im Niedergang begriffen sind; bis ins Mark verrottet und kurz vor dem Zusammenbruch.Die Behauptungen sind natürlich falsch, genauso wie die Behauptung über den Westen, der versuche, russische Traditionen zu zerstören.

Die verlorene Souveränität
Einen alten Witz zu wiederholen macht ihn nicht lustig; alte Lügen zu wiederholen macht sie nicht wahr. Diese wiederkehrende Behauptung ist in der Desinformationsdatenbank rund 200 Mal dokumentiert. Diese Woche beschreiben pro-kremlische Medien Moldau, Litauen und die Ukraine als Länder, die nicht mehr wirklich unabhängig seien.
Die Eliten gegen das Volk
Das Klischee des Deep State, der verborgenen Regierung, der Schattenherrscher taucht diese Woche in mehreren Fällen auf: Die Vereinigten Staaten haben zwei parallele Regierungen; es werde eine Kampagne vorbereitet, um den Sputnik-V-Impfstoff zu diskreditieren, wobei massenhafte Todesfälle behauptet werden; das Establishment stahl Trumps Sieg bei den US-Wahlen. Der Westen erntet die Ukraine, um Sklaven zu gewinnen. Andere Medien behaupten, der Westen brauche nicht einmal Sklaven aus der Ukraine.Die Desinformationsmaschinerie erfindet weiterhin die ewigen Nazi-Behauptungen über die Ukraine: Die Revolution der Würde im Februar 2014 war ein Nazi-Putsch, unterstützt von Deutschland; die Türkei und die USA bereiten die ukrainischen Nazis auf einen Angriff auf den Donbas vor.
Der unmittelbar bevorstehende Zusammenbruch
NATO-Aktivitäten könnten die gesamte Schwarzmeerregion destabilisieren; die globalen Ambitionen der USA könnten sogar einen Atomkrieg mit Russland provozieren.
Hahaganda
Hahaganda ist Humor, Spott und Sarkasmus, als Waffe in der Desinformation eingesetzt. Es ist ein effizientes Mittel, dem sehr schwer beizukommen ist. Auf faktische Fehlschlüsse in einem Witz hinzuweisen, ist in der Regel eher unerquicklich: „Tomaten können nicht laufen!“
Jeder Spaßvogel will, dass sein Witz ernst genommen wird. Diese Woche hielt ein kleines Medium in Nordrussland einen Witz von einer Satireseite für echte Nachrichten: Schweden bringt einen Fünfjährigen in eine Pflegefamilie, nachdem seine Eltern ihm den verbotenen russischen Film „Mascha und der Bär“ gezeigt haben. Man kann über Qualität und Geschmack des Witzes diskutieren, aber das Medium nahm ihn ernst. Und nein, Mascha und der Bär sind in Schweden nicht verboten; nicht einmal am 1. April.
Das pro-kremlische Desinformationssystem tut so, als wäre jeder Tag der 1. April.Wir, die Leser, sollten dasselbe tun und uns fragen: Ist das wirklich wahr?