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Der Friedensaufruf des Kremls verschleiert weiterhin ein blutiges Imperium

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Seit dem allerersten Beginn von Russlands groß angelegter Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 hat der Kreml versucht, so zu tun, als würde jemand anderes die Invasion durchführen. So behauptete der russische Präsident Wladimir Putin beispielsweise ein Jahr nach dieser Invasion, der Westen habe irgendwie den Krieg begonnen. Pro-russische Medien behaupten zudem routinemäßig, die Ukraine sei nichts weiter als eine westliche Waffe gegen Russland und dass das Land selbst nicht existiere. Und wenn die Ukraine nicht existiert, wie könnte Russland dann in sie einmarschiert sein?

Will Russland Frieden?

Russische Staatsmedien und pro-kremlnahe Medien haben zudem versucht, eine alternative Realität heraufzubeschwören, in der Russland an Frieden interessiert ist, während die Ukraine und der Westen entschlossen sind, Krieg zu führen. Im Folgenden untersuchen wir die wichtigsten Narrative, die Putins Desinformationsverbreiter in Bezug auf die Suche nach Frieden in der Ukraine verbreitet haben.

Der Westen verhindert Frieden: Istanbul werden wir immer haben

Die am weitesten verbreitete Familie von Unwahrheiten behauptet, der Westen habe die Ukraine daran gehindert und hindere sie weiterhin daran, in gutem Glauben Friedensverhandlungen mit Russland zu führen. Diese Anschuldigung hat mehrere Varianten. Medien haben behauptet, dass die EU keinen Frieden will, sondern nur Russlands vollständige Niederlage.Sie haben auch westliche Länder und insbesondere die USA als darauf erpicht, Geld zu verdienen mit Waffenverkäufen an die Ukraine und andere Länder beschrieben und Waffenlieferungen an die Ukraine als vorteilhaft für „Waffenhändler“

dargestellt.

Insbesondere führen der Kreml und sogar Putin selbst regelmäßig die Behauptung an, die Ukraine habe im März 2022 während der Verhandlungen in der Türkei kurz davor gestanden, ein Friedensabkommen mit Russland zu unterzeichnen, doch der Westen habe eingegriffen, um es zu torpedieren. Insbesondere haben sich Medien auf den Besuch des damaligen britischen Premierministers Boris Johnson in Kyjiw am 9. April konzentriert, als Vorwand für die Behauptung, Johnson habe der ukrainischen Regierung „befohlen“, keinen Frieden zu schließen. Außerdem haben Desinformationsverbreiter ein Interview mit Davit Arachamia, dem Vorsitzenden der Parlamentsfraktion der ukrainischen Regierungspartei, zitiert, der angeblich gesagt habe, Johnson habe den ukrainischen Führungspersonen gesagt, sie sollten „einfach kämpfen“.

Bucha betreten

Die Wahrheit ist ganz anders. Ukrainische und russische Unterhändler schienen im März 2022 einige bescheidene Fortschritte in Richtung eines Abkommens zu erzielen, in dem Verständnis, dass die Gespräche fortgesetzt würden. Doch wie der Wall-Street-Journal-Journalist Yaroslav Trofimov geschrieben hat, kam der Wendepunkt, als die russische Armee, nachdem sie auf erbitterten Widerstand ukrainischer Truppen gestoßen war, aus Gebieten rund um Kyjiw abzog.Als sie abreisten, tauchten Anfang April Video- und fotografische Belege auf, die das Massaker von Bucha enthüllten. Trofimov schreibt: „Was die Ukrainer dort entdeckten, machte jedes in Istanbul erzielte Verständnis gegenstandslos.“ Mehrere weitere Orte wurden entdeckt, an denen von den besetzenden russischen Streitkräften Gräueltaten begangen worden waren.

Was das Arakhamia-Interview betrifft, hat der Mann selbst bestritten, dass die ukrainische Delegation bereit gewesen sei, irgendetwas zu unterschreiben, oder dass Boris Johnson sie daran gehindert habe. Seiner Darstellung zufolge „trafen die westlichen Partner der Ukraine keine Entscheidungen im Namen der Ukraine und konnten nur Ratschläge geben“. Der Hauptgrund, weshalb die Friedensverhandlungen ins Stocken gerieten, war ukrainische Wut über die Ereignisse in Bucha und die Erkenntnis, dass die Russen nichts Geringeres beabsichtigten als kulturellen, wenn nicht buchstäblichen Völkermord.

Geste des guten Willens für Frieden

Die Kreml-Behauptungen über die Verhandlungen im März 2022 sind außerdem mit einer weiteren von Putin verbreiteten Unwahrheit verknüpft: dass der Abzug der russischen Armee aus Kyjiw und der Nordukraine Ende März 2022 keine demütigende Flucht gewesen sei, sondern eine „Geste des guten Willens“, die Verhandlungen anstoßen sollte.Diese lächerlich eigennützige Behauptung ist eng mit der Fabel verknüpft, Russland sei ein missverstandener Friedensstifter, und erscheint oft gemeinsam mit ihr.

Frieden hinter dem Rücken der Ukrainer

In letzter Zeit hat sich jedoch auch begonnen, ein widersprüchliches Narrativ zu verbreiten. Dieses behauptet, dass westliche Staats- und Regierungschefs, statt fanatische militante Chaosstifter zu sein, des Krieges müde seien. Daher bereiten sie sich darauf vor, mit Russland zu verhandeln, während sie die Ukraine im Stich lassen. Sie machen sich sogar bereit, die Ukraine zu zwingen, an den Verhandlungstisch zu kommen. Der wahrscheinliche Zweck dieses Narrativs ist es, die Ukrainer zu demoralisieren. Zu diesem Zweck können kriegerische Westler plötzlich entgegenkommend werden.

Selig sind die Aggressoren

Während sie dem Westen die Schuld geben, verbreiten Kreml-Apologeten auch eine Reihe unterstützender Narrative. Das prominenteste stellt Russland als Inbegriff der Rationalität dar, das bereit ist, ‘zu seinen Bedingungen’ Frieden zu schließen. Wir haben bereits zuvor geschrieben, dass sich solche Annäherungsversuche bei näherer Betrachtung als Forderungen nach der Kapitulation der Ukraine entpuppen.Pro-russische Medien verbreiten diese Behauptung besonders gern aus dem Mund von kremlfreundlichen Westlern und heben deren Kommentare nach Möglichkeit hervor.

Darüber hinaus wollen russische Führungspersonen Sie glauben machen, dass ukrainische Führungspersonen im Gegensatz zu Russland unvernünftige Fantasisten seien, die Frieden ablehnen. Medien und Kommentatoren richten ihren Zorn dabei besonders gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und seine Friedensvorschläge und behaupten, die „Selenskyj-Formel“ für den Frieden sei „ein Hirngespinst einer kranken Fantasie“.

Spaltet die Gesellschaft: „der gewöhnliche Ukrainer will Frieden“

Schließlich geben russische Staatsmedien und pro-kremltreue Medien gern vor, dass trotz der Politik ihrer kriegstreiberischen Führung gewöhnliche Ukrainer und Westler verzweifelt Frieden wollen – selbst wenn zu den Bedingungen des Kremls. Ein besonders bösartiges Desinformationsstück präsentierte die Familien ukrainischer Kriegsgefangener, die die Behörden dazu drängten, die Rückkehr ihrer Angehörigen aus der Gefangenschaft zu beschleunigen, und begleitete die Bilder zugleich mit irreführenden Kommentaren, wonach „gewöhnliche Ukrainer für Frieden und frühe Verhandlungen mit Russland“ stünden.

Andere Artikel nutzten selektiv herausgepickte Umfrageergebnisse, um zu argumentieren, dass die westliche Unterstützung für die Ukraine nachlässt.Zum Beispiel verwies ein Beitrag in Sputnik Globe auf eine vom Chicago Council on Global Affairs durchgeführte Umfrage, um zu betonen, dass 45 Prozent der Amerikaner der Meinung sind, dass die Militärhilfe für die Ukraine die Kosten nicht wert gewesen sei, während 53 Prozent sagen, dass sie es gewesen sei. Stimmt. Aber der Beitrag erwähnt nicht, dass dieselbe Umfrage ergab, dass 63 Prozent der Amerikaner die Entsendung zusätzlicher Waffen und militärischer Ausrüstung in die Ukraine unterstützen.

MAD – Russisches nukleares Säbelrasseln

Das häufige russische nukleare Säbelrasseln geht in dieselbe Richtung, an die Sinne gewöhnlicher Westler zu „appellieren“, basiert jedoch auf Angstmacherei. Die westlichen Bevölkerungen mit der Furcht vor der Zerstörung der Welt einschüchtern, die Logik des Kalten Krieges namens gegenseitig zugesicherte Zerstörung (MAD) auslösen und die europäischen Führer dazu bringen, Kyjiw zu Verhandlungen zu drängen. Das wäre in Wirklichkeit eine Kapitulation zu Russlands Bedingungen, und die Konsequenzen sind in Butscha und anderswo gut bekannt.

Kriegstreiber, gib dir selbst die Schuld

Der Krieg des Kremls zur Ausweitung seines blutigen Imperiums, der drei Tage dauern sollte, geht nun in sein drittes Jahr. Was russische Führer als Friedensverhandlungen vorgegeben haben, sind Forderungen, dass die Ukraine Russlands illegitime Gewinne ohne Bedingungen anerkennt – oder schlicht kapituliert.Wir haben diese Taktik aufgedeckt, verfolgt und widerlegt viele Male.

Russische Führungspersönlichkeiten bezeichnen den Krieg sogar als existenziell für Russland und erkennen nun (endlich) an, dass es ein Krieg ist. Natürlich sagen russische Führungspersönlichkeiten, sie führten Krieg, um einen gerechten Frieden herbeizuführen. Das ist es, was Kriegstreiber tun. Doch der Frieden, den sie wollen, ist nur für sie ‘gerecht’.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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