Der Kreml macht ein Angebot, das die EU nicht ablehnen kann
Nachdem Russland Energieexporte seit langem als Druckmittel einsetzt, um politische Zugeständnisse von den Empfängern von Energie zu erzwingen, versuchen die kremlfreundlichen Medien nun, uns vom Gegenteil zu überzeugen.
Energie ist in dieser Woche ein heißes Thema, auch auf kremlfreundlichen Kanälen. Diese Kanäle arbeiten mit Nachdruck daran, ihr Publikum davon zu überzeugen, dass Russland Energie nie als Druckmittel eingesetzt hat und dass es letztlich keine echten Alternativen zu russischen Lieferungen gibt – was aber nicht stimmt.
Die kremlfreundlichen Medien vergessen dabei die gut dokumentierte Geschichte der Nutzung von Energieexporten als Instrument zur Erlangung politischer Zugeständnisse durch Russland (und früher der Sowjetunion) und versuchen ein Bild der harmonischen Koexistenz zwischen Russland und seinen Energiekunden zu zeichnen. Leider erinnern sich viele nur zu gut an die Ereignisse in der Ukraine im Frühjahr 2014 als eine Erhöhung der Energiepreise die nächste jagte und Kiew unter politischen Druck setzte.
Ein einfaches Leugnen ist natürlich nicht genug, der Informationsraum muss mit einer Reihe von alternativen Theorien überflutet werden, um Verwirrung zu stiften um das kritische Publikum auszulaugen.
Die kremlfreundliche Berichterstattung über die Bemühungen der Europäischen Union (EU) und ihrer Mitgliedstaaten, ihre Versorgung mit Erdgas und anderen Energiequellen zu sichern und zu diversifizieren, lässt sich am besten wie die Stimmung bei einem Gebrauchtwagenverkauf beschreiben, der nicht die besten Interessen des Kunden im Auge hat.
Kremlfreundlichen Medien zufolge ist jeglicher Versuch der EU, vom Modell eines einzigen Lieferanten zu sichereren und wettbewerbsfähigen Geschäften und einer verbesserten Gasinfrastruktur überzugehen, vergeblich und führt lediglich zu höheren Preisen. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments haben sich diese Botschaft offensichtlich nicht zu Herzen genommen, sondern stattdessen die Europäische Kommission aufgefordert, die Rolle von Gazprom bei den jüngsten Preiserhöhungen auf den europäischen Gasmärkten zu untersuchen.
Verwirrung stiften
Wenn das Publikum für das Narrativ Russlands als zuverlässiger Energielieferant oder für die Behauptung, dass langfristige Lieferverträge mit Gazprom den Schlüssel zu einer günstigen und zuverlässigen Gasversorgung bieten, nicht empfänglich ist, besteht immer die Möglichkeit mit einem billigen rhetorischen Trick Verwirrung zu stiften und jegliche andere Option als nicht realisierbar darzustellen. Als ob es für Personen mit Entscheidungsbefugnis keine anderen vernünftigen Möglichkeiten gäbe, als sich auf russische Energielieferungen zu verlassen.
Während die EU und ihre Mitgliedstaaten stetige Fortschritte bei der umweltfreundlichen Abkehr von zum Klimawandel beitragenden fossilen Brennstoffen machen, stellen kremlfreundliche Medien diese als Bedrohung für Russland dar, verbreiten falsche und irreführende Behauptungen über erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie und schlagen gleichzeitig für Gazprom als Energielieferant die Werbetrommel.
Die EUvsDisinfo-Datenbank enthält zahlreiche Beispiele für kremlfreundliche Medien, die Desinformationen über die Energiepolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten sowie deren Ziele verbreiten. Desinformationen aus kremlfreundlichen Kanälen bieten einen guten Überblick über die politischen Prioritäten des Kremls. Eine widerstandsfähige EU, die weniger von russischen Energieexporten abhängig ist und eine gesunde Mischung an Energielieferanten aufweist, gehört nicht dazu.
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