Die Facebook-Perspektive auf Informationsoperationen
Facebook hat kürzlich ein Papier vorgelegt, das die Existenz von Informationsoperationen auf der beliebten Social-Networking-Plattform anerkennt. Ein großer Teil der eher technischen Analyse bestätigt, was wir bereits über pro-kremlische Desinformation wissen.
Das Dokument räumt ein, dass Regierungen oder organisierte nichtstaatliche Akteure Facebook nutzen, um „die innen- oder außenpolitische Stimmung zu verzerren, meist um ein strategisches und/oder geopolitisches Ergebnis zu erzielen“. Informationsoperationen umfassen mehr als nur absichtlich falsche Nachrichten, so Facebook. Zu solchen Operationen gehören auch die gezielte Verbreitung von Desinformation in sozialen Medien sowie die Ansprache über traditionelle Medien.
Facebook erklärt, dass Informationsoperationen auf ihrer Plattform drei Schritte haben:
- gezielte Sammlung nichtöffentlicher Daten, um Informationen offenzulegen, die Auswirkungen auf den öffentlichen Diskurs haben können;
- Erstellung von Inhalten, die diese Informationen widerspiegeln, entweder durch das Verbreiten von Geschichten an die Presse oder durch das Erzeugen von Geschichten und Bildern zur Online-Nutzung
- koordinierte Aktivitäten durch gefälschte Facebook-Konten, um Inhalte online zu verstärken, einschließlich der Erstellung gefälschter Graswurzelgruppen sowie Trolling, d. h.Fake-Konten, die den Kommentarbereich auf Facebook-Seiten zuspammen.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Facebook erklärt, dass es diese Aktivitätsmuster während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 mehrfach erkannt habe, betont jedoch, dass die „Reichweite der von falschen Verstärkern geteilten Inhalte im Vergleich zum Gesamtvolumen bürgerschaftlicher Inhalte während der US-Wahl marginal war“. Dies steht im Gegensatz zu der Analyse von Buzzfeed, die zu dem Schluss kam, dass Fake News in den letzten drei Monaten vor der Wahl im November 2016 mehr Interaktionen (Kommentare, Likes, Shares) erhielten als Nachrichten etablierter Medien. Wenn es darum geht, die Quelle dieser Informationsoperation zu identifizieren, sagt Facebook, dass „unsere Daten der Zuschreibung, die vom US Director of National Intelligence vorgenommen wurde, nicht widersprechen“, und bezieht sich dabei auf die Bewertung russischer Aktivitäten, die im Januar 2017 veröffentlicht wurde.
Was beabsichtigt Facebook gegen das Problem zu tun? Als ersten Schritt verspricht Facebook, den Nutzern dabei zu helfen, ihre Konten besser zu schützen, und empfiehlt, dass Wahlkampfteams der Cybersicherheit besondere Aufmerksamkeit schenken. Doch der eigentliche Kern liegt im Vorgehen gegen Fake-Konten und die falsche Verstärkung kompromittierter Geschichten. Die Ingenieure haben festgestellt, dass „die meisten falschen Verstärkungen im Kontext von Informationsoperationen nicht durch automatisierte Prozesse angetrieben werden, sondern durch koordinierte Personen, die sich dem Betrieb unechter Konten widmen“.Dies liegt daran, dass die Online-Aktivität „Menschen mit Sprachkenntnissen und Grundwissen über die politische Situation in den Zielländern“ voraussetzt. Dies erinnert an die Berichterstattung über eine pro-kremlische „Trollfabrik“ in Sankt Petersburg, in der Mitarbeitende dafür bezahlt werden, Kommentare in Online-Foren und in sozialen Medien zu hinterlassen. Facebook geht dagegen vor, indem es sich auf die „Authentizität der betreffenden Konten und deren Verhaltensweisen, nicht auf den Inhalt des erstellten Materials“ konzentriert, beispielsweise durch das Erkennen wiederholten Postens desselben Inhalts und ungewöhnlicher Anstiege im Umfang der Inhaltserstellung. Die Organisation gibt an, dass sie gegen über 30.000 Fake-Konten in Frankreich Maßnahmen ergriffen hat. Sie bietet ihren Nutzerinnen und Nutzern in jedem Fall die Möglichkeit, Fake-Profile zu melden.
Gleichzeitig sagt das Social-Media-Unternehmen, es unterstütze breitere Bemühungen zur Förderung von Qualitätsjournalismus durch sein Facebook-Journalismusprojekt, das sich offenbar in erster Linie darauf konzentriert, Qualitätsnachrichtenorganisationen dabei zu helfen, ihre Reichweite und Einnahmen auf der Plattform zu steigern, sowie durch die Zusammenarbeit mit Faktenprüfern bei zweifelhaften Facebook-Inhalten.