Kleine grüne Männchen: die Annexion der Krim als Sinnbild pro-kremlischer Desinformation
Unter den vielen unterschiedlichen Beispielen faktisch falscher Behauptungen, die seit 2014 aus dem Kreml und aus Medien, die seiner Linie loyal folgen, hervorgegangen sind, sticht der Fall der Annexion der Krim als vielleicht der dreisteste und geopolitisch kritischste heraus. Die sogenannten „kleinen grünen Männchen“ – russische Soldaten, die ohne identifizierende Abzeichen im März 2014 die Kontrolle über ukrainisches Territorium übernahmen – zeigten, in welchem Ausmaß die Desinformationsmaschine zur Unterstützung feindseliger Operationen im Ausland eingesetzt werden kann. Nach der Krim lernte die Welt ein neues Wort russischen Ursprungs, dezinformatsiya – auf Englisch: Desinformation.
Der Kreml gezwungen, die Lüge einzugestehen
Der Fall der „kleinen grünen Männchen“ – im Russischen meist als „die höflichen Leute“ bezeichnet – ist auch deshalb bemerkenswert, weil er zu den Fällen gehört, in denen der Kreml keine andere Wahl hatte, als sein Engagement in einer Desinformationsoperation einzugestehen.Die Bestätigung ist auf höchster politischer Ebene ausgesprochen worden, am bekanntesten durch Präsident Putin in einem im Fernsehen ausgestrahlten Interview anlässlich des ersten Jahrestags der Annexion der Krim.
Klicken Sie hier, um Simon Ostrovskys ursprüngliche Berichterstattung für Vice News über die „kleinen grünen Männchen“ zu sehen, die die Krim invadierten
Reaktion der EU auf pro-kremlische Desinformation
Die internationale Gemeinschaft reagierte scharf auf Russlands Handlungen auf der Krim, und bis heute betont die EU weiterhin ihre Nichtanerkennung der Krim als Teil Russlands und stellt sich gegen die Verletzung des Völkerrechts sowie gegen die Missachtung der territorialen Integrität eines anderen Staates.
Neben anderen Schlüsselfällen pro-kremlischer Desinformation im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine, insbesondere Desinformation bezüglich des Abschusses von Flug MH17 im Juli 2014, veranlasste Russlands Invasion der Krim auch alle 28 Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten, mit einem Aufruf zu Maßnahmen gegen „Russlands fortlaufende Desinformationskampagnen“ zu reagieren, wie in den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom März 2015 dargelegt, rund um den ersten Jahrestag der Annexion der Krim durch Russland.Diese einstimmigen Schlussfolgerungen auf der höchsten EU-Entscheidungsebene führten zur Einrichtung der EU East Stratcom Task Force.
Weiterführende Lektüre:
Regeln brechen: Krim, Desinformation, Doping
(Titelbild: Wikimedia Commons)