Lasst uns über politischen Mord lachen!
„Hahaganda“ – Propaganda, als Humor getarnt, als Lächerlichmachen, ist ein mächtiges und effizientes Instrument zur Desinformation. Dieser Ansatz wurde im Skripal-Fall häufig in die Praxis umgesetzt; zum Beispiel durch RT, die eine Schokoladen-Salisbury-Kathedrale als Weihnachtsgeschenk produzierten. Die von der britischen Polizei identifizierten Verdächtigen behaupteten in einem Interview für RT, sie seien nicht aus niederträchtigen Gründen nach Salisbury gereist, sondern um den 123 Meter hohen Turm der Kathedrale zu sehen. Ha ha. Zu diesem Zeitpunkt hatten vier Menschen nach dem Kontakt mit der giftigen Substanz intensivmedizinisch behandelt werden müssen; eine Frau starb.
Der Spaß geht weiter, denn deutsche Experten berichten, dass sich der Zustand des russischen Dissidenten Alexei Nawalny verbessert, nach mehreren Wochen in einem künstlichen Koma. Die Ärzte hoffen, dass er sich vollständig erholen wird; mit nur begrenzten Folgen für seine körperliche Gesundheit. Nun besteht der „Spaß“ darin, dass Nawalny überlebt hat. Kicher, kicher.
„Lasst uns jemanden vergiften!“
Der in Kanada ansässige Russia Observer beschwört ein Gespräch im Kreml herauf, wie man den Westen von Belarus und den Protesten im russischen Chabarowsk ablenken könne:
– Moment, Chef! Ich hab’s. Lasst uns jemanden vergiften! Das wird die Schlagzeilen ändern.Klar, hat die letzten Male funktioniert.
/—/
– Nun, er wird natürlich nicht sterben – unsere Gifte taugen nichts – und nach ein, zwei Tagen lassen wir ihn in irgendein NATO-Land gehen, und die werden sagen, er sei vergiftet worden.
Kicher. Ein häufiger Gast beim russischen Staatssender RT.com twittert auf ähnliche Weise:
F: Was ist Nowitschok?
A: Nowitschok ist ein sehr mildes Gift, das Russland immer dann benutzt, wenn es der Welt signalisieren will, es mit Wirtschaftssanktionen zu zerschmettern, ohne tatsächlich das Leben seines Ziels zu gefährden.
Ha ha.
„Warum nicht ein Autounfall?“
Nowitschok ist eine Gruppe chemischer Kampfstoffe militärischer Qualität, die nach internationalem Recht verboten sind. Sie wurden von der Sowjetunion während des Kalten Krieges entwickelt. Die Nowitschok-Familie besteht aus binären Substanzen, ähnlich wie Epoxidklebstoffe. Sie können sicher gehandhabt werden, bis zwei Teile der Substanz miteinander vereint werden. Mehr über Nowitschok findet sich unter diesem Link.
Ein besonderes Element der Nowitschok-Hahaganda konzentriert sich auf die Tatsache, dass die Opfer scheinbar nie sterben.Ein pro-kremlischer Autor, The Saker, erteilt nützliche Ratschläge, wie man Nawalny beim nächsten Mal töten kann:
Alles, was die Russen hätten tun müssen, um Nawalny zu töten, wäre gewesen, ihm einen Herzinfarkt zu verursachen, indem sie eines der vielen nicht nachverfolgbaren Mittel einsetzen, die es gibt (zum Beispiel Kaliumchlorid).
In ihrer Verzweiflung könnte der ahnungslose FSB Nawalny bei einem Autounfall haben sterben lassen.
Aber nicht einmal das können sie. Schäm dich, FSB!
Kicher, kicher. The Saker fährt fort:
Ich sage es Ihnen – die Russen sind fantastisch dumm, die dümmsten Menschen auf dem Planeten.
Besonders ihre Geheimdienst- und Sicherheitsbeamten, ihre Bio-Kriegsführungsspezialisten und ihre Hacker. Vollidioten. Alle von ihnen!
Ha ha.Wir können dieselbe Behauptung hier und hier sehen, oder hier:
Einerseits nehmen die Russen ständig Menschen mit Giften ins Visier, die Anthrax im Vergleich wie Kreide aussehen lassen, andererseits scheint keines ihrer Ziele jemals (rechtzeitig) zu sterben.
Ein in der Schweiz ansässiger Autor (mit Doktortitel und Pilotenschein!) schlägt auch alternative Methoden vor, um mit Herrn Nawalny umzugehen (bwa-ha-ha-ha):
– Genosse General, ich habe einen Vorschlag. Dieses Nowitschok hat beim letzten Mal nicht funktioniert, wir haben uns nur blamiert. Lassen Sie mich, nach dem Beispiel unserer saudischen Kollegen, eine Knochensäge nehmen, dann wird alles in Ordnung sein, man wird nichts finden.
Ha ha.
Nur – sie sterben eben doch, auch ohne die Fachkenntnis, die von pro-kremlischen Stichwortgebern bereitgestellt wird. Anna Politkowskaja, Boris Nemzow, Natalia Estemirowa, Juri Schtschekotschichin, Sergei Magnitski – das sind nur einige prominente Politiker, Journalisten, Aktivisten und Whistleblower, die wegen ihres Widerspruchs getötet und ermordet wurden. Manche sind im Ausland umgekommen: Pawel Scheremet in Kyjiw, Alexander Litwinenko in London. Andere wurden inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Immer noch lustig? Ha ha?
