Mike und Nick gegen den knallharten Lukaschenko
Aljaksandr Lukaschenka erklärte kürzlich, er habe Beweise dafür, dass westliche Mächte sowohl hinter dem Fall Nawalny als auch hinter den Protesten in Belarus stünden. Am 4. September veröffentlichten die belarussischen Sicherheitsdienste, der KGB (ja, KGB), eine Audioaufnahme eines streng geheimen Gesprächs zwischen Offizieren der deutschen und polnischen Spezialeinheiten, in dem Details zur Nawalny-Vergiftung besprochen und angemerkt wurden, dass sich Lukaschenka als harte Nuss erweise.
Das Gespräch wurde am Freitag im belarussischen Staatsfernsehen mit einer russischen Voice-over-Stimme öffentlich gemacht und hat eine Lawine von Witzen und Gelächter in russischen und belarussischen sozialen Medien ausgelöst.
Eine harte Nuss
Der Dialog klingt sehr nach etwas aus billigen Spionagefilmen, schlecht ins Russische synchronisiert, und die Verzweiflung der „Offiziere“ über Lukaschenkas Fähigkeit, die Proteste zu überstehen, erweckt den Eindruck, der KGB wolle sich beim Chef einschmeicheln.
Berlin: Wie läuft es bei euch in Belarus?
Warschau: Ehrlich gesagt, nicht sehr gut. Präsident Lukaschenko hat sich als harte Nuss erwiesen. Sie sind professionell und gut organisiert. Die Beamten und das Militär sind dem Präsidenten loyal. Wir arbeiten daran. Den Rest erzähle ich dir, wenn wir uns treffen; das ist nichts, worüber man am Telefon spricht.
Die Beamten auf dem Mitschnitt, die angeblich deutsche und polnische Spezialkräfte repräsentieren, heißen „Mike“ (aus Warschau) und „Nick“ (aus Berlin); beides Namen, die weder besonders polnisch noch besonders deutsch klingen, aber wiederum einen gewissen Actionfilm-Klang haben. Das obige Zitat, das Lukaschenka als „eine harte Nuss“ bezeichnet, ist eine direkte Anspielung auf das Bruce-Willis-Franchise Die Hard: auf Russisch „Krepky Oreshek“ – eine harte Nuss.
Der Kreml wenig beeindruckt
Lukaschenka erhob seine Behauptung, er habe Beweise dafür, dass die Nawalny-Vergiftung vorgetäuscht sei, in einem Gespräch mit dem russischen Premierminister Michail Mischustin. Offensichtlich in dem Versuch, Moskau zu gefallen und Solidarität mit dem Kreml im Gefolge des Berichts aus Deutschland zu demonstrieren, der den Verdacht bestätigte, dass Nawalny Opfer eines Angriffs mit einem militärtauglichen giftigen Stoff aus der Nowitschok-Gruppe geworden ist. Den Kommentaren kremlnaher Medien nach zu urteilen, hat die Amateurhaftigkeit des belarussischen KGB nicht beeindruckt. Das wichtigste russische Staats-Sprachrohr im Ausland, RT.com, hat es vermieden, diese „sensationelle Enthüllung“ zu erwähnen.
Wladimir Solowjow, einer der führenden Propagandisten des russischen Staatsfernsehens, kommentiert die Aufnahme sehr knapp:
Ehrlich gesagt bin ich von dem abgehörten Telefongespräch, das gestern von Minsk veröffentlicht wurde, überhaupt nicht beeindruckt.
Die kremltreue Online-Nachrichtenagentur Lenta.ru hat eine Sammlung von Memes veröffentlicht, die sich über Lukaschenka und den „Abfang“ lustig machen und Fotomontagen zeigen, in denen Bruce Willis durch den bedrängten Lukaschenka ersetzt wurde.
Kein Grund zum Lachen
Die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti sah sich veranlasst, eine formelle Dementi-Erklärung zu veröffentlichen von zwei russischen Komikern, die dafür bekannt sind, Telefonstreiche zu machen:
Die russischen Spaßvögel Wladimir Kusnezow (Wowan) und Alexej Stoljarow (Lexus) erklärten gegenüber RIA Novosti, dass sie nicht an dem Gespräch zwischen Berlin und Warschau beteiligt seien, das vom belarussischen Geheimdienst abgefangen wurde.
Es scheint offensichtlich, dass Lukaschenkas Versuch, Moskau zu gefallen, nach hinten losgegangen ist, und der belarussische Präsident ist nun zum Gespött der ganzen Welt geworden. Dennoch ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass Lukaschenka einen mächtigen Polizeiapparat kontrolliert und die Bereitschaft gezeigt hat, mit brutaler Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten vorzugehen. Wenn der belarussische KGB eine eklatante Unfähigkeit bei der Fälschung von Dokumenten gezeigt hat, sind seine Fähigkeiten und seine Raffinesse, wenn es um repressive Gewalt geht, offensichtlich. Nichtsdestotrotz – das belarussische Volk setzt seinen Kampf fort für seine Rechte.
