Nein, Island wird dich nicht dafür bezahlen, einen Isländer oder eine Isländerin zu heiraten
„Es hat keine Programme in Island gegeben, es gibt keine und es wird keine geben, die Eheschließungen mit in Island ansässigen Personen finanzieren und anschließend den Erwerb der Staatsbürgerschaft ermöglichen.“
Diese ziemlich merkwürdige Mitteilung erschien am 23. November auf dem Facebook-Profil der isländischen Botschaft in Moskau. Der Hintergrund des Updates ist ein Gerücht, das in russischen Online- und sozialen Medien großer Beliebtheit erfreut.
Eine Google-Suche auf Russisch mit den Schlüsselwörtern „Island“, „Heirat“ und „5000“ zeigt eine hohe Anzahl an Treffern, von denen die meisten zu Behauptungen in vielen verschiedenen randständigen Online-Medien (z. B. Pravda.ru) und in sozialen Medien führen, wonach Island angeblich ein Gesetz eingeführt habe, das ausländischen Männern 5.000 USD dafür zahlt, isländische Frauen zu heiraten, aufgrund einer angeblichen Unterrepräsentation von Männern in der isländischen Bevölkerung.Einige der Berichte erläutern auch, dass Männern nordafrikanischer und nahöstlicher Herkunft der Vorzug gegeben wird.
Die Geschichte ist auch auf Englisch und in anderen Sprachen zu finden, wie das isländische englischsprachige Medium Iceland Review bereits im Juli 2016 berichtete und dabei auf eine Publikation auf Isländisch von Mbl.is verwies, in der das isländische Außenministerium mit der Aussage zitiert wurde, dass es bis zu diesem Zeitpunkt zwischen 30 und 40 Anfragen von interessierten internationalen Heiratskandidaten erhalten habe.
Im Kontext pro-kremlischer Desinformation wird die Geschichte dadurch verstärkt, dass sie gleichzeitig zwei unterschiedliche Narrative über den Westen miteinander kombiniert, über die wir bereits früher berichtet haben, nämlich den angeblichen Zerfall westlicher Gesellschaften unter dem Druck der Migration sowie den angeblichen moralischen Zerfall dieser Gesellschaften infolge toleranter und liberaler Ansichten über Beziehungen zwischen Menschen.