Theorien über die Impfung von Präsidenten
Russlands staatliche Nachrichtenagentur Sputnik schießt gegen Litauens Ex-Präsidentin Dalia Grybauskaitė – dem Medium zufolge gibt es Gründe zu glauben, dass ihre Impfung vorgetäuscht gewesen sei.
Sputniks Behauptungen wurden umgehend von litauischen Journalisten widerlegt, und der Fall wurde in die EUvsDisinfo-Datenbank aufgenommen. Frau Grybauskaitė erhielt eine zweite Dosis des Pfizer-Impfstoffs. Doch das Kreml-nahe Medium hält absichtlich an der falschen Behauptung fest. Sputnik widmet dem Thema „Fassaden“ in der litauischen Politik einen 900 Wörter langen Beitrag. Sputnik schreibt:
Fassaden sowie Glocken und Blendwerk sind im litauischen politischen Theater häufig.
Sputnik versucht, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Litauen allgemein anzugreifen, die westlichen Impfstoffe anzugreifen und Dalia Grybauskaitė anzugreifen. Die frühere litauische Präsidentin ist seit Langem ein „Lieblings“-Ziel der pro-kremlischen Lügner: weitere Beispiele hier und hier.

Offensichtlich ist es zu viel verlangt, von einem Medium, das von seinem Chefredakteur beschrieben wird als eine „Waffe in einem Informationskrieg“, irgendetwas zu erwarten, das der Wahrheit auch nur annähernd ähnelt.Das Weitergeben korrekter Informationen ist nicht die Mission von Sputnik.
Eine globale Herausforderung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde in ähnlicher Weise angegriffen. Der russische Staatssender unterstellte, der Präsident habe die Impfung in eine Show verwandelt und lediglich eine Vitaminspritze bekommen.
Die COVID-19-Pandemie ist eine globale Herausforderung, und ein zentrales Element im Kampf gegen die Krankheit ist die Impfkampagne. Russland verkündete Anfang August letzten Jahres stolz, russische Wissenschaftler hätten erfolgreich einen wirksamen Impfstoff entwickelt und getestet. Gute Nachrichten, ohne Zweifel. In einer solchen Situation gilt: „Alle müssen mit anpacken“. Die Europäische Arzneimittelagentur prüft derzeit die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs. Sollte er zugelassen werden, wäre das ein wertvoller Beitrag zum Kampf gegen die globale Bedrohung durch COVID-19.
Der Kreml vermarktet seinen Impfstoff aggressiv, hat die Russinnen und Russen bislang jedoch nicht überzeugen können. Eine Umfrage des unabhängigen Levada-Meinungsforschungsinstituts, die Anfang März vorgestellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass 62 Prozent der Russinnen und Russen die Frage, ob sie bereit seien, den Impfstoff Sputnik V zu nehmen, mit „Nein“ beantworten. Unter den Einwohnerinnen und Einwohnern unter 24 Jahren liegt die Impfskepsis bei erstaunlichen 75 Prozent.
Für den Impfstoff werben
Für den Impfstoff zu werben ist ein wichtiges Element der Gesundheitskampagne.Dass führende Politiker und Influencer sich impfen lassen, stärkt die Kampagne. US-Präsident Joe Biden, Königin Elizabeth, UN-Generalsekretär Guterres und die Country-Sängerin Dolly Parton haben alle öffentlich demonstriert, wie sie sich den Piks geben ließen. Russlands Präsident Putin hat sich ebenfalls impfen lassen, zeigte jedoch eine unerwartete Scheu vor der Kamera und weigerte sich, weder Bilder noch Details dazu zu teilen, welchen Impfstoff er genommen hat. Aber vielleicht steckt in seiner Aussage vom Februar ein Hinweis:
Ich will nicht den Affen machen und mich vor den Kameras impfen lassen.
Bezieht sich Herr Putin auf die AstraZeneca-Impfung? Der russische Staats-Überpropagandist par excellence, Dmitri Kisseljow, hat den schwedisch-britischen Impfstoff als Den Affenimpfstoff bezeichnet? Vielleicht hat der russische Präsident ja eine Schwäche für schwedische Sachen? Nur wenige Tage zuvor posierte der russische Präsident eifrig vor einem schwedischen Panzermodell von Hägglunds. Ein Zufall? Wir werden es nie erfahren.
Der Präsident fühlt sich laut dem Pressedienst des Kremls nach der Impfung gut.Als russische Reporter den Kremlsprecher nach Bildern von der Impfung fragten, fiel die Antwort knapp aus:
Sie werden mir wohl glauben müssen
Die Geheimhaltung rund um Putins Impfung wird die Russen wahrscheinlich nicht dazu bringen, sich für die Impfung anzustellen.
