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Warum ist ein russischer Militärkommentator so besessen vom Präsidenten Litauens?

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Igor Korotschenko ist ein lautstarker Befürworter der russischen Militärindustrie. Er ist Chefredakteur einer großen Fachzeitschrift für Verteidigung und ein häufiger Gast in Talkshows auf TV-Sendern mit starken Verbindungen zum Kreml. Er hat Wahlkampf geführt, um für die nationalistische Rodina-Partei ins russische Parlament gewählt zu werden. Er ist ein eifriger Twitter-Nutzer mit mehr als 100 000 Followern. Und er scheint von Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė besessen zu sein.

An einem einzigen Tag, dem 16. Januar, veröffentlichte Herr Korotschenko nicht weniger als 13 (dreizehn!) Tweets, die Präsidentin Grybauskaitė gewidmet waren. Die Präsidentin wird dabei gezeigt, wie sie eine Militäreinheit in Litauen inspiziert; die Bildunterschriften von Herrn Korotschenko haben einen ironischen Ton: Dalia Grybauskaitė kommt mühelos mit jeder Art von Waffe zurecht; “Peng, ich schieße!” Grybauskaitė ist sogar mit Panzerabwehrraketen per Du und erwartet die Angriffe der Armata-Panzer aus Russland; sie bevorzugt Blankwaffen. So geht es weiter. Dreizehn Tweets vom gleichen Typ. Alle zielen auf eine europäische Führungspersönlichkeit ab, die Präsidentin eines Nachbarlandes.

Die Tweets von Herrn Korotschenko

Und russische nationalistische Zeitungen haben die Kampagne von Herrn Korotschenko aufgegriffen, zumal sich Korotschenkos Follower mit abfälligen Kommentaren über die Präsidentin Litauens beteiligten.Die Website Tsargrad zitiert bereitwillig die aggressivsten Stimmen und konzentriert sich dabei insbesondere auf die Tatsache, dass die litauische Präsidentin in der UdSSR geboren wurde und dort aufgewachsen ist. In der Logik des russisch-nationalistischen Diskurses ist sie daher eine Verräterin. Korotschenko versucht sogar, sie zu verleumden, indem er ihr eine Vergangenheit beim KGB andichtet.

Präsidentin Grybauskaitė hat – wie viele andere europäische Staats- und Regierungschefs – Russlands illegale Annexion der Krim und seine Rolle in der Ostukraine sehr kritisch beurteilt, und es überrascht nicht, dass sie dadurch die Aufmerksamkeit russischer Nationalisten auf sich zieht. Die Verleumdung von Dissidenten und Oppositionsführern ist ein grundlegendes Element im rhetorischen Werkzeugkasten des Kreml, doch wenn es um weibliche Führungspersonen geht, kommt auch ein starkes Element der Misogynie hinzu. In der Kreml-Propaganda werden weibliche Führungspersönlichkeiten wie Angela Merkel, Theresa May und Dalia Grybauskaitė auf eine Weise lächerlich gemacht, wie man es bei männlichen Führungspersonen nur selten sieht.

Was also bringt einen russisch-nationalistischen Kommentator dazu, von einer weiblichen Führungsperson besessen zu sein? Dies ist offensichtlich nicht der erste Angriff auf Präsidentin Grybauskaitė. Disinfo Review hat ähnliche Versuche bereits früher beobachtet; die Lügen von Herrn Korotschenko sind eher alter Hut. Ihr wurde schon zuvor vorgeworfen, eine Washington-Agentin und eine Agentin des KGB zu sein – Behauptungen, die sich leicht widerlegen lassen.

Russland hat tatsächlich eine starke und stolze Tradition des Feminismus.Russland war 1917 eines der ersten Länder in Europa, das Frauen das Wahlrecht gewährte. Es war das erste Land der Welt, das eine militärische Kampfeinheit aufstellte, das Frauenbataillon des Todes. Unter seinen Revolutionärinnen findet man mehrere starke Frauen: Vera Sassulitsch, Alexandra Kollontai, Inessa Armand. Der Kampf für Frauenrechte war ein starkes Element in der revolutionären Bewegung.

Kurz nach der Revolution jedoch hörten Frauenrechte für die Bolschewiki auf, eine Priorität zu sein, und schließlich wurde der Feminismus als bürgerliche Ideologie gebrandmarkt. Frauen wurden aus den meisten Entscheidungsprozessen verdrängt; ihnen wurde erlaubt, harte körperliche Arbeit zu leisten, sie wurden gezwungen, Familie und Haushalt zu managen, zugleich aber im Allgemeinen von Karriere, Einfluss und der Möglichkeit der Selbstbestimmung ausgeschlossen. Die sowjetische Ideologie trug einen Anschein von Geschlechtergleichheit, versuchte jedoch auf viele Arten, Frauen zu unterdrücken.

In der heutigen Kreml-Rhetorik ist Männlichkeit ein Schlüsselelement. Europa ist verweichlicht und schwach. Viktor Machrowski, Kolumnist der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, erklärt stolz, dass Russland sich durchsetzen werde, da es im Westen keine echten Männer mehr gebe.

Korottschenkos Tirade gegen Grybauskaitė passt gut in diese Vorstellung. Frauen sollen nicht stark sein, Frauen sollen nicht Oberbefehlshaberinnen sein.Von Frauen wird erwartet, ruhig und fügsam zu sein, und Igor Korotschenko greift Frauen an, die seine Stereotype infrage stellen.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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