Und der Oscar für Faktenprüfung geht an …
Russische Filmemacher waren bei der diesjährigen Oscar-Verleihung nicht erfolgreich. Es hätte anders sein können, wenn kremlnahe Medien Teil des Wettbewerbs gewesen wären. Ihre Ideen sind mindestens genauso kreativ wie die besten Produkte aus der Traumfabrik.
Wenn es eine solche Kategorie gäbe, würde der Oscar für den Fantasyfilm an jene kremlnahen Medien gehen, die eine Geschichte über Polen beim Aufbau eines Imperiums erzählten, das sich vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer erstreckt. Um das zu erreichen, müsste Polen zunächst die Ukraine zum Zusammenbruch bringen, ihren westlichen Teil schlucken und außerdem eine militärische Intervention in Belarus organisieren. In diesem Film würde Polen Nazis in der Ukraine unterstützen und alles tun, damit die Ukraine zerfällt. Im Verlauf des Films erfahren wir, dass die angeblichen polnischen Pläne, den Osten zu übernehmen, Teil eines größeren westlichen Konzepts sind, Russland einzukreisen und/oder einen Krieg zu beginnen gegen das Land. Falsche Narrative wie diese verdienen einen falschen Oscar dafür, historische Präzedenzfälle auszunutzen, um Konflikte unter Nachbarn zu entfachen und Kontroversen anzuheizen.
Bester Nicht-Dokumentarfilm
Der Preis für den besten nicht-dokumentarischen Spielfilm geht an die Geschichte ohne jegliche dokumentierte Belege. Laut einem der desinformierenden Medien unterstützt Lettland barbarische Walfänge, indem es Walfleisch aus Norwegen kauft.Die öffentlich zugänglichen Daten zum Handel wurden hier einfach ignoriert.

Beste Filmmontage
In der Welt der Desinformation würde ein Oscar für die beste Filmmontage an RT für einen Beitrag über Venezuela und seinen Supermarkt gehen, der voller Produkte ist, die den Bürgern zur Verfügung stehen. Das Video zeigt einen Supermarkt in einem gehobenen Viertel in Caracas und soll uns davon überzeugen, dass Nahrungsmittelknappheit in Venezuela nur eine Erfindung der westlichen Mainstream-Medien ist. Es fügt sich auch in ein weiteres desinformierendes Narrativ ein, das die Hilfe aus dem Westen als Mittel beschreibt, um eine ausländische militärische Invasion vorzubereiten. Solche Botschaften wurden in mehreren Sprachen beobachtet, in denen RT tätig ist (Englisch, Spanisch und Russisch). Laut RT hungern die Menschen in Venezuela nicht – eine interessante Verschiebung in der Berichterstattung über die Lage im Land, das zuvor, bis Kundgebungen zur Unterstützung von Juan Guaido begannen, als unter Nahrungsmittel- und Medikamentenmangel leidend dargestellt wurde. Man könnte sich dann fragen, warum Venezuela tatsächlich russische Hilfe angenommen hat.
Bestes adaptiertes Drehbuch
Das Auswahlkomitee war sich hier einig: Der Oscar für das beste adaptierte Drehbuch würde an die Geschichte über Sergej Skripal und seine Tochter Julia gehen, die laut den pro-kremlnahen Medien entweder bereits tot sind oder bald bei einem vom Westen inszenierten „Unfall“ sterben werden.Desinformationsverbreitende Medien setzten dies und andere Narrative über die Skripals fort, selbst nachdem der britische Botschafter in Moskau bestätigt hatte, dass sie am Leben und wohlauf sind. Fast ein Jahr ist seit der Vergiftung der Skripals und einer gewissen berüchtigten Reise russischer „Touristen“ nach Salisbury vergangen – und offenbar bedeutet dies trotz der überwältigend gut belegten Beteiligung Russlands nicht, dass die Desinformationswelle zu diesem Vorfall enden wird. Die Ausdauer der Desinformation in diesem Bereich verdient vielleicht eine weitere Fake-Auszeichnung.
Die Qualität der Desinformationsgeschichten ist weit entfernt von den großartigen russischen Filmen „Leviathan“ oder „Loveless“, die in den letzten Jahren für echte Oscars nominiert waren. Aber Sie können selbst urteilen, indem Sie sich die gesamte Fallsammlung in unserer Datenbank ansehen.