Und du bist auch ein Nazi!
Die kremlnahen Medien haben große Freude daran, anderen vorzuwerfen, sie seien Nazis. Am häufigsten richtet sich diese Beleidigung gegen die Ukrainer und die Menschen in den drei baltischen Staaten. Doch praktisch alles und jeder, der den Interessen des Kremls entgegensteht, kann als „Nazi“ bezeichnet werden, z. B. der antisowjetische Aufstand in Ungarn im Jahr 1956. Zuletzt wurde die neue Außenministerin Kanadas in kremlnahen Medien beschuldigt, die Tochter eines Nazi-Kollaborateurs zu sein http://bit.ly/2jILWu6. Frau Freeland ist übrigens eine prominente Kritikerin Russlands http://bit.ly/2jaCX4U.
Neben Kanada wurden auch das Vereinigte Königreich und Deutschland in desinformationsorientierten Medien thematisiert. Dem britischen Geheimdienst wurde im Hauptabendprogramm des russischen Staatsfernsehens vorgeworfen, „die amerikanische Demokratie, moralische Kodizes und den Ruf“ zu „zerstören“ http://bit.ly/2kiOhem.
Was Deutschland betrifft, war das Ziel erneut eindeutig Angela Merkel. Breitbart stellte http://bit.ly/2j5PXXI die Umfragen vor der deutschen Wahl falsch dar und behauptete, die Partei der Kanzlerin sei im Rückgang, während die einwanderungskritische Partei ihren Anteil in den Umfragen im Vergleich zur Realität beinahe verdoppelt habe http://bit.ly/2jpnX24.
Außerdem gab es Berichte, der deutsche Botschafter in der Ukraine habe Präsident Poroschenko einen Brief geschickt und ihn unter Druck gesetzt, den Donbass an Russland zu übergeben http://bit.ly/2jQ82gq.Diese Berichte waren genauso gefälscht wie der Brief http://bit.ly/2kjwDHr.

Geschichte in Überarbeitung
In der vergangenen Woche haben wir in kremlfreundlichen Medien einige kreative Versuche gesehen, die Geschichte anzupassen. So wurde beispielsweise behauptet, Präsident Putin habe niemals Krieg gegen Tschetschenien und die Tschetschenen geführt, sondern habe in Wirklichkeit gegen vom Westen finanzierte internationale Terroristen gekämpft und das tschetschenische Volk von deren zerstörerischem Einfluss und ihrer Gewalt befreit (unsere Tabelle legt hierzu einige Belege von Amnesty International vor, die dem widersprechen) http://bit.ly/2iJiS8K.
Es wurde außerdem behauptet, die UN hätten Russland 2014 das Recht eingeräumt, die Ukraine zu beschlagnahmen http://bit.ly/2k7zLHh – widerlegt durch die Resolution 68/262 der UN-Generalversammlung, die Russlands illegale Handlungen in der Ukraine verurteilte und von 100 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen unterstützt wurde, wobei nur 10 dagegen stimmten http://bit.ly/1RZGnjo. Auf Ren TV erfuhren wir außerdem, dass eine Reihe europäischer Städte vom alten Russland gegründet worden seien und dass auch Sanskrit aus dem Russischen entstanden sei.Es gab jedoch keine neuen historischen Belege, die diese Behauptungen hätten untermauern können http://bit.ly/2kjcmGj.
Mit dem Finger auf die Ukraine zeigen
Unterdessen blieb die Desinformation über die Ukraine eine weitere Woche lang im Fokus, parallel zu der Warnung der OSZE-Sonderbeobachtermission, dass die Gewalt wieder zunimmt http://bit.ly/2j9BJ8q. Wir haben zuvor über den Zusammenhang zwischen einem erhöhten Gewaltlevel und einer großen Menge an Desinformation berichtet http://bit.ly/2hrUtDG.
Dieses Mal wurde der Ukraine vorgeworfen, auf der Krim vor der russischen illegalen Annexion Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben (obwohl Human Rights Watch über den Rückgang beim Schutz der Menschenrechte seit der Annexion berichtet http://bit.ly/1RolEeE).Es wurde außerdem behauptet, dass militärische Ausbilder, die zuvor Daesh in Syrien ausgebildet hatten, nun eingetroffen seien, um die ukrainischen Streitkräfte auszubilden http://bit.ly/2j4sshX (wobei ein älteres Stück Desinformation wiederholt wurde, das versucht, Daesh und die ukrainische Armee miteinander in Verbindung zu bringen); und dass die Regierung der Ukraine illegal die Kontrolle über ihr eigenes Staatsgebiet übernommen habe http://bit.ly/2jgM7hF.
Wie üblich wurden keine Beweise zur Untermauerung der Behauptungen vorgelegt, einschließlich der Frage, wie eine demokratisch gewählte Regierung illegal die Kontrolle über ihr eigenes Staatsgebiet übernehmen kann.
In der Vorwoche gemeldete Desinformationsfälle