Aber was ist mit der Ukraine?
Was ist der beste Weg, um zu vermeiden, eine schwierige Frage zu beantworten? Indem man selbst eine andere schwierige Frage stellt? Das war die Taktik, die der russische Präsident Wladimir Putin vergangenen Donnerstag anwandte, als er gefragt wurde, warum es für Oppositionskandidaten so schwierig ist, in Russland für das Präsidentenamt zu kandidieren. Die Frage-Antwort des Präsidenten lässt sich auf „Aber was ist mit der Ukraine?“ reduzieren.
Genauer gesagt lautete Präsident Putins Antwort: „Wollen Sie, dass Leute wie Saakaschwili die Lage im Land destabilisieren? Wollen Sie, dass wir von einem Maidan zum nächsten leben?“
Die Frage war von der Journalistin und Oppositionspolitikerin Ksenia Sobtschak gestellt worden, die selbst erklärt hat, dass sie versuchen wird, für das Präsidentenamt zu kandidieren bei den Wahlen im März. In ihrer Frage sprach Frau Sobtschak auch den Fall eines weiteren Oppositionskandidaten an, Alexej Nawalny, sowie die Tatsache, dass die russischen Behörden Strafverfahren gegen ihn fingiert haben, um seine Chancen auf eine Kandidatur zu untergraben, wie im Oktober vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anerkannt wurde.
„Whataboutism“ ist ein rhetorischer Trick, der zentral für die kremlfreundliche Propaganda ist. Präsident Putin vermeidet es, die wichtige Frage zu beantworten, indem er die Aufmerksamkeit auf Ereignisse außerhalb Russlands lenkt.Der Trick entspricht dem dritten der vier D’s in Ben Nimmo’s 4D approach – dismiss, distort, distract and dismay (siehe auch unser neues Video über die vier D’s). Die Taktik, Aufmerksamkeit abzulenken, macht „Whataboutism“ zudem eng verwandt mit einem weiteren pro-kremlischen Klassiker, nämlich der Behauptung „Russophobia“.
Der russische Karikaturist Sergey Elkin erstellte den untenstehenden Kommentar zur Pressekonferenz des Präsidenten, in dem er ihn mit einer ähnlichen „whataboutistischen“ Ukraine-bezogenen Aussage zitiert, die während derselben Pressekonferenz gemacht wurde: „Möchten Sie, dass Dutzende solcher ‚Saakaschwilis‘ auf unseren Plätzen herumlaufen?“ – und zeigt Alexey Navalny, der Saakaschwilis Gesicht in einem Spiegel sieht (veröffentlicht vom russischen Dienst von RFE/RL).
