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Der „Russophobie“-Mythos: Appell an die niedrigsten Gefühle

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Wenn es ein Wort gibt, das das Signal sendet, dass ein Medienhaus eindeutig pro-Kreml ist, dann ist es „Russophobie“. Medien wie RT, Sputnik und das russische nationale Staatsfernsehen verwenden den Begriff, um fast jede ausländische Kritik an der Politik des Kremls wegzuerklären.

„Russophobie“ kann überall auftauchen – ob es um Syrien, das Vereinigte Königreich, die EU, die Ukraine oder im Grunde jeden Ort der Welt geht. Im vergangenen Monat wurde das Wort sogar von Präsident Putin verwendet, als er „Russophobie“ im Westen mit Antisemitismus verglich.

Kritik ablenken

Aber was ist dieses Ding namens Russophobie? Der Begriff suggeriert eine grundlegende Abneigung gegen Russland oder Russen. Indem pro-kremlische Propaganda-Medien westliche Gesellschaften der „Russophobie“ beschuldigen, stufen sie Kritik an der Politik und den Handlungen des Kremls zu etwas angeblich Irrationalem herab, das keine ernsthafte Antwort verdient. Gleichzeitig versucht der Begriff, den Spieß gegen den Westen umzudrehen, der in pro-kremlischen Medien oft als ein Ort dargestellt wird, an dem der Kampf gegen Intoleranz zu weit gegangen ist.

Wenn wir das Narrativ der Russophobie akzeptieren, wird plötzlich der Westen intolerant – und nicht pro-kremlische Medien, etwa mit ihrer bedauerlichen Verwendung von homophober, sexistischer, rassistischer und antisemitischer Propaganda.Wie Katri Pynnöniemi vom Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten es ausdrückt: „Der Angreifer wird zum Opfer, und das Opfer wird beschuldigt, den Konflikt begonnen zu haben.“

„Russen wird beigebracht, die Welt um sie herum zu hassen und zu fürchten“

Letzte Woche wurde in einem in RBC, einem der führenden unabhängigen Nachrichtenportale Russlands, veröffentlichten Meinungsbeitrag die Behauptung infrage gestellt, Russophobie sei ein ernstes globales Problem. Vladislav Inozemtsev, ein prominenter Kommentator und Oppositionspolitiker, kritisierte pro-kremlnahe Medien und die Kommunikationsakteure der russischen Regierung für die Verwendung dieses Begriffs unter der Überschrift „‚Russophobie‘ auf dem Vormarsch: Wie Russlands Behörden sich von einer falschen Vorstellung mitreißen ließen“. Laut Herrn Inozemtsev besteht das Hauptproblem dieses Wortes darin, dass es eine Gleichsetzung zwischen dem Staat und dem Volk herstellt.

Darüber hinaus sieht Herr Inozemtsev das Phänomen als ein Zeichen eines wichtigen Unterschieds zwischen moderner Kreml-Propaganda und sowjetischer Propaganda: „Heute appellieren die russischen Behörden an die niedrigsten, nationalistischen Gefühle ihrer eigenen Bürger“, schreibt er. „Sie versuchen zu beweisen, dass der Westen sich Russland nicht politisch und ideologisch entgegenstellt, sondern nahezu den ‚Hass auf Slawen‘ wiederbelebt, der ein Teil des Dritten Reichs war.“[Die sowjetische Propaganda] stützte sich auf den Gegensatz zwischen ehrlichen und hart arbeitenden Bürgern westlicher Länder und der kapitalistischen Elite, korrupten Politikern sowie dem militärisch-industriellen Komplex. Nun sind diese Unterschiede verschwunden: Der Westen wird als eine seelenlose Gesellschaft beschrieben, die ihre moralischen Grundlagen verliert […] Russen wird beigebracht, die Welt um sie herum zu hassen und zu fürchten, und deshalb erzählen Politiker in Moskau diese Geschichten darüber, dass die umgebende Welt Russen nicht möge.”

Keine „Russophoben“ auf den Straßen von Brüssel

Im vergangenen Jahr gingen wir auf die Straßen von Brüssel und befragten Menschen zu ihrer Haltung gegenüber Russland und Russen. Unser Versuch, den Mythos der Russophobie zu widerlegen, zeigte nicht nur, dass EU-Bürger positiv über Russland und Russen sprechen, sondern auch, dass sie klar zwischen Russland und dem russischen Volk einerseits und politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierungen andererseits unterscheiden.Das Video erfreute sich bei russischsprachigen Facebook-Nutzern großer Beliebtheit mit mehr als 100.000 Aufrufen und wurde von vielen russischsprachigen Nutzern geteilt, die in der EU leben.

Weiterführende Lektüre:

– „Russophobie in der Strategie des Kremls: Eine Waffe der Massenvernichtung“ von Jolanta Darczewska und Piotr Zochowski (Osrodek Studiow Wschodnich) [PDF]: https://www.osw.waw.pl/sites/default/files/pw_56_ang_russophobia_net.pdf

– „Fog of Falsehood“ von Katri Pynnöniemi und András Rácz (The Finnish Institute of International Affairs), Kapitel 4: Die Metanarrative der russischen strategischen Täuschung, Abschnitt 4.2 Begriffe der Ablenkung: Provokation, humanitärer Konvoi, Russophober (S. 75–78): http://www.fiia.fi/en/publication/588/fog_of_falsehood/

– Ben Nimmos Infografik, die zeigt, wie „Russophobie“ in offiziellen Stellungnahmen erst nach Russlands Annexion der Krim stark verwendet wurde: https://twitter.com/benimmo/status/809685455209922560

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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