„Bestattungsteams für NATO-Soldaten“ – eine Woche der desinformativen Panikmache, Übertreibung und Verhöhnung
Als NATOs große Übung Trident Juncture 2018 in dieser Woche zu Ende ging, reagierte pro-kremlische Desinformation wenig überraschend schnell. Vor zwei Wochen haben wir drei unterschiedliche Wege hervorgehoben, auf denen pro-kremlische Desinformation versucht, das öffentliche Vertrauen in die EU und die NATO zu untergraben. Diese Woche schauen wir uns an, wie Russlands Desinformation auf diese Übung reagierte.
Desinformation zielte darauf ab, ein Bild der NATO und des Westens als Feind zu schaffen – als eine aggressive militärische Supermacht, die seit Jahren daran arbeitet, Russland zu zerschlagen. Wir hörten, dass die USA seit dem Jahr 2000 einen Krieg gegen Russland vorbereitet hätten, und dass diese spezielle NATO-Übung ein Schritt von der Theorie zur Praxis gewesen sei – siehe stattdessen hier einige Informationen über die Versuche der EU, der NATO und des Westens, in den Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine Zusammenarbeit mit Russland aufzubauen.
Die frühere Desinformation über westliche Bestrebungen, neue Gebiete in der Arktis zu erobern, wurde weiterentwickelt – mit Behauptungen, wonach das Ziel von Trident Juncture darin bestehe, Russland an der Nutzung der Nordostpassage zu hindern.Lesen Sie die Fakten hier.
Russophobie – schon wieder
Das Verbreiten widersprüchlicher Botschaften ist eines der Kernmerkmale pro-kremlischer Desinformation. So verwandelte sich das Bild des Westens als militärischer Aggressor auch in das Bild eines überholten Bündnisses, das durch interne Spaltungen gelähmt ist. Desinformation wurde darüber verbreitet, dass Deutschland zögere, Schulter an Schulter zu stehen mit dem Rest der NATO, und dass Norwegen riskierte, seine Unabhängigkeit zu verlieren und ganz zu verschwinden, weil es sich dafür entschieden hatte, diese Übung auszurichten.
Die Prägung des Bildes des Westens als Feind kulminierte in offener Verhöhnung. Wir sahen – wieder einmal –, wie desinformationsorientierte Medien Botschaften verbreiteten wie „schweres Wetter vermasselt russophobe Übung“, und wie „NATO-Soldaten in einer Übung gegen Russland erneut verstümmeln“. (Im letzten Jahr sahen wir Behauptungen, dass „Massen von NATO-Supermännern an der russischen Grenze verletzt werden“).
Neben dem Lächerlichmachen besteht ein typisches Desinformationsmuster darin, zu drohen.Wir haben also im russischen Fernsehen direkte Drohungen gehört, wie „Russland muss Bestattungstrupps aufstellen und alle NATO-Soldaten begraben”.
Wie wirksam ist es, Desinformation zu widersprechen?
.@RussianEmbassy Get your facts right.
The #NATO battlegroups in #Estonia, #Latvia, #Lithuania & #Poland include under 5,000 troops – defensive, rotational & transparent. It’s all on our website so #StopFakingNews.https://t.co/fKG2SaGNnD— Farah Dakhlallah (@NATOpress) November 4, 2018
Am 3.rd November verbreitete die russische Botschaft in Großbritannien einige fingierte Zahlen, um angebliche NATO-Aggression an Russlands Grenzen hervorzuheben. Der Tweet erzielte 720 Shares und Kommentare – allerdings kaum ein Grund zum Feiern für das Social-Media-Team der Botschaft: Zwei Drittel der Erwähnungen waren Widerlegungen.
Nur ein Drittel bestand aus unkritischen Retweets von Desinformation. Mehr noch: Die Widerlegungsbotschaften erzielten insgesamt 1,6 Millionen Twitter-Impressions, während die Desinformationsbotschaft auf 630.000 kam.
Die Niederlage der Desinformation war vor allem der NATO-Sprecherin Oana Lungescu zu verdanken, die zurückwies, indem sie auf Twitter schlicht Fakten lieferte, aber auch vielen einzelnen Nutzern, die die russische Botschaft in die Enge trieben.

Diese Woche war es außerdem wieder Zeit für einige gute alte historische Verschwörungen. In dem Versuch, Russlands Verantwortung für die Vergiftung von Sergei und Yulia Skripal zu überdecken, nutzt das russische Fernsehen weiterhin jede Gelegenheit, den anderen vorzuwerfen, dasselbe zu tun.Häufig scheinen diese Desinformationsbemühungen nach hinten loszugehen, und so war es auch diesmal. Ein Kommentator verkündete, Vergiftungen seien seit mehreren Jahrhunderten eine Spezialität der britischen Geheimdienste. Sein „Beweis“ sei gewesen, dass bereits im 16. Jahrhundert britische Ärzte Iwan den Schrecklichen und seinen Sohn Iwan vergiftet hätten. Siehe die Fakten hier.

Irgendwie scheint es, dass die russischen realistischen Künstler bereits im 19. Jahrhundert besser informiert waren als die heutigen russischen TV-Kommentatoren. Es wäre keine schlechte Idee, sich Ilja Repins Gemälde Iwan der Schreckliche und sein Sohn Iwan anzusehen, um zu erkennen, dass auf dem Bild keine britischen Ärzte dargestellt sind.