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Der Kreml brüskiert sein eigenes Sprachrohr

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Waffe für Informationskriegführung wird zur losen Kanone

RT wurde 2005 mit dem ausdrücklichen Zweck gegründet, Russlands Perspektive auf Weltereignisse zu vermitteln und ein positives Bild des Landes zu unterstützen. Die Pressemitteilung enthielt eine Missionserklärung:

Der Sender beabsichtigt, Russlands Position zu den wichtigsten Fragen der internationalen Politik widerzuspiegeln und seine Zuschauer über Ereignisse und Vorkommnisse des russischen Lebens zu informieren.

Die Idee war, gegen ein antiquiertes Russlandbild anzukämpfen, das sich um „Kommunismus, Schnee und Armut“ dreht.

Ein Krieger an der Informationsfront

Eine Journalistin aus dem Kreml-Reporterpool wurde mit der Aufgabe als Leiterin des Senders betraut – Margarita Simonyan, die die Aufgabe des Senders als ähnlich der eines Zweigs der russischen Streitkräfte

definierte: „2008 waren wir im Krieg. Das Verteidigungsministerium kämpfte gegen Georgien, aber wir führten den Informationskrieg gegen die gesamte westliche Welt. Es ist unmöglich, mit der Herstellung von Waffen anzufangen, wenn der Krieg ausgebrochen ist! Also ist das Verteidigungsministerium nicht im Krieg, sondern bereitet sich auf die Verteidigung vor. So wie wir.“

Simonyan führte RT von der ursprünglichen Idee weg, „Russisches Leben“ einem internationalen Publikum zu präsentieren.Der Sender änderte offiziell seinen Namen von „Russia Today“ zu „RT“, und Simonyan hat große Anstrengungen unternommen, die Berichterstattung über russische Angelegenheiten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, wobei sie einräumte, dass Russland schlicht niemanden interessiert:

Als wir anfingen, berichteten wir nur über Nachrichten aus Russland. Wir verstanden sehr schnell, dass das eine Sackgasse ist. Nicht viele englischsprachige Menschen wären daran interessiert, tägliche Nachrichten aus Russland zu verfolgen. Zehntausend? Vielleicht fünfzig; vielleicht hunderttausend.

Anstatt zu versuchen, das Bild Russlands auszuschmücken, machte sich Simonyans RT daran, die Außenwelt zu entblößen; insbesondere indem der Westen in dunklen Farben gemalt wurde. RT wurde zu einer Plattform für Verschwörungstheorien und zu einem Vorkämpfer im Kampf gegen alles „woke“.

Zuhause in Russland

Margarita Simonyan ist offensichtlich eine russische Patriotin, trotz ihrer vom US-Außenministerium finanzierten Studien in den Vereinigten Staaten. Kürzlich betrat sie illegal ukrainisches Territorium und gab über RTs offiziellen Twitter-Account eine Erklärung zur Unterstützung des russischen Expansionismus ab:

Die Menschen im Donbass wollen zu Hause leben und Teil unseres großen und großzügigen Mutterlandes sein, und wir sind verpflichtet, das möglich zu machen.Mütterchen Russland, hol den Donbass nach Hause!

Zusammen mit ihrem Ehemann Tigran Keosayan nahm Frau Simonyan an einer Konferenz in Donezk teil, in den von Russland besetzten Teilen der Ukraine. Die Konferenz endete mit einer Erklärung, in der die russische Regierung dazu aufgerufen wurde, praktisch die Hälfte der Ukraine zu annektieren (russische Schreibweise der ukrainischen Bezirke wird in der Übersetzung beibehalten):

Das Volk des Donbass ist ein untrennbarer Teil des russischen Volkes und des historischen Russlands. Zusammen mit den Regionen, die unter ukrainischer Kontrolle stehen – Saporosche, Charkow, Dnepropetrowsk, Cherson, Nikolajew und Odessa – gehören die Volksrepubliken Donezk und Lugansk zur historischen Region Noworossija, einem Gebiet mit russischer ethnischer Zusammensetzung und seit dem 17ten Jahrhundert Teil des Russischen Imperiums. Das Volk ist Teil einer einzigen russischen Nation.

Simonyans Erklärung stellt die offizielle russische Position infrage, und der Kreml hat sich rasch bemüht, auf Distanz zur Chefredakteurin seines offiziellen Sprachrohrs zu gehen. Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa weist darauf hin, dass Frau Simonyan lediglich ihre eigenen Ansichten äußert:

Es ist ihre Sicht, ihre Perspektive und ihre Position.Sie hat dies bereits zuvor in verschiedenen Foren zum Ausdruck gebracht.

Der offizielle Sprecher des Kreml, Dmitri Peskow, verfolgt dieselbe Linie:

Margarita Simonyan ist Medienmanagerin und Journalistin. In keiner Weise bringt sie die offizielle Politik der Russischen Föderation zum Ausdruck. Diese Frage [zur Annexion des Donbas] steht nicht auf der Tagesordnung.

Simonyan wollte eine Waffe zur Verteidigung Russlands sein. Der Kreml betrachtet sie als unberechenbaren Freigeist.

 

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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