Dies ist keine Drohung
„Ich verspreche, in nur ein paar Minuten aus dir ein saftiges Rindersteak zu machen.“
Dies war die Botschaft an den Oppositionspolitiker und Anti-Korruptions-Aktivisten Alexej Nawalny in einer Videobotschaft, die am 11. September vom Chef der russischen Nationalgarde, Viktor Solotow, veröffentlicht wurde, der als ehemaliger Leibwächter von Präsident Putin bekannt ist.
Herr Solotow versprach Herrn Nawalny außerdem „Vergeltung“ und forderte Nawalny auf, ein Duell anzunehmen – als eine Möglichkeit, Vorwürfe wiedergutzumachen, die kürzlich von Nawalnys Anti-Korruptions-Team gegen die Nationalgarde vorgebracht wurden.
Alexej Nawalny wird derzeit im Gefängnis festgehalten; Amnesty International bezeichnet ihn als „einen Gewissensgefangenen“.
Nawalnys Inhaftierung ließ Herrn Solotows Einladung, Meinungsverschiedenheiten in einem fairen und gentlemanlike geführten Duell beizulegen, unglaubwürdig wirken – ein Punkt, der unten vom beliebten russischen Karikaturisten Sergej Elkin für den Russischen Dienst von RFE/RL unterstrichen wurde.
Solotows Videoansprache löste eine Welle von Reaktionen russischer Social-Media-Nutzer mit dem Hashtag #ЗолотовЧеллендж (#ZolotovChallenge) aus.
Der Kommandeur der Nationalgarde wurde beispielsweise vom russischen Bronze-Medaillengewinner der Schwimm-Weltmeisterschaften Viktor Soldatow zu einem Duell im Schwimmen aufgefordert, der in einer vielfach geteilten Videobotschaftsagte zu Zolotov, dass „du neben mir aussehen wirst wie ein Dosenfisch in Tomatensauce.“
Andere Nutzer forderten Zolotov zu einem Duell in einer Kissenschlacht, in Tic-Tac-Toe, in Minecraft; Heroes of Mind and Magic; Pokémon und anderen Computerspielen heraus, wie in einem Artikel aus dem russischen Online-Magazin The Village beschrieben.
Wie wir sahen im Fall von RTs unbeholfenem Interview mit den beiden Salisbury-Verdächtigen, können unbeholfen produzierte Videos und humoristische Reaktionen darauf mitunter als hilfreich aus Sicht pro-kremlnaher Kommunikatoren betrachtet werden; Lachen lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums vom ernsten Hintergrund des Vorfalls ab – in diesem Fall von einem der ranghöchsten russischen Strafverfolger, der einer inhaftierten und damit bereits hilflosen Oppositionsfigur mit Gewalt droht.
Auf die Frage der staatlich kontrollierten RIA Novosti, ob der Kreml Zolotovs Aussage als physische Drohung gegen Nawalny betrachte, lautete die Antwort des Sprechers des Präsidenten, Dmitri Peskow: „Nein, das tun wir nicht.“ Wir haben diese Aussage nun in unsere Datenbank pro-kremlnaher Desinformation aufgenommen.
Titelbild: Eine Online-Karikatur von Herrn Zolotov eines unbekannten Autors, die in russischen sozialen Medien weithin geteilt wurde.
