Ein antiamerikanischer Mitläufereffekt
Diese Woche verlagerte sich der Fokus der kremlfreundlichen Medien auf die USA – weg von Desinformation über die Proteste gegen rassistische Ungerechtigkeit hin zu erfundenen Beschuldigungen anderer angeblicher amerikanischer Verfehlungen weltweit.
Während die USA wegen der anhaltenden Proteste gegen rassistische Ungerechtigkeit, die das Land erfassen, fest im globalen Rampenlicht stehen, nutzen kremlfreundliche Medien diese Gelegenheit zynisch, um das Publikum an ihre liebsten antiamerikanischen Desinformationsnarrative zu erinnern. Eines der ersten Prinzipien von Desinformation besteht darin, sich an Themen und Motive zu hängen, die das Publikum bereits bereit ist zu akzeptieren, und so die Illusion zu erzeugen, dass die Desinformation in einer tieferen, unmittelbareren Wahrheit verankert sei oder dass sie von der öffentlichen Meinung bevorzugt werde. Gruppendenken wird schließlich durch machtvolle soziale Anreize für die Zugehörigkeit zur Eigengruppe motiviert.
Es ist daher wenig überraschend, dass kremlfreundliche Medien den gegenwärtigen Moment wählen, um sich auf die angeblichen Verfehlungen und Misserfolge der USA zu fixieren, und versuchen, Wahrnehmungen über die verschiedenen Spielarten von Amerikas „Bösem“ in der Welt zu verschärfen – und natürlich im selben Atemzug von den eigenen Verfehlungen des Kremls abzulenken. (Moskaus illegale Annexion der Krim? Nein – das war eine „rechtmäßige Wiedervereinigung“.)Die Skripal-Vergiftung durch bestätigte russische GRU-Agenten? Ein „dubioser Spionageskandal“, bei dem anscheinend niemand weiß, was passiert ist. Russlands Hacking des Deutschen Bundestags im Jahr 2015? Keine Beweise!)
Machen wir eine kurze Tour durch die Angriffe dieser Woche gegen die USA.

Zu den Protesten…
Diese Fälle waren größtenteils eine Wiederholung von letzter Woche. Die amerikanische Gesellschaft erlebt einen „systemischen Zusammenbruch“, der schon seit langem im Gange ist, aber nun dank der Demonstrationen offensichtlich geworden ist. Vorab-Lieferungen von Ziegelsteinen zur Verwendung als „Massenvernichtungswaffen“ finden in Städten in den gesamten USA statt. Die Proteste werden für die USA so enden, wie der Euromaidan für die Ukraine endete: in Korruption, Nazismus und Separatismus. Schließlich sind sie nicht mehr als eine „Farbrevolution“ derselben Art, die die USA weltweit unterstützt haben – nur diesmal gefördert von der Demokratischen Partei, Bill Gates und George Soros.Washington bekommt endlich einen Vorgeschmack auf die eigene Medizin – ein Versuch des Regimewechsels, um Präsident Trump aus dem Amt zu drängen!
In den Medien…
Die Entscheidung von Facebook, staatlich geförderte Medienhäuser im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2020 zu kennzeichnen, zog erwartungsgemäß den Zorn der pro-kremlischen Medien auf sich. Die Entscheidung wurde als „anachronistisches Propagandainstrument“ verspottet, gefolgt von Vorwürfen der Zensur und davon, Facebook werde von der CIA kontrolliert. Ironischerweise sahen sich zur gleichen Zeit auch Radio Liberty und Voice of America pro-kremlischen Desinformationsangriffen ausgesetzt; ihnen wurde vorgeworfen, „erbärmliche Propagandisten“ zu sein und überhaupt nichts mit Medien zu tun zu haben.
Zur Destabilisierung Russlands, seiner Nachbarn und Europas…
Dies ist wohl die bevorzugte Angriffslinie der pro-kremlischen Medien gegen die USA: Washington sei weltweit ein Akteur böswilligen Einflusses, provoziere Spannungen zwischen Russland und seinen Nachbarn, besetze Europa, finanziere Proteste in Hongkong, um China zu destabilisieren, und so weiter. Ein wiederkehrendes Thema sind angebliche US-Finanzierungen biologischer Labore in Osteuropa – eine Quelle geleakter Viren und geheimer Experimente.Zum Beispiel berichtet uns NewsFront, dass das Pentagon angeblich Experimente in der Ukraine durchführt, die es wegen des extremen Gefährdungsgrades auf US-Boden nicht zu wagen würde. Außerdem bedrohen US-Biolabore in der Ukraine Russland, weil US-Expertinnen und -Experten dort gefährliche Krankheitserregerstämme sammeln. Das Lugar-Labor in Georgien (ein besonders häufiges Ziel pro-kremlischer Desinformation) entwickelt Biowaffen, um die südossetische Bevölkerung ins Visier zu nehmen.
Unterdessen befeuert die allmächtige USA die imperialistischen Ambitionen Polens, Österreichs und Ungarns und kontrolliert gleichzeitig die Ukraine unter dem Vorwand, Korruption zu bekämpfen. Der globale „Deep State“ (zu dem vermutlich die USA sowie andere mächtige, böse Eliten gehören) hat Osteuropa in ein Gebiet der „Plünderung und Verwüstung“ verwandelt. Doch Russland steht stets im Zentrum der angeblich böswilligen Absichten Amerikas: von dem unehrlichen Versprechen an Gorbatschow, dass die NATO sich nicht nach Osten ausdehnen würde, über die Dämonisierung Russlands und Putins bis hin zu dem Entsenden von Dschihadisten nach Russland, um das Land zu destabilisieren. Egozentrische „Russophobie“ ist das, worauf die pro-kremlische Desinformationsmaschine immer hinausläuft – regelmäßig wie ein Uhrwerk.
