Kreml-Medien sagen, der Kreml mische sich nicht in Kreml-Medien ein
Diesen Montag erklärte Sputnik in einem Tweet, dass „Russland sich nicht in die redaktionelle Politik des Fernsehens einmischt.“
https://twitter.com/SputnikInt/status/1099967061604945925
Bevor wir uns daran erinnern, auf welche Weise der Kreml seine Medienkontrolle ausübt, werfen wir einen kurzen Blick darauf, wer in diesem Tweet eigentlich spricht.
„Russia Today“ bedeutet nicht Russia Today
Zusammen mit RIA Novosti ist Sputnik Teil des staatlichen Medienriesen Rossiya Segodnya, was übersetzt „Russland heute“ bedeutet. Das heißt jedoch nicht, dass Rossiya Segodnya dasselbe ist wie Russia Today (RT); es handelt sich um zwei getrennte Organisationen. Dennoch ist die Chefredakteurin von Sputnik und von Russia Today zufällig ein und dieselbe Person; ihr Name ist Margarita Simonyan.
Um die Sache noch komplizierter zu machen, ist der CEO von Rossiya Segodnya auch der Moderator der Sendung Vesti Nedeli („Nachrichten der Woche“) auf dem staatlichen Fernsehsender Rossiya 1.Sein Name ist Dmitriy Kiselyov.
Und vielleicht haben Sie bereits erraten, in welcher Fernsehsendung die Geschichte auftauchte, von der Sputnik so eifrig bestreiten möchte, sie sei das Ergebnis staatlicher Kontrolle? Natürlich in Kiselyovs „News of the Week“.
URGENT: This is ridiculous, says every state TV employee. https://t.co/YuingCFliJ
— Alexey Kovalyov (@Alexey__Kovalev) February 25, 2019
Der russische Journalist und Chefredakteur von Coda’s russischer Ausgabe, Alexey Kovalyov, reagierte umgehend auf Sputniks Tweet in diesem Twitter-Thread.
Die wöchentlichen Treffen
Sputniks Tweet ist falsch und ein Beispiel für pro-kremlische Desinformation.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Kreml direkte Kontrolle über die dominierenden russischen Medien ausübt; und in den letzten Jahren sind immer mehr Details über dieses System ans Licht gekommen.
Whistleblower haben über die tägliche Arbeit in einer staatlich kontrollierten Medienorganisation berichtet; in einigen Fällen sind sogar gedruckte Versionen der Anweisungen des Kremls aufgetaucht.
Eine aktuelle Untersuchung, durchgeführt von unabhängigen russischen Journalisten, hat zusätzliches Licht auf die wöchentlichen Treffen mit dem Kreml geworfen, bei denen Chefredakteure diese Anweisungen erhalten.
Wenn Sputnik also sein Bestreiten staatlicher Kontrolle als „DRINGEND“ präsentiert, kommt man nicht umhin, an die aus der Psychoanalyse bekannte Logik zu denken: Dass wenn das Wenn ein Klient etwas wiederholt und ungewöhnlich nachdrücklich behauptet, liegt es oft daran, dass die Wahrheit das Gegenteil von dem ist, was der Klient sagt.
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Oberes Bild: Screenshot von Sputniks Tweet.