Von objektiver Berichterstattung zu Mythen und Propaganda: Die Geschichte von RIA Novosti
„Bordelle für Zoophile gibt es in Kopenhagen schon seit langer Zeit. Lokale Tierrechtsschützer, deren Stimmen jedoch fast nie gehört werden, haben mir erzählt, dass die Tiere in spezielle Maschinen gesteckt werden und ihnen sogar die Gliedmaßen gebrochen werden, damit sie denen, die solche ungewöhnlichen Vergnügungen genießen, keinen Schaden zufügen können.“
Der oben zitierte Absatz war Teil von einem längeren Beitrag, der im Dezember von RIA Novosti, einer staatseigenen russischen Nachrichtenagentur, veröffentlicht wurde und verschiedene Aspekte der angeblichen Perversion traditioneller Werte im Westen beschrieb.
Bevor wir uns die Entwicklungen ansehen, die RIA Novosti an den Punkt gebracht haben, an dem sie Artikel dieser Art veröffentlicht, drehen wir die Diskussion um und fragen, ob es in RIAs Geschichte irgendwelche mildernden Umstände gibt. Gibt es etwas, das uns daran hindert zu dem Schluss zu kommen, dass RIA, die früher international für Genauigkeit und unparteiische, zeitnahe Berichterstattung geschätzt wurde, sich schlicht verkauft hat und zu einem antiwestlichen Propagandaorgan geworden ist?
Ist eine undokumentierte Behauptung eine „Meinung“?
Die falsche Vorstellung, dass Dänemark Zoophilie – Sex von Menschen mit Tieren – toleriert, ist in der pro-kremlischen Erzählung nicht neu. Wie wir im September berichteten, hat sie eine Geschichte in Randmedien in Russland, Georgien und anderen Ländern.In Russland lässt sich das Narrativ auch auf eine Nachricht zurückverfolgen, die im Oktober 2013 vom staatlich kontrollierten Fernsehsender NTV ausgestrahlt wurde, in der behauptet wurde, Dänemark sei zu einem Ziel des internationalen Tiersex-Tourismus geworden.
Dieses Bild wurde zur Illustration einer ähnlichen Geschichte über angebliche Tierbordelle in Dänemark verwendet, die von einem marginalen russischen Medium veröffentlicht wurde, wie wir im September berichteten. (Bild: Screenshot von Kolokol Rossii)
RIA’s Geschichte geht jedoch nicht so weit zu behaupten, Dänemark habe Tierbordelle legalisiert; die Autorin bringt lediglich ein Gerücht über Tierquälerei vor, das sie nach eigenen Angaben von einer Freundin gehört habe.
RIA’s Beitrag wird auch nicht als Nachricht präsentiert; vielmehr ist er in einem Abschnitt veröffentlicht, der mit „Meinung“ überschrieben ist. Man könnte argumentieren, dass dieser Rahmen für RIA ein Element der Abstreitbarkeit einführt, sodass die Nachrichtenagentur, falls sie gefragt wird, einfach sagen kann, die Behauptung stamme von der Autorin und keineswegs von RIA.
Aber kann eine undokumentierte und, milde gesagt, kontroverse Behauptung als „eine Meinung“ gelten? Und werden jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei RIA, die Anerkennung für ihre journalistische Arbeit genießen wollen, es zu schätzen wissen, dass eine solche Art von Text auf der Website von RIA erscheint?
RIA unter Druck
Die Nachrichtenagentur RIA Novosti, oder einfach „RIA“, ist Teil des staatlichen Medienhauses „Rossiya Segodnya“.RIA arbeitet im selben Gebäude wie eines der internationalen Vorzeige-Propagandaangebote des Kreml, Sputnik, und hat denselben Generaldirektor wie Sputnik, den von der EU sanktionierten Dmitry Kiselev (siehe Foto oben). Die Agentur verfügt über ein weit verzweigtes Netz von Korrespondenten auf der ganzen Welt, darunter Reporter, die bei den EU-Institutionen in Brüssel akkreditiert sind.

Das Hauptquartiergebäude von RIA Novosti in Moskau. Seit 2013 trägt es den Namen Rossiya Segodnya („Russland heute“). (Bild: Wikipedia)
Seit der Fusion mit Sputnik (der früheren Voice of Russia/Radio Moscow) im Jahr 2013 unter dem Dach von „Rossiya Segodnya“ hat RIA’s Personal damit gekämpft, trotz Drucks von Top-Managern, die nachweislich behaupten, dass „die Zeit des unparteiischen Journalismus vorbei ist. Objektivität ist ein Mythos“, Bereiche propaganda-freien Sauerstoffs zu bewahren.
Indem sie einen „Meinungs“-Bereich für die offen propagandistischsten Texte reservieren, hoffen jene Redakteure und Journalisten bei RIA, die sich an die Zeit erinnern, als RIA internationales Ansehen genoss, und die ihre berufliche Integrität hochhalten, vielleicht, das Kerngeschäft von RIA, den Nachrichtendienst, vor Desinformation und anderen Formen von Propaganda zu schützen.Allerdings sind, wie unsere Datenbank zeigt, in RIA’s Nachrichtenagentur-Berichterstattung zunehmend Beispiele für Desinformation aufgetaucht.
Weiterführende Lektüre:
Nein, Dänemark legalisiert keinen sexuellen Missbrauch von Tieren
Im Inneren der Medienmaschine des Kremls
Drei Dinge, die Sie über RT und Sputnik wissen sollten
(Titelbild: YouTube)