Propaganda hat ihren Preis
Russische politische Entscheidungsträger priorisieren weiterhin die Durchführung von Desinformationskampagnen im Inland und im Ausland.
Eine der Personen, die diese Politik umsetzen, die Chefredakteurin von RT, Margarita Simonjan (oben), hat das von ihr geleitete Netzwerk mit „einem Verteidigungsministerium“ verglichen. Offensichtlich erfordern derart hohe Ambitionen ein beträchtliches Budget.
Wenn jedoch die Kosten der Propaganda öffentlich gemacht werden, stimmen die Russen selbst – Bürgerinnen und Bürger, deren Steuern letztlich die Rechnung bezahlen werden – nicht automatisch zu, dass ihr Land dieses Niveau teurer staatlicher Propaganda aufrechterhalten sollte.
1,3 Milliarden Euro
Im September letzten Jahres berechnete Interfax die Gesamtkosten im vorgeschlagenen Staatshaushalt auf 1,3 Milliarden Euro (92 Milliarden Rubel). Eine derart enorme Zahl kann leicht abstrakt wirken – bis sie jemand in konkrete Beispiele übersetzt.
Das geschah letzte Woche, als einer der beliebtesten Blogger Russlands, Ilja Warlamow, einen Artikel veröffentlichte, der den Preis der staatlichen Propaganda mit den Budgets einiger der größten Städte Russlands verglich.
Mit mehr als 500K Followern auf Instagram und einem Blog konzentriert sich Ilja Warlamow auf Stadtentwicklung innerhalb und außerhalb Russlands.Bild: Wikimedia Commons.
Bist du nicht verärgert?
Ilja Warlamow zeigte, dass die Kosten für den Betrieb von RT dem Budget einer russischen Stadt mit etwas über einer Million Einwohnern entsprechen.
„Liebe Einwohner von Kasan, Woronesch, Wolgograd, Omsk und besonders Samara! Ärgern Sie sich nicht darüber, dass Ihr Geld für [Propagandisten] Simonyan, Keosayan, Skabeeva, Sheinin, Solovyov, Kiselyov, Malakhov usw. ausgegeben wird und nicht für bequeme moderne Straßen, öffentliche Räume, Straßenbahnen und Oberleitungsbusse?“
Ilja Warlamow, russischer Blogger und Urbanist
Mit Warlamows Kritik wird deutlich, dass die globale Desinformationskampagne des Kremls ihren Preis hat; und nicht nur in einer Form, die im Staatshaushalt messbar ist, sondern auch in Form von Unzufriedenheit unter gewöhnlichen Russen.
In einem Land, das mit einer Armutsquote von 14,3 % kämpft (oder 20,9 Millionen Menschen, Zahlen Januar–März 2019), kann nicht von allen erwartet werden, dass sie RT, Sputnik und die inländischen Propagandakanäle, die so florieren, gutheißen.
„Das Publikum von den wirklichen Problemen ablenken“
Ilja Warlamow ist mit seiner Kritik nicht allein; auch andere russische Stimmen erheben sich gegen die Desinformation.
Ein solches Beispiel ist die Journalistin Maria Borzunowa, die in einem Interview mit EUvsDisinfo erklärt hat, dass die staatliche Propaganda „hauptsächlich dazu verwendet wird, das Publikum von den wirklichen Problemen abzulenken, die im Land existieren“.
MariaBorzunova arbeitet für den unabhängigen Online-TV-Sender TV Rain. Sie moderiert eine wöchentliche Sendung namens „Fake News“, die Desinformation aufdeckt in den vom Kreml kontrollierten TV-Sendern. Bild: TV Rain
Umfragewerte deuten darauf hin, dass die Propaganda tatsächlich nach und nach an Wirkung verliert: Nur einer von drei Russen sagt, er vertraue den Nachrichtensendungen der staatlich kontrollierten Sender Channel One Russia (Pervyi Kanal) und Rossiya 1.
Oberes Bild: Wikimedia Commons.