RIA’s Freudsche Schlagzeilenformulierung
„Europäische Medien: Russland ist zur letzten Hoffnung des Westens geworden.“
So lautete die Überschrift in einem analytischen Kommentar, der Anfang des Monats von der russischen staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti veröffentlicht wurde. Das Problem ist jedoch, dass keines der in dem Kommentar zitierten europäischen Medien gesagt hat, Russland sei die letzte Hoffnung des Westens, oder etwas Ähnliches. Die Überschrift ist schlicht nicht wahr.
In der Veröffentlichung von RIA Nowosti wurde erörtert, was als „das Ende einer Ära amerikanischer Hegemonie“ dargestellt wurde; doch dass Russland Europa Hoffnung oder Kompensation bieten sollte, ist ausschließlich die Interpretation des RIA-Autors.
Manipulatives Schreiben von Überschriften ist ein klassischer Desinformationstrick: Eine Überschrift hat die Macht, das Verständnis des gesamten nachfolgenden Artikels zu rahmen. Wie ein freudscher Versprecher vermittelt eine irreführende Überschrift etwas, das der Autor eines Textes nicht offen vertreten oder mit Belegen untermauern kann, aber dennoch sagen möchte. Häufig besteht das Hauptziel dieser Art manipulativer Überschriften darin, Spaltungen und Konflikte im Westen zu verursachen.
In letzter Zeit hat sich RIA Nowosti den Ruf erworben, besonders problematische Desinformation zu verbreiten, die sich in Form analytischer Kommentare gegen die EU und europäische Gesellschaften richtet.Die Behauptung, dass „Bordelle für Zoophile es in Kopenhagen schon lange gibt“, in denen „Tiere in spezielle Maschinen gesteckt werden und ihnen sogar die Gliedmaßen gebrochen werden“, erschien ebenfalls in diesem Abschnitt der Website von RIA. RIA Nowosti ist Teil des Medienholdings Rossija Segodnja, dessen Geschäftsführer der von der EU sanktionierte Dmitri Kisseljow ist.
Die irreführende RIA-Schlagzeile wurde von Polygraph entdeckt, einem RFE/RL-Projekt, das sich der Analyse pro-kremlischer Desinformation widmet.