Wenn nichts zufällig ist, ist alles möglich
Sergei Skripal wurde von der britischen Regierung vergiftet, weil er Christopher Steele geholfen habe, das Trump-Russland-Dossier zusammenzustellen, und zu viel gewusst habe.
Mit dieser Behauptung fügte der russische staatlich kontrollierte Sender NTV dem ohnehin überwältigenden Korpus von sich ändernden Erklärungen neues Material hinzu, die kremlnahe Medien seit dem versuchten Attentat in Salisbury im März 2018 verbreiten.
Punkte mit Desinformation verbinden
Die NTV-Produktion, die am 19. September ausgestrahlt wurde, folgt einer einfachen Formel.
Der Fernsehsender erinnert sein Publikum an zwei bekannte Ereignisse: den Angriff auf Herrn Skripal und seine Tochter Julia mit dem militärischen Nervenkampfstoff Nowitschok sowie Christopher Steeles Zusammenstellung des Trump-Russland-Dossiers.
Die Sendung versucht, diese beiden Punkte zu verbinden, indem sie eine Reihe von Theorien postuliert, jedoch ohne Belege zu ihrer Untermauerung vorzulegen, wie in einem kritischen Artikel über die NTV-Produktion gezeigt wird, der von dem unabhängigen russischen Online-Medium The Insider veröffentlicht wurde.
Indem NTV seine Argumentation teilweise auf sachliche Informationen stützt, versucht der Sender, seine Erklärung vertrauenswürdig erscheinen zu lassen.Wenn jedoch der Kitt, der die beiden bekannten Ereignisse miteinander verbinden soll, nicht belegt ist und nicht funktioniert, gleicht die NTV-Produktion nichts als Paranoia.
Desinformation als Paranoia
Einer der unverhohlensten Propagandisten im russischen Staatsfernsehen, der von der EU sanktionierte Dmitry Kiselyov, ist in Russland mit dem Satz zu einem Meme geworden: „Ein Unfall? Das glaube ich nicht.“
“Ein Unfall? Das glaube ich nicht”. Russische Nutzer sozialer Medien haben dieses Meme genutzt, um den führenden TV-Propagandisten Dmitry Kiselyov zu verspotten. Bild: Wikireality.ru
NTV bedient sich dieser Logik der Paranoia, indem es leugnet, dass etwas ein Unfall sein könne, und kausale Zusammenhänge imaginiert, wo solche nicht existieren. Um den Titel eines modernen Klassikers zur Erforschung der TV-Propaganda des Kremls zu paraphrasieren: wenn nichts zufällig ist, ist alles möglich.
Damit kommen wir zu vielleicht der verrücktesten Behauptung, die in NTVs Skripal-Sendung vorgebracht wurde: Das Vereinigte Königreich habe angeblich im Labor Porton Down in der Nähe von Salisbury mit der Herstellung eines Gegenmittels gegen Nowitschok experimentiert und die Ergebnisse an Meerschweinchen getestet. Herr Skripal hielt Meerschweinchen in seinem Haus.Das kann doch kein Zufall sein, oder?
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