Boris, der tanzende Roboter
Als das russische Staatsfernsehen „einen der fortschrittlichsten Roboter“ zeigte, der auf der Bildungsmesse in der Stadt Jaroslawl vor begeisterten Kindern zum Little-Big-Song „Skibidi“ tanzte, stellte sich heraus, dass es kein Roboter war, sondern ein Mann in einem Kostüm.
Die russische Tech-Website Tjournal stellte die Echtheit der von dem kremlgesteuerten Sender Rossija 24 aufgestellten Behauptung schnell in Frage und stellte eine Reihe von Fragen; z. B. warum „Boris“, wie der Roboter genannt wurde, von den Wissenschaftlern, die ihn entwickelt haben sollen, nirgendwo vorgestellt worden sei und „warum er beim Tanzen so viele unnötige Bewegungen macht“.
https://www.youtube.com/watch?v=4YUqUunt3Ns
Die Geschichte über Boris ging weltweit viral und wurde von The Guardian und The New York Times sowie vielen anderen Medien innerhalb und außerhalb Russlands aufgegriffen.
Rossiya 24 nahm ihren Beitrag zunächst auf YouTube herunter, veröffentlichte ihn später jedoch erneut und brachte einen separaten Beitrag über die Reaktionen, wobei man die negative Berichterstattung in der Ukraine hervorhob.
Rossiya 24 kritisierte zudem Medien dafür, ihren Korrespondenten wegen seiner „nicht ganz gelungenen kreativen Entscheidung“ zu „verspotten“, statt sich auf die Chancen für Schulkinder zu konzentrieren, die auf der Bildungsmesse gezeigt worden waren.
Der Fernsehsender fühlte sich missverstanden.Wie der Journalist hinter der Geschichte in einem Kommentar sagte: „Ich war mir einfach vollkommen sicher, dass jeder, wie beim Weihnachtsmann, definitiv erkennen würde, dass das ein Kinderunterhalter in einem Kostüm ist“.
Die Geschichte über Boris den Roboter wäre vielleicht nur ein unterhaltsamer Fall von „Fake News“ gewesen, wenn es nicht die Vorgeschichte früherer „nicht ganz erfolgreicher kreativer Entscheidungen“ seitens der russischen Staatsmedien gegeben hätte:
Als Rossiya 24 „unwiderlegbare Beweise dafür, dass die USA ISIS-Kampftruppen Deckung geben“, ausstrahlte, stellte sich heraus, dass es sich um Screenshots aus einem Werbevideo für ein Computerspiel namens „AC-130 Gunship Simulator: Special Ops Squadron“ handelte.
Als Rossiya 24 versuchte, Proteste gegen Arbeitsgesetze in Frankreich als Anti-EU-Demonstrationen darzustellen, stellte sich heraus, dass die Interviews aus dem Französischen falsch übersetzt worden waren, um zur Geschichte des Senders zu passen.

Als RT (Russia Today) behauptete, Putin sei in den USA so beliebt, dass ein New Yorker Restaurant einen Burger nach ihm benannt auf seiner Speisekarte habe, stellte sich ebenfalls heraus, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelte.

Als Pervy Kanal, ein weiterer staatlicher Fernsehsender, Kampfszenen aus zeigte Syrien, das Filmmaterial stellte sich als aus dem Computerspiel „Arma 3“ stammend heraus.
Als Perwy Kanal kürzlich einen „Ukrainer“ interviewte, der sich über sein Land beschwerte, stellte sich heraus, dass es sich um einen belarussischen Schauspieler handelte.

Als Perwy Kanal geheime Aufnahmen der britischen 77. Brigade bei der Arbeit zeigte, stellte sich heraus, dass es sich um ein öffentliches Rekrutierungsvideo handelte, das nicht die 77. Brigade zeigte.
Für einen Überblick über Desinformation, die auf Rossija 24 und dem Schwestersender Rossija 1 erschienen ist, folgen Sie diesem Link zu unserer Datenbank.
Oberes Bild: Screenshot von Rossija 24.


