COVID-19: Pro-Kreml-Medien verteidigen Peking
Vom Kreml kontrollierte Medien haben chinesische Behörden gegen Kritik verteidigt und dabei Desinformation mit pro-pekingfreundlicher Berichterstattung kombiniert.
Am 20. April schoss das russische Fernsehen gegen die USA und verteidigte chinesische Behörden gegen Kritik an ihrem Umgang mit dem COVID-19-Ausbruch.
Die Sendung im staatlich kontrollierten TV-Sender Rossija 1 erfolgte nach Kontakten zwischen Moskau und Peking auf höchster Ebene.
RT (Russia Today) und die Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die beide ebenfalls von den russischen Behörden kontrolliert werden, folgten einem ähnlichen Muster mit pro-pekingfreundlicher, COVID-19-bezogener Berichterstattung.
„Natürlich ist China empört“
Die im Fernsehen ausgestrahlte Verteidigung Pekings wurde vom EU-sanktionierten Moderator Dmitri Kisseljow (oberes Bild) präsentiert. Er verglich die Kritik an der chinesischen Regierung damit, dass Russland für den Chemiewaffenangriff in Salisbury und für Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen 2016 verantwortlich gemacht werde:
„Natürlich ist China empört über die US-Vorwürfe, Informationen über das Coronavirus zurückgehalten zu haben, und über die Debatte, dass die Pandemie infolge eines Lecks des Virus aus einem Labor in Wuhan entstanden sei. Es gibt keine Beweise. Nur eine Menge Geschrei.
Das haben wir schon mehr als einmal gesehen. “””Zum Beispiel, als Russland beschuldigt wurde, sich in die amerikanischen Wahlen einzumischen, oder als den russischen Geheimdiensten vorgeworfen wurde, die Skripal-Familie im Vereinigten Königreich vergiftet zu haben. Bislang hat niemand irgendwelche Beweise vorgelegt.“
Wie wir bereits in der Desinformationsübersicht hervorgehoben haben, ist es faktisch falsch zu behaupten, dass es keine Beweise für die russische Verantwortung bei der Einmischung in die US-Wahlen und dem Angriff auf Sergei Skripal und seine Tochter gibt.Beide Behauptungen sind zentral für die fortlaufende pro-kremlische Desinformationskampagne.
Pro-Beijing-Botschaften von RIA Novosti und RT
In den Tagen nach Dmitri Kisseljows Auftritt bei Rossija 1 veröffentlichte auch die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur RIA Novosti pro-Beijing-Nachrichten im Zusammenhang mit COVID-19 mit folgenden Schlagzeilen:
„Chinesische Medien widerlegen Mythen über COVID-19“; „Biologe bezweifelt, dass Fledermäuse die Pandemie verursacht haben“; „Um zu überleben, muss Amerika zu China werden“; „China sagt, es gebe im Land keine Wildtiermärkte“; „China würdigt Russlands Ansatz zum Ursprung des Coronavirus“ und „[Russlands] Außenministerium verurteilt Versuche, die Pandemie China und der WHO anzulasten“.
Im gleichen Zeitraum veröffentlichte RT in seiner englischsprachigen Online-Ausgabe pro-Beijing-Botschaften unter folgenden Schlagzeilen:
„‚Was verbergen die USA?‘ Beijing kritisiert Washingtons Covid-19-Reaktion & ‚verzweifelte‘ Versuche, China die Schuld zuzuschieben“; „China ist Opfer, nicht Drahtzieher der Covid-19-Desinformation – Außenministerium“; „Einmischung wird ‚nicht erfolgreich sein‘: Beijing weist Pompeos Vorwurf zurück, die Covid-19-Krise ‚auszunutzen‘, um den Einfluss im Südchinesischen Meer zu stärken“ und „Beijing weist Australiens ‚haltlose“Fragen“ zu seinem Umgang mit dem Coronavirus“.
Das pro-kremlnahe Narrativ war eindeutig: Moskau und Peking sitzen im selben Boot – als Opfer angeblich ungerechter Anschuldigungen aus dem Westen.
Koordinierte Mediennarrative
Die Berichterstattung der größten russischen Medienhäuser – darunter Rossija 1, RT und RIA Nowosti – wird in regelmäßigen Treffen zwischen Kreml-Vertretern und führenden Medienmanagern zentral koordiniert.
Unabhängige russische Journalistinnen und Journalisten haben beschrieben, wie die Narrative in führenden russischen Medien von der Kremlspitze aus gesteuert werden.
Die Praxis von Anweisungen von oben zu verschiedenen Themen wurde detailliert beschrieben – von der Berichterstattung über Proteste in Moskau bis zum Jubiläum der Königin von England.
Zu den spektakuläreren Beispielen gehört ein Fall, in dem eine angebliche Verwirrung über solche Anweisungen zur Verkündung eines Wahlergebnisses von 146 % in einer russischen Region führte.
Zuletzt hat das unabhängige Online-Medium Meduza berichtet, dass Desinformation, die auf den britischen Premierminister Boris Johnson abzielte, das Ergebnis einer zentralisierten Koordination in der Moskauer Zentrale von RIA Nowosti gewesen sei.
Oberes Bild: YouTube, Screenshot aus Rossija 1.