Die Aufblähung der Popularität des russischen Präsidenten im Ausland
Ein häufiges Thema in der pro-kremlischen Desinformationskampagne ist die Übertreibung der angeblichen Popularität des russischen Präsidenten in Ländern außerhalb Russlands. Das jüngste Beispiel ist eine in Russland von Zargrad und Swesda (Bild oben) verbreitete Geschichte, wobei letztere das offizielle Medium des russischen Verteidigungsministeriums ist. Beide pro-kremlischen Medien erzählten letzte Woche die Geschichte, wie ein neuer Kalender mit Bildern des russischen Präsidenten in Großbritannien angeblich überwältigende Beliebtheit genieße.
“Medien: Briten kaufen Putin-Kalender in riesigen Mengen”, berichtete Swesda seinen Lesern und fügte hinzu, dass “der Kalender mit Bildern von Wladimir Putin in Großbritannien für Aufsehen gesorgt hat”. In ähnlicher Weise teilte Zargrad den Lesern seiner Website mit, dass “Briten die Kalender mit Putin buchstäblich aus den Regalen rissen”, unter Verweis auf “lokale Medien” im Vereinigten Königreich, deren Identität jedoch nicht genannt wurde.
Desinformation als verzerrte Fakten
Das Problem ist, dass der betreffende Kalender in britischen Geschäften nicht zum Verkauf steht; wie hervorgehoben in Recherchen von Alexey Kovalev, einem russischen Blogger, der sich auf die Entlarvung von Desinformation spezialisiert hat, wurde der Kalender lediglich auf eBay zum Verkauf angeboten – von einer russischen Privatperson in der russischen Stadt Woronesch.Die Behauptungen über seine Popularität sind nicht belegt.

Der Kalender wurde auf eBay zum Verkauf angeboten von einer Privatperson, die in Russland lebt.
Und obwohl Großbritanniens Daily Mirror bereits berichtet hatte, dass ein neuer Wladimir-Putin-Kalender erhältlich sei, waren die von Zvezda und Tsargrad aufgestellten Behauptungen über seine Popularität bei britischen Verbrauchern frei erfunden. Sie stellen einen von vielen Fällen dar, in denen Desinformation auf einem Faktum aufbaut (jemand in Russland hatte tatsächlich einen Kalender produziert), dieses Faktum dann jedoch verzerrt. Die Verwendung einer faktischen Grundlage lässt die Desinformation glaubwürdiger erscheinen, und ihre Widerlegung wird weniger einfach als dann, wenn die Geschichten aus dem Nichts gegriffen sind.
Geburtstagsburger und syrischer Kalender
Die Botschaft über die angebliche Popularität des russischen Präsidenten stand auch im Zentrum des jüngsten Skandals, als RT (Russia Today) fälschlich inszenierte, dass in einem New Yorker Restaurant ein Wladimir-Putin-Geburtstagsburger serviert wurde. Ein weiterer verwandter Fall war die Veröffentlichung von einem Kalender, der junge syrische Frauen zeigte, die posierten und ihre Liebe zum russischen Präsidenten ausdrückten, wie wir im Januar berichteten.
Weiterführende Lektüre:
Abhängige Medien – Russlands Militär-TV Zvezda