Gehypter russischer Roboter entpuppt sich als koreanisch
„Russische Militärroboter machen Fitnessübungen vor Putin“, berichtete die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti in einem Tweet am 23. April.
In ihrer Berichterstattung über den Besuch von Präsident Putin an der Suworow-Schule – einem spezialisierten militärischen Internat für Jungen in St.Petersburg – RIA Novosti betonte , dass einer der jungen Schüler „seine eigene Erfindung“ vorgeführt habe.
Das Problem war jedoch, dass der Roboter nicht in der Schule erfunden worden war; und er war nicht einmal russisch.
Российские военные роботы показали разминку перед Путиным pic.twitter.com/YkdRVzQkXZ
— Кремлевский пул РИА (@Kremlinpool_RIA) April 23, 2019
Das unabhängige Nachrichtenportal Znak berichtete als erstes über den Fehler von RIA Novosti und zitierte russische Nutzer sozialer Medien, die den Roboter schnell als ein in Korea hergestelltes Spielzeug identifiziert hatten, das jeder bei Amazon kaufen kann.
Hightech-Pannen
Es ist nicht das erste Mal, dass kremlkontrollierte Medien peinliche Behauptungen zum Thema Roboter und andere Formen von Hightech aufstellen.
Im Dezember 2018 präsentierte der Staatssender Rossiya 24 einen Mann im Anzug als „einen der fortschrittlichsten Roboter“.
Rossiya 24 zeigte außerdem Screenshots aus einem Werbevideo für ein Computerspiel als „unumstößlichen Beweis dafür, dass die USA ISIS-Kampftruppen Deckung geben“.
Ein weiterer Staatssender, Pervyi Kanal, strahlte Bilder angeblicher Kampfszenen aus Syrien aus, die sich als aus dem Computerspiel „Arma 3“ entnommen herausstellten.
Als das russische Staatsfernsehen „Boris, einen der fortschrittlichsten Roboter“ vor begeisterten Kindern auf einer Bildungsmesse tanzen zeigte,es stellte sich heraus, dass es ein Mann in einem Kostüm war.
Keine Faktenprüfung, bitte!
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels hielt es RIA Novosti nicht für nötig, seinen Tweet zu löschen oder Änderungen an seinem Bericht vorzunehmen.
Man kann auch darüber spekulieren, warum die Nachrichtenagentur die Informationen über den angeblich russischen Roboter überhaupt nicht überprüft hat.
Die Erklärung ist wahrscheinlich ganz einfach: Wer würde es wagen, zu viele Fragen zu stellen, wenn der Präsident selbst im Zentrum einer Desinformationsgeschichte gestanden hat?
Weiterführende Lektüre:
Von objektiver Berichterstattung zu Mythen und Propaganda: Die Geschichte von RIA
Top-Bild: Kremlin.ru