Inkompetente Desinformation
Die größte Bedrohung für die pro-kremlische Desinformationskampagne ist nicht immer ein starkes Zurückdrängen durch die externen Gegner des Kremls.
Manchmal wird die Desinformation durch interne Fehler infolge von mangelnder Koordination, Faulheit und Korruption neutralisiert.
Bellingcats neueste Enthüllung über russische Agenten in der Ostukraine ist ein Beispiel dafür, wie das russische System zu seinem eigenen schlimmsten Feind wird.
Gefälschte Pässe
Letzte Woche verglich Bellingcat Informationen aus russischen Datenbanken, die Angaben über die Ausstellung von Pässen, Steuerzahler und Passagiere enthalten, die von Fluggesellschaften in Russland befördert werden.
Theoretisch sollen diese Datenbanken nicht öffentlich sein; aber geleakte Versionen sind in Russland auf dem Schwarzmarkt käuflich zu erwerben.
Bellingcats Tweet-Serie über die Untersuchung liest sich wie eine faszinierende Kurzgeschichte über inkompetente Desinformation:
"Igor Nikolaevich Beregovoy", born 30/12/1965, flew to Simferopol on 27 Oct 2014. That same day, Igor Nikoalevich Bezler (born 30/12/1965) told a colleague that he has left the Donbas for good, returning home to Simferopol.https://t.co/qw4WXTO8AZ
— Bellingcat (@bellingcat) November 7, 2019
Neither Igor Beregovoy nor Andrei Laptev are real people — they have no number (INN) on Russia's taxpayer database, as every real Russian adult does.
— Bellingcat (@bellingcat) November 7, 2019
The geniuses at Russia's passport office in Moscow processed the fake identities for both "Laptev" and "Beregovoy" at the same time, making their passport numbers only a couple dozen digits apart. Obviously, it's easy to search for all the passports with digits between them.
— Bellingcat (@bellingcat) November 7, 2019
Thanks to an absurd amount of incompetence and corruption in Russia's public sector, there are hundreds of leaked databases revealing all of this information. More on how the GRU is awful at keeping their operatives' identities secret here:https://t.co/qw4WXTO8AZ
— Bellingcat (@bellingcat) November 7, 2019
Die Ukraine hat keinen „Bürgerkrieg“
Bellingcats Enthüllung wäre weniger peinlich fürder Kreml, wenn zuvor nichts Ähnliches passiert wäre; aber es ist Teil einer Tendenz.
Das russische, staatlich kontrollierte Fernsehen hat Screenshots aus einem Computerspiel verwendet, um den Krieg in Syrien zu illustrieren. Ein Wahlergebnis von 146% wurde als authentisch präsentiert. Dem Gesicht des nordkoreanischen Führers Kim Jong-un wurde ein Lächeln hinzugefügt, um ihn bei dem Treffen mit Russlands Außenminister besonders glücklich aussehen zu lassen. Ein gehypter russischer Militärroboter entpuppte sich als ein koreanisches Spielzeug. Und es gab viele weitere peinliche Momente.
Wenn der Kreml nicht einmal in der Lage ist, die Passnummern der Operativen, die er in der Ukraine einsetzt, voneinander zu trennen, wie kann er dann hoffen, dass die Welt ihm glaubt, wenn er den Konflikt im Land als „einen Bürgerkrieg“ bezeichnet?
Titelbild: Bellingcat
