Russlands Angriffe auf das kulturelle Erbe der Ukraine: ein weiterer Sargnagel für die FIMI

Rakete trifft Kathedrale mit goldenen Kuppeln, Explosion und Trümmer (Von KI generierte Beschreibung)
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Die Kiewer Höhlenkloster-Lawra, eine heilige Stätte, die der Kreml seit Jahrzehnten als seine geistige Wiege und als eines der wichtigsten Zentren der Orthodoxie in Russland bezeichnet, steht nun im Fadenkreuz russischer Waffen. In der Nacht vom 15. Juni 2026 führte Russland einen Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew durch, der einen Großbrand in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Lawra auslöste. Die ukrainischen Behörden schätzen den Schaden an der alten Wallfahrtsstätte, einer von acht UNESCO-Welterbestätten des Landes, auf mehr als 500 Millionen Hrywnja (rund 10 Millionen Euro). Die Restaurierungs- und Wiederaufbauarbeiten könnten bis zu zwei Jahre dauern.

Der Angriff richtete sich nicht nur gegen das kulturelle Erbe der Ukraine. Er zerstörte zugleich eines der zentralen historischen Narrative der prorussischen ausländischen Informationsmanipulation und Einmischung (FIMI), das Moskau als Beschützer der orthodoxen Kirche darstellt.

 

Der Mythos vom Verteidiger des Christentums liegt in Schutt und Asche

Religion nimmt in der russischen Ideologie einen zentralen Platz ein, und der Kreml nutzt sie als Instrument der Einflussnahme in der Ukraine. Das heutige Russland betrachtet die Taufe Fürst Wolodymyrs im Jahr 988 als Gründungsmoment der russischen Staatlichkeit. Gleichzeitig verschweigt die russische FIMI, dass Wolodymyr Fürst von Kiew war und Moskau erst 159 Jahre später gegründet wurde. Diese unbequeme Tatsache hindert den Kreml jedoch nicht daran, seine Falschdarstellungen weiter zu verbreiten.

Die Geschichte Wolodymyrs zeigt beispielhaft, wie Russland sich die Geschichte anderer Völker aneignet. Putin selbst hat diesen Mythos weiter gepflegt und das Christentum als „mächtige einigende Kraft“ bezeichnet, die den Grundstein der russischen Nation gelegt habe. Russische Propagandisten versicherten der Welt zudem wiederholt, Russland werde „Kiew niemals bombardieren“, da sich dort mit der Höhlenkloster-Lawra eine heilige Stätte befinde. Der gezielte Angriff auf dieses UNESCO-Welterbe beweist das Gegenteil.

Russlands wiederholte und systematische Angriffe auf religiöse Stätten in der Ukraine widerlegen die FIMI-Kampagne, die die bedeutendsten Kirchen des Landes beharrlich als „Meisterwerke russischer Heiligkeit“ bezeichnet. Mit der vorsätzlichen Beschädigung der Lawra hat Russland die Grundfesten seines eigenen Geschichtsrevisionismus erschüttert. „Putin hat einen Nagel in den Sarg seines eigenen historischen Mythos geschlagen“, betonte die Ukraine vor den Vereinten Nationen als Reaktion auf den Angriff.

 

Ein russischer Schießstand für die ukrainische Kultur

Auf russische Raketenangriffe folgt häufig eine Welle russischer FIMI. Nach dem nächtlichen Angriff auf die Lawra am 15. Juni behauptete der Kreml, die Ukraine habe ihre eigene religiöse Stätte angegriffen und Russland halte sich strikt an das Übereinkommen zum Schutz von Kulturgut. Hinter diesen Behauptungen verbergen sich jedoch die barbarischen, imperialen und sowjetischen Methoden, mit denen das heutige Russland das kulturelle Erbe der Ukraine zerstört. EUvsDisinfo hat bereits 2023 ausführlich über die Methoden dieser russischen „kulturellen Sonderoperation“ berichtet.

Bis Juni 2026 haben UNESCO-Experten die Zerstörung von 536 Kulturstätten in der Ukraine durch Russland bestätigt und dokumentiert. Dazu gehören religiöse Stätten, Gebäude von historischem oder künstlerischem Wert, Museen, Denkmäler, Bibliotheken und Archive. Russische Raketen trafen vier der acht UNESCO-Welterbestätten der Ukraine: die historischen Zentren von Odessa und Lwiw sowie die Sophienkathedrale und die Kiewer Lawra.

Das ukrainische Kulturministerium liefert umfassendere Daten. Derzeit sind rund 1.900 Kulturerbestätten und 2.700 Einrichtungen der kulturellen Infrastruktur als durch die russische Armee zerstört oder beschädigt erfasst. Darüber hinaus hat Russland mehr als 35.000 Museumsobjekte aus den besetzten Gebieten der Ukraine entwendet. Weitere 1,7 Millionen Museumsobjekte befinden sich nach wie vor in den vorübergehend besetzten Gebieten und sind von Diebstahl oder Zerstörung bedroht.

Das ukrainische Kulturministerium beziffert den unmittelbaren Schaden, den die russische Aggression der ukrainischen Kultur zugefügt hat, auf vier Milliarden Euro. Die indirekten Verluste werden auf mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt.

Die russische FIMI bezeichnet die Zerstörung der ukrainischen Kultur und Geschichte als „westlichen Schwindel“. Sie behauptet, die UNESCO „vernachlässige“ den Schutz des ukrainischen Kulturerbes und „ignoriere“ dessen Zerstörung. Gleichzeitig reduziert sie das kulturelle Erbe der Ukraine auf Lenin-Denkmäler und andere imperialistische und sowjetische Monumente, die in der Ukraine im Rahmen der Dekommunisierung abgerissen werden.

 

Eskalation als Strategie

Am 15. Juni wurde neben der Lawra auch der nahegelegene Mystetskyj Arsenal, eines der wichtigsten Kulturzentren der Ukraine, von russischen Raketen getroffen. Ebenfalls getroffen wurde das Nationale Oleksandr-Dowschenko-Filmstudio. Dabei entstanden erhebliche Schäden, und eine Sammlung von 100.000 Kostümen aus Filmen, die für die Ukraine von besonderer kultureller Bedeutung sind, wurde zerstört.

Bereits zwei Wochen zuvor waren bei einem weiteren Angriff auf Kiew führende Kultureinrichtungen der Hauptstadt beschädigt worden. Betroffen waren unter anderem das Nationale Kunstmuseum der Ukraine, die Nationale Philharmonie der Ukraine, die Nationale Musikakademie der Ukraine, das Nationale Zentrum „Ukrainisches Haus“, die Nationalbibliothek der Ukraine „Jaroslaw der Weise“ sowie das Akademische Opern- und Balletttheater für Kinder und Jugendliche in Kiew. Auch das Nationale Tschornobyl-Museum, das erst einen Monat zuvor nach einer umfassenden Restaurierung wiedereröffnet worden war, erlitt erhebliche Schäden.

Russland greift seit Beginn seiner rechtswidrigen Invasion gezielt kulturelle Stätten in der Ukraine an. Im Frühjahr 2026 nahmen diese Angriffe jedoch deutlich zu. Diese neue Angriffswelle fällt in eine Zeit, in der Russland auf dem Schlachtfeld zunehmend unter Druck gerät und die Ukraine ihre Fähigkeit ausgebaut hat, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen.

Führende Analysten und Wissenschaftler werten diese Angriffe als Ausdruck von Putins Verzweiflung. Da es ihm weder gelingt, die ukrainische Armee militärisch zu besiegen noch die Moral der ukrainischen Bevölkerung zu brechen, richtet sich seine Gewalt zunehmend gegen die Kultur des Landes. Die militärisch sinnlosen Angriffe auf das kulturelle Erbe der Ukraine verdeutlichen einmal mehr, dass Putin kaum Interesse an Friedensverhandlungen hat. Eine umfassende Eskalation, die von der FIMI als Narrativ der „Befreiung der Ukraine“ getarnt wird, entspricht den Interessen Russlands weit mehr.

Lassen Sie sich nicht täuschen.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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