4. EAD-Bericht über FIMI-Bedrohungen – Das FIMI-Kartenhaus zum Einsturz bringen
Moderne Konflikte reichen weit über das Schlachtfeld hinaus. Neben Panzern und Drohnen spielen sie sich im Informationsraum ab, in dem Narrative, Algorithmen und digitale Plattformen genutzt werden, um das Publikum irrezuführen und zu manipulieren.
Der Informationsraum ist zu einer entscheidenden Arena geworden, in der staatlich geförderte Akteure versuchen, Bürger zu täuschen und zu manipulieren, indem sie die öffentliche Meinung, politische Entscheidungen und sogar Wahlergebnisse beeinflussen.
Was ist neu im 4. EAD-Bericht über FIMI-Bedrohungen?
Der 4. EAD-Bericht über FIMI-Bedrohungen (ausländische Informationsmanipulation und Einmischung) liefert neue Daten zum Ausmaß dieser Aktivitäten und stellt praktische Maßnahmen vor, um deren Durchführung zu erschweren und kostspieliger zu machen.
Seit 2023 veröffentlicht der EAD eine Reihe jährlicher FIMI-Bedrohungsberichte, die die sich wandelnde FIMI-Bedrohungslandschaft abbilden und den Ansatz der EU zu deren Bekämpfung darstellen. Jeder Bericht führte neue Instrumente ein, um zentrale Fragen zur Analyse und Reaktion auf FIMI zu adressieren.
Wie analysieren? Der erste Bedrohungsbericht stellte die FIMI-Methodik vor, die einen standardisierten Ansatz zur Untersuchung von Manipulationsaktivitäten durch Open-Source-Analysen festlegt.
Wie reagieren? Der zweite Bedrohungsbericht führte einen Reaktionsrahmen ein, der darlegt, wie die EU und ihre Partner Reaktionen auf FIMI-Kampagnen koordinieren können, einschließlich solcher mit Bezug zu Wahlen.
Wie aufdecken? Der dritte Bedrohungsbericht entwickelte die FIMI-Aufdeckungsmatrix – ein Instrument zur Offenlegung der Verbindungen zwischen digitalen Kanälen und der Infrastruktur hinter Einflussoperationen.
Der neu veröffentlichte vierte EAD-Bericht über FIMI-Bedrohungen konzentriert sich darauf, wie FIMI-Operationen abgeschreckt werden können. Aufbauend auf früheren Rahmenwerken und der FIMI-Toolbox der EU stellt er das FIMI-Abschreckungshandbuch vor, einen strukturierten Ansatz zur Erhöhung der Kosten und zur Verringerung des Handlungsspielraums für Akteure, die Informationsmanipulation betreiben.
Der Bericht stützt sich auf eine Untersuchung von 540 Vorfällen, die im Laufe des Jahres 2025 erfasst wurden. Diese Fälle betrafen etwa 10.500 Social-Media-Kanäle und Websites, die zur Erstellung oder Verbreitung manipulativer Inhalte genutzt wurden.
Staatsnahe Akteure und glaubwürdige Abstreitbarkeit
Von den Vorfällen, bei denen eine Zuordnung möglich war, standen 35 % in Verbindung mit staatlichen Akteuren, darunter 29 % mit Russland und 6 % mit China. Ein Großteil der Aktivitäten lässt sich jedoch nach wie vor nur schwer zuordnen. Beide Länder nutzen häufig komplexe und undurchsichtige Netzwerke, die es ihnen ermöglichen, ihre Reichweite auszuweiten und gleichzeitig eine plausible Abstreitbarkeit zu wahren.
Der Bericht bestätigt, dass die Ukraine das Hauptziel von FIMI-Operationen blieb. Diese zielten darauf ab, die internationale Unterstützung für die Ukraine und ihre Bevölkerung zu verringern sowie die Legitimität ihrer Führung und ihren Widerstand gegen den russischen Angriffskrieg infrage zu stellen.
Wahlen unter Druck
Wahlprozesse stehen weiterhin im Fokus von Bedrohungsakteuren. Im Jahr 2025 waren Wahlen in mehreren Ländern – darunter Deutschland, Polen, Rumänien, Moldau, die Tschechische Republik und Côte d’Ivoire – Ziel von FIMI-Kampagnen.
Auch technologische Entwicklungen prägen diese Operationen. Im Jahr 2025 betrafen 27 % der analysierten Vorfälle künstliche Intelligenz, darunter KI-generierte Texte, synthetische Audioaufnahmen und manipulierte Videos. Solche Werkzeuge ermöglichen eine schnellere Produktion von Inhalten und erlauben es, Einflusskampagnen mit geringerem Ressourceneinsatz zu skalieren.
Hinter den Kulissen: Netzwerke und Infrastruktur
Die im Bericht durchgeführte Netzwerkanalyse erweitert zudem unser Verständnis des übergeordneten Ökosystems hinter FIMI-Operationen. Durch die Kartierung von Verbindungen zwischen Kanälen und Plattformen identifiziert der Bericht eine zentrale digitale Infrastruktur, die mit regionalen Knotenpunkten verbunden ist, welche auf Regionen wie Subsahara-Afrika, den Nahen Osten und Nordafrika sowie Osteuropa abzielen.
Die Ergebnisse zeigen, dass FIMI-Kampagnen häufig durch bedeutende politische Ereignisse oder Nachrichtenereignisse ausgelöst werden. Fast die Hälfte der erfassten Vorfälle stand im Zusammenhang mit bestimmten Entwicklungen, darunter Wahlen, Proteste oder internationale Krisen, die Gelegenheiten bieten, manipulativen Narrativen Auftrieb zu verleihen.
Warum das wichtig ist
In Zeiten großer politischer oder medialer Ereignisse suchen Menschen aktiv nach Informationen, um das Geschehen einzuordnen. Diese erhöhte Aufmerksamkeit schafft ein Zeitfenster erhöhter Verwundbarkeit, das feindliche Akteure gezielt ausnutzen. Indem sie in solchen Momenten manipulative Narrative platzieren, können FIMI-Akteure erste Eindrücke prägen, das Verständnis verzerren und öffentliche Reaktionen beeinflussen – noch bevor verlässliche oder kontextualisierte Informationen verbreitet werden. In der Folge kann sich FIMI schneller verbreiten und tiefer verwurzeln: genau dann, wenn die Bürger am meisten auf vertrauenswürdige Informationen angewiesen sind.
Von der Analyse zum Handeln: das FIMI-Abschreckungshandbuch
Der aktuelle Bedrohungsbericht stellt ein FIMI-Abschreckungshandbuch vor, das einen Wechsel von der Diagnose zum Handeln vorschlägt. Durch die Identifizierung zentraler Schwachstellen in der Infrastruktur, bei den Vermittlern und in den Lieferketten, die von den Bedrohungsakteuren genutzt werden, können die EU und ihre Partner bestehende Instrumente wie Sanktionen, Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden, digitale Regulierung und den Aufbau von Resilienz mobilisieren, um diese Aktivitäten zu unterbinden.
Einen tieferen Einblick in die Daten, Netzwerke und Taktiken hinter diesen Operationen bietet der vierte EAD-Bericht über FIMI-Bedrohungen, der eine detaillierte Analyse der Entwicklung der Bedrohung und möglicher Gegenmaßnahmen enthält.
ENTDECKEN SIE GALAXY
Schließlich enthält der Bericht den FIMI Galaxy Explorer – das erste öffentliche interaktive Dashboard zu FIMI-Aktivitäten.
Dieses Tool ermöglicht es, zentrale Netzwerke hinter FIMI-Angriffen zu erkunden und Verbindungen zwischen den beteiligten Akteuren sowie deren Rolle in miteinander verknüpften Netzwerken sichtbar zu machen. Es wird deutlich, dass Angriffe nicht isoliert stattfinden, sondern Teil eines komplexen Geflechts feindlicher Informationsaktivitäten sind.
Der Explorer bildet derzeit die wichtigsten FIMI-Aktivitäten des Jahres 2025 ab, ist jedoch als langfristiges Instrument konzipiert und wird regelmäßig aktualisiert.