Dies ist nicht die Wagner-Gruppe
Es ist Sonntagabend im russischen Staatsfernsehen Rossiya 1. Der Propaganda-Moderator Dmitry Kiselyov präsentiert einen Bericht aus der Zentralafrikanischen Republik (ZAR):
„Wir arbeiten hier einfach im Rahmen eines Vertrags, um die [lokalen] Kämpfer auszubilden“, sagt ein russischer Militärausbilder dem TV-Reporter.„Wir haben nichts mit der privaten Militärfirma Wagner zu tun.“
Um die Punkte des Moderators zu veranschaulichen, zeigt Rossiya 1 später im Beitrag ein Blatt Papier mit „Die 10 Gebote des Kämpfers“ aus dem Inneren des Lagers – mit dem Logo der Wagner-Gruppe darauf.
Von privaten Trollen zu privaten Soldaten
Dieser peinliche Fehler wurde entdeckt vom in Moskau ansässigen Conflict Intelligence Team (CIT) und berichtet von der unabhängigen russischen Zeitung Novaya Gazeta.
«Вести недели» показали в ЦАР россиян, которые «не имеют никакого отношения к ЧВК Вагнера», но что-то пошло не так pic.twitter.com/rY8B4NmX7e
— CIT (@CITeam_ru) September 30, 2019
Klicken Sie, um zu sehen, wann das Logo der Wagner-Gruppe im Hintergrund eines Blatts Papier innerhalb des russischen militärischen Ausbildungslagers in der Zentralafrikanischen Republik erscheint.
Die Frage der Präsenz Wagners in der Zentralafrikanischen Republik ist besonders problematisch, da der Gruppe vorgeworfen wurde, drei unabhängige russische Journalisten ermordet zu haben, die Wagners Aktivitäten im Land untersucht hatten.
Die Wagner-Gruppe wurde mit Jewgeni Prigoschin in Verbindung gebracht, der, laut US-Behörden, auch der Eigentümer der St.Petersburger „Trollfabrik“, die Internet Research Agency.
Nicht das erste Mal
Es kommt nicht oft vor, dass Desinformation so schlampig produziert wird, dass sie sich so selbst entlarvt, wie es diesen Sonntag in Dmitry Kiselyovs Sendung der Fall war; aber es kommt vor.
Es passierte Pervyi Kanal, einem weiteren russischen staatlich kontrollierten Fernsehsender, als er eine Sequenz aus einem Computerspiel verwendete und behauptete, sie zeige Kampfszenen aus Syrien.
Es passierte dem Schwestersender von Rossiya 1, Rossiya 24, als ein Mann in einem Kostüm als „ein fortschrittlicher Roboter“ präsentiert wurde.
Und es passierte der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti, als ein angeblich in Russland erfundener Militärroboter sich als ein in Korea hergestelltes Spielzeug herausstellte, das jeder online kaufen kann.
Oberes Bild: Screenshot von Rossiya 1 auf Youtube.