Grüße aus der UdSSR
Wir sind zurück im Jahr 1969. Ein sowjetischer Matrose wirft von seinem Schiff aus eine Flaschenpost in den Pazifischen Ozean. Fünfzig Jahre später wird die Flasche an die Küste Alaskas gespült, wo ein Einheimischer sie findet.
Das russische Staatsfernsehen macht sich auf die Suche, um herauszufinden, ob der Verfasser der Nachricht noch am Leben ist – und findet ihn, inzwischen ein pensionierter Offizier, in Sewastopol auf der Krim.
Diese bewegende Geschichte wurde im landesweiten russischen Fernsehen gezeigt und später von zahlreichen Medien weltweit aufgegriffen.Aber war es echt? Russlands unabhängiger Fernsehsender TV Rain war nicht überzeugt.
Frische Flasche, frische Tinte, A4-Papier
In der neuesten Folge seines wöchentlichen Programms Fake News, untersuchten die Journalistinnen und Journalisten von TV Rain die Geschichte über die Flaschenpost, die ihre Kolleginnen und Kollegen beim staatlichen Fernsehsender Rossiya 1 produziert hatten. Die unabhängigen Journalistinnen und Journalisten stellten fest, dass sie eine Reihe von Fragen aufwirft.
Warum sah die Flasche völlig frisch aus und nicht so, als hätte sie ein halbes Jahrhundert im Ozean verbracht? Warum war der Brief in der Flasche so gut erhalten und die Tinte nicht verlaufen? Und warum war er auf einem Blatt A4 geschrieben – einem Papierformat, das in der Sowjetunion nicht Standard war?
TV Rain merkte außerdem an, dass der pensionierte Offizier in seinem Interview dem Reporter von TV Rossiya 1 sagt, er könne die Handschrift nicht als seine erkennen – selbst wenn er später im Interview sagt, dass der Name des sowjetischen Fischereiunternehmens, das in der Nachricht erwähnt wird, derjenige ist, für das er in jüngeren Jahren gearbeitet habe.
Zu gut, um wahr zu sein?
Die Geschichte des russischen Staatsfernsehens ist in ihrem Umfang fast episch: Sie verbindet ein ehemaliges russisches Territorium, Alaska, mit der heutigen Krim – einem ukrainischen Territorium, das gemäß dem offiziellen Desinformationsnarrativ des Kremls „heimgekehrt“ sei, als Russland 2014 einmarschierte und es illegal annektierte.
Ebenso,Die Geschichte schlägt eine zeitliche Brücke zwischen der Erinnerung an die Sowjetunion und den imperialen Träumen der modernen Russischen Föderation nach der Krim.
Hinzu kommt der bewegende menschliche Aspekt, und die Geschichte fügt sich perfekt – manche, darunter der unabhängige Fernsehsender TV Rain, würden sagen: zu perfekt – in das geopolitische Narrativ des Kreml.
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