Krim: Das Spiel ist noch nicht vorbei
„Krym – nash! Die Krim gehört uns!“
Dies war der Slogan, mit dem die russischen Behörden die Annexion der ukrainischen Halbinsel feierten – ein Prozess, der vor fünf Jahren, im Februar 2014, begann.
Seitdem ist die Krim-Frage nicht nur ein Kampf um Territorium; die Annexion legte auch den Grundstein für einen Kampf um die Wahrheit, der bis heute andauert.
Höfliche und grüne Männer
Schwer bewaffnet und ihrer Abzeichen beraubt, übernahmen russische Soldaten in den turbulenten Tagen nach der Maidan-Revolution in der Ukraine still und leise die Kontrolle über die Infrastruktur der Krim.
In Russland wurden diese Soldaten als „höfliche Menschen“ bekannt; außerhalb Russlands waren sie „kleine grüne Männchen“. Beide Spitznamen spielten auf ihre Abstreitbarkeit an, d. h. den Nebel der Unwahrheit, der die russische Militäroperation umgab.
Von Beginn an war die Annexion der Krim vor allem eine Desinformationskampagne.
Desinformation mit Berichterstattung entgegentreten
Die Augen und Ohren der Außenwelt waren die Reporter, die vor Ort auf der Krim arbeiteten.Als sich die Ereignisse überschlugen, spielten sie die führende Rolle dabei, die Desinformation des Kremls in Frage zu stellen.
Zu ihnen gehörte der Journalist Simon Ostrovsky, der Tag für Tag die Entwicklungen für Vice News in einer Reihe von Videoberichten beschrieb; seine preisgekrönte Arbeit ist zu einem modernen Klassiker geworden.
Klicken Sie, um Simon Ostrovskys Originalberichterstattung für Vice News über die „kleinen grünen Männchen“, die die Krim besetzen, anzusehen
Mit Ostrovskys Hilfe wurden internationale Zuschauer unmittelbare Zeugen der entscheidenden Begegnungen zwischen ukrainischen und russischen Soldaten.Er zeigte, wer die echten Menschen auf beiden Seiten des Konflikts waren – und ließ die russischen Masken fallen.
Ohne Fachleute wie Simon Ostrovsky zur richtigen Zeit am richtigen Ort hätte die Desinformationskampagne des Kremls möglicherweise erfolgreicher sein können, als sie sich letztlich erwies.
Desinformation strategisch herausfordern
Die Ereignisse auf der Krim zogen nicht nur die Aufmerksamkeit der wichtigen Reporter für aktuelle Brennpunkte auf sich.
Als Reaktion auf die Desinformationskampagnen rund um die Krim und den Donbas in der Ostukraine entstanden auch eine Reihe strategischerer und langfristiger Initiativen.
Das in Kyjiw ansässige Online-Projekt StopFake wurde schnell zu einem internationalen Trendsetter in der Praxis, durch das Zusammenstellen von Beispielen pro-kremlischer Desinformation Bewusstsein zu schaffen und diese Beobachtungen mit Reportagen aufzubereiten.

„Mir wurde klar, dass im Kampf zwischen Journalismus und Desinformation der Journalismus verlor.“Für mich als Journalist war es ein Moment persönlicher Mobilisierung“, erinnert sich StopFake-Mitgründer Yevhen Fedchenko (hier unter seinen StopFake-Kollegen, einen roten Pullover tragend).
In Russland hat das unabhängige Online-Medium The Insider seit Anfang 2016 systematisch Desinformation entgegentreten. Zahlreiche Beiträge haben Fälle beschrieben, in denen Ereignisse auf der Krim und anderswo manipuliert wurden, um zur Erzählung des Kremls zu passen.
Es gab auch internationale Bemühungen, pro-kremlischer Desinformation direkt entgegenzuwirken; Beispiele dafür sind das EU-Projekt EUvsDisinfo; der DFRLab des Atlantic Council; RFE-RL’s Polygraph sowie das Online-Medium Coda – dessen Investigativteam Simon Ostrovsky inzwischen leitet.
Coda hat auch eine russische Ausgabe, die vom russischen Journalisten Alexey Kovalyov geleitet wird; dessen Blog „Noodle Remover“ war nach der Annexion der Krim ein weiteres wichtiges Zentrum, um die Desinformation des Kremls aufzudecken.
Die Krim ist nicht Russland
Fünf Jahre nach der Annexion ist die Krim noch immer nicht „nash“, noch immer nicht „unsere“, noch immer kein Teil Russlands.Darauf zu bestehen heißt, Desinformation zu verbreiten, und die Wiederholung des Slogans lässt es nicht Wirklichkeit werden.
Dank der Berichterstattung von Simon Ostrovsky und seinen Kollegen aus dem Zentrum der Ereignisse konnten wir in Echtzeit Falsches von Wahrem unterscheiden.
Und dank der langfristigen Arbeit unter anderem von Stop Fake, The Insider und Coda hat die Welt ein neues Wort gelernt – „Desinformation“ – und ist besser darauf vorbereitet, nicht in die Falle zu tappen und zu glauben, das Spiel sei vorbei und die Krim gehöre zu Russland.
Weiterführende Lektüre:
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Top-Bild: Karte erstellt von der Delegation Kanadas bei der NATO.