Im russischen FIMI-Labor: Testfall Republik Moldau

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Die Kombination aus Präsidentschaftswahlen und EU-Referendum im letzten Jahr bot Russland eine Gelegenheit, die es sich nicht entgehen lassen konnte, wie wir hier und hier untersucht haben. Russland hielt sich bei der Finanzierung oder anderen Ressourcen sicherlich nicht zurück. Im 3. EAD-Bericht über Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland (FIMI) haben wir die Rolle von FIMI als Teil einer viel umfassenderen Einflusskampagne, die die Republik Moldau 2024 ins Visier nahm, genauer betrachtet.

Im Vorfeld der Wahlen verstärkte Russland die Intensität seiner FIMI-Operationen gegen die Republik Moldau. Durch die Kombination bestehender Infrastruktur mit neu entwickelten Ressourcen versuchte Russland, den EU-Erweiterungsprozess zu untergraben und die Unterstützung für Präsidentin Maia Sandu zu schwächen.

Hinzufügen neuer Zutaten

Wir heben vier Hauptzutaten des russischen FIMI-Cocktails hervor. Anders als bei früheren Anlässen, bei denen Russland offenbar Wert darauf legte, seine Handlungen leugnen zu können, entschied sich der Kreml diesmal für deutlich mehr Transparenz und kombinierte verdeckte und offene Kanäle. Folglich wurden die offiziellen Kanäle Russlands direkter in die Angriffe auf die Republik Moldau einbezogen und übernahmen eine aggressivere Rolle. Russland stellte die zuvor gegen die Ukraine eingesetzte FIMI-Infrastruktur neu auf, um die Feuerkraft der Informationsmanipulation für Angriffe auf die Republik Moldau zu erhöhen. Um den Eindruck von Glaubwürdigkeit vor Ort zu erwecken und eine größere Verbreitung von Inhalten zu gewährleisten, wurde schließlich ein Netz neuer lokaler Kanäle geschaffen.

Moldauischer Eisberg

Wie wir in einem anderen Artikel über die Lehren aus dem 3. Bericht aufgezeigt haben, besteht das russische FIMI-Ökosystem sowohl aus offenen Kanälen, die leicht dem Kreml zugeordnet werden können, als auch aus verdeckten Kanälen, die unter staatlicher Aufsicht arbeiten und systematisch mit seinen Aktionen abgestimmt sind.

Auf offizieller Seite haben das russische Außenministerium und insbesondere seine Sprecherin Maria Zakharova ihr Äußerstes getan, um die Bühne zu bereiten und die ersten Desinformationsnarrative zu streuen. Russisch kontrollierte staatliche Kanäle wie die Nachrichtenagentur TASS, das Eurasia Daily und deren lokale Satelliten wie Sputnik Moldova gehörten zu den wichtigsten Content-Produzenten. Telegram-Kanäle, die mit diesen Medien verbunden sind, sorgten für die erste Phase der Verstärkung.

Licht auf das FIMI-Leben in dunklen Gewässern werfen

Wenn wir tiefer in die kalten und dunklen Gewässer rund um den FIMI-Eisberg eintauchen, sehen wir ein weites Ökosystem von Telegram-Kanälen, die Inhalte weiterverbreiten und teilen. Diese werden besonders in Schlüsselmomenten an Wahltagen deutlich aktiver. Wir haben drei interessante Arten in diesem speziellen Ökosystem erkannt.

Erstens haben Kanäle mit bekannten Verbindungen zu Russland, die sich zuvor auf die Ukraine und den Südkaukasus konzentrierten, wie der Telegram-Kanal Ukraina_ru, ihre Aufmerksamkeit auf die Republik Moldau gelenkt. Diese Kanäle haben sogar einige der traditionell mit der Ukraine in Verbindung gebrachten Narrative, wie z. B. den Vorwurf des Organhandels, neu aufgegriffen und auf die moldauische Präsidentin Maia Sandu gelenkt.

Überflutung des Informationsraums

Neben der Verlagerung des Schwerpunkts von der Ukraine auf die Republik Moldau sind zwei Arten von endemischen Netzwerken entstanden. Der lokale Zweig von Portal Kombat spielte eine aktive Rolle bei der Verstärkung von Inhalten aus russisch betriebenen Quellen zu den Wahlen in der Republik Moldau und dem EU-Referendum, indem automatisierte Übersetzungen sowie das automatische Kopieren und Einfügen von Inhalten genutzt wurden.

Über das ursprüngliche Zentrum des Kanals pravda-en.com hinaus wurden neue, auf die Republik Moldau fokussierte Domains eingerichtet, die sich sowohl an russisch- als auch an rumänischsprachige Zielgruppen richteten. Die Rolle von moldova-news.com, moldova.news-pravda.com, md.news-pravda.com und pravda-md.com bestand darin, den Informationsraum mit Inhalten aus dem Telegram-Kanal von Sputnik Moldova zu überschwemmen, einem Schlüssel-Knotenpunkt des Netzwerks.

Als ob es nicht genug wäre, Inhalte von Sputnik Moldova zu verstärken, tauchte ein weiterer Kanal auf: Moldova24. Dieses Netzwerk aus mindestens 14 Websites fungierte als vollwertiger Medienkanal mit einem Live-Sender und einem Fernsehstudio. Seine Aufgabe bestand darin, Originalinhalte mit lokaler Resonanz zu produzieren.

Allerdings wurde die mit diesem Netzwerk verbundene IP-Adresse mehrfach mit Websites in Verbindung gebracht, die dem staatlich kontrollierten russischen Sender RT (Russia Today) zugeordnet werden, was auf mögliche Verbindungen zu russischen Staatskanälen hindeutet. Am Ende wurde der Zugang zu moldova2.online, der Hauptwebsite der Gruppe, vom Informations- und Sicherheitsdienst (SIS) der Republik Moldau blockiert.

Keine Neuigkeiten an der Narrativfront

Die Narrative, die diese Kanäle verbreiteten, waren jedoch weniger originell. Abgesehen von der Wiederverwendung bestehender Narrative über die Ukraine und allgemeiner antiwestlicher Schablonen, um die Republik Moldau ins Visier zu nehmen, wiederholten diese Kanäle auch die üblichen Erzählmuster der Desinformation. Zu den wichtigsten Botschaften, mit denen diese Kanäle hausieren gingen, gehörten: (1) die Darstellung der EU als Bedrohung für die wirtschaftliche und politische Souveränität der Republik Moldau, (2) die Darstellung der EU-Integration als Provokation eines Konflikts mit Russland oder (3) als Bedrohung für die russischsprachigen Gemeinschaften sowie (4) das Schüren von Spannungen mit der Region Transnistrien.

Ein Cocktail aus Kombinationen

Die russischen Versuche der Wahlbeeinflussung stützten sich auf eine Kombination Manipulationstaktiken, darunter KI-generierte Inhalte, die Dokumentenfälschung und die Unterdrückung von Informationen. Gleichzeitig wurde falsche Faktenprüfung eingesetzt, um noch mehr Verwirrung zu stiften. Russland gelang es teilweise, die Armut in Teilen der moldauischen Bevölkerung mit einem von ihm geschaffenen Telegram-Chatbot als Waffe einzusetzen, der eine Bezahlung für die Verbreitung von EU-feindlichen Inhalten anbot.

Fortsetzung folgt… lernen und anpassen

Russland hat gezeigt, dass es in der Lage ist, zu lernen und seinen Ansatz anzupassen. Der Kreml hat aus seinen langfristigen Bemühungen Kapital geschlagen, indem er ständig Netzwerke aufbaute, die Moskau für zentrale Ereignisse wie Wahlen mobilisieren und verstärken kann.

Bei Wahlen und anderen wichtigen Ereignissen trägt diese Strategie auch dazu bei, die langfristige Einmischung in Ländern zu verstärken, die Russland geopolitisch im Visier hat.

Die FIMI-Infrastruktur in der Republik Moldau wurde nicht nur 2024 vollständig genutzt. Sie wurde auch getestet und gestärkt, um in der Zukunft eingesetzt zu werden – beispielsweise im Vorfeld der wichtigen Parlamentswahlen im Herbst dieses Jahres in der Republik Moldau.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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